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»Wer lacht, hat noch Reserven«

»Wer lacht, hat noch Reserven«

Titel: »Wer lacht, hat noch Reserven«
Autoren: Stefan Schultz
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Einleitung – Die »Stromberg«-Republik

    »Manche Chefs braucht man nicht zu parodieren.
    Es genügt, dass man sie zitiert.«
    Robert Neumann, Schriftsteller (1897–1975)
     
     
Einleitung
Die »Stromberg«-Republik
    Folgende Szene könnte sich in so ziemlich jeder Branche abgespielt haben. Man kann sich den Chef einer Investmentbank vorstellen, einen Mann mit zurückgegelten Haaren, der die Finanz-Haie in seiner Abteilung zu Höchstleistungen anstachelt. Der Ausspruch könnte auch vom Boss einer Werbeagentur stammen. Tatsächlich war es ein Physik-Professor, der seinen Mitarbeitern mit folgenden Worten klarmachte, wie viele Lichtjahre er ihnen geistig voraus zu sein glaubte:
    Längere Zeit hatte der Professor den Vorträgen seiner Hilfskräfte gelauscht. Da nahm er völlig unverhofft ein Blatt Papier und zeichnete die Umrisse eines Berges darauf. »Da sitzt Gott«, sagte er und tippte mit dem Kugelschreiber auf den Gipfel. »Da sitze ich.« Er tippte ins Zentrum des Bildes. »Und jetzt raten Sie mal, wo Sie sitzen?« Der Professor wartete kurz, dann ließ er den Kugelschreiber achtlos auf den Tisch fallen. »Nirgends. Sie sind gar nicht auf dem Bild.«
    Die Leserin, die diese Anekdote schickte, wird noch immer wütend, wenn sie sich an ihren damaligen Chef erinnert. »Zweiundzwanzig Jahre ist das her«, sagt sie. »Doch ich könnte den Mann noch immer an die Wand klatschen.«
    Ähnlich ergeht es täglich Millionen von Arbeitnehmern.In vielen deutschen Büros scheinen Motivations-Rambos, Code-Meister und Narzissten das Sagen zu haben. Diesen Eindruck gewinnt man zumindest, wenn man die knapp 2500 Zitate liest, die SPIEGEL - ONLINE – Leser in den vergangenen Monaten in die Redaktion gemailt haben. Sie waren aufgerufen, Szenen und Zitate aus ihrem Arbeitsalltag einzuschicken, und die Redaktion hat die skurrilsten, witzigsten, aber auch besonders schockierende Sprüche veröffentlicht.
    Ursprünglich war nur eine Mini-Serie geplant, ein wenig Zerstreuung für öde Stunden im Büro. Bald aber entwickelte sich ein größeres Projekt. Denn zusammen ergeben die Sprüche ein interessantes Mosaik. Spezielle Charakterzüge scheinen bei auffällig vielen Problem-Chefs aufzutreten. Es scheint eine Art Boss-Matrix zu geben.
    Wie viele der 36,6 Millionen deutschen Angestellten tatsächlich einen Narzissten oder Sprücheklopfer zum Vorgesetzten haben, lässt sich dadurch freilich nicht einschätzen. Auch dem Führungskräfteverband ULA liegen dazu keine Zahlen vor. Es gebe »keine überzeugenden Anhaltspunkte«, dass ein gestörtes Mitarbeiter-Chef-Verhältnis in deutschen Firmen die Norm sei, teilt der ULA auf Anfrage lapidar mit.
    Die Flut der Leserbriefe zeigt allerdings, dass die Zahl der Problem-Chefs in Deutschland auch nicht gerade sehr klein sein kann. Und noch etwas ist interessant: Die Zusendungen kamen aus ganz unterschiedlichen Branchen und Hierarchieebenen. Vom Kochlehrling bis zum Vorstandsvorsitzenden im Ruhestand meldete sich so ziemlich jeder zu Wort.
    »Jedes Büro ist im Kern gleich«, sagte Ralf Husmann, Erfinder von Deutschlands wohl berühmtestem Büro-Ekel, dem Versicherungsabteilungsleiter »Stromberg«, in einem Telefoninterview für dieses Buch. »Egal, ob Sie ineiner Werbeagentur arbeiten oder im Verteidigungsministerium. Sie finden überall dieselben Mechanismen.«
    Wer 2500 Chef-Sprüche liest, ist geneigt, das zu glauben. Es beschleicht einen das Gefühl, dass wir in einer Art »Stromberg«-Republik leben.
    Nur: Warum demotivieren Chefs ihre Mitarbeiter so oft, wenn sie sie eigentlich anspornen wollen? Warum sind Boss-Witze oft so unlustig? Und was denkt Ihr Chef eigentlich über Sie? In diesem Buch sollen Sie nicht nur herzlich über Ihren Vorgesetzten lachen. Sie sollen auch Antworten auf solche Fragen finden.
Die Psyche des Chefs
    Vielleicht kennen Sie den Film »Being John Malkovich«. In der Geschichte entdeckt der Puppenspieler Craig Schwartz eine Geheimtür, die direkt in den Kopf des bekannten Schauspielers führt. Er geht hindurch und sieht die Welt durch Malkovichs Augen. Er spürt das Frotteehandtuch, mit dem sich Malkovich nach dem Duschen abrubbelt; er flirtet mit der Frau, die Malkovich im Restaurant gegenübersitzt. Für eine Viertelstunde ist er Malkovich. Dann wird er auf einem Hügel neben einem Highway vor New York wieder aus Malkovichs Hirn ausgespuckt.
    Stellen Sie sich nun vor: Es gibt eine solche Geheimtür in Ihrem Büro. Sie führt direkt in den Kopf Ihres Chefs.

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