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Wenn Licht die Nacht durchdringt: (Teil 2) (German Edition)

Wenn Licht die Nacht durchdringt: (Teil 2) (German Edition)

Titel: Wenn Licht die Nacht durchdringt: (Teil 2) (German Edition)
Autoren: Sandra Andrea Huber
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EINS
     
     
    „ Geh mir aus dem Weg“, blaffte er einen nach dem anderen an und steuerte in großen und hastigen Schritten auf Merkas Büro zu. „Ich hab gesagt, geh mir aus dem Weg!“ Er rammte jeden beiseite, der ihm in die Quere kam. Egal ob Kunde, Mädchen oder einer von Merkas Handlangern. „Los, verpiss dich!“
    RUMS.
Er stieß die Tür so energisch auf, dass sie gegen die Wand knallte. Ein paar Schritte, dann stand er vor dem breiten Mahagonischreibtisch, hinter dem Merkas saß. Dieser zog den Blick von dem Buch in seinen Händen ab und sah ihn in einer Mischung aus spöttischer Erwartung und unterdrückter Wut an.
    „Wo ist sie?! Sie ist hier, hab ich recht?“ Er stützte seine bebenden Hände auf der Tischplatte ab, ehe er ein zweites Mal, diesmal gepresster und durchdringender, fragte: „Wo – ist – sie?“
    Merkas Augen funkelten. Nach einigen stummen Momenten klappte er das Buch zu – nicht ohne seelenruhig, als wäre er allein, die Stelle zu markieren –, lehnte sich in seinen Stuhl zurück und hob die Stimme: „Ach … sieh mal einer an, wer sich da blicken lässt. Der goldene Ritter, pardon, Ex-Ritter höchstpersönlich. Ich hatte mich schon gefragt, wo du abgeblieben bist. Immerhin warst du es doch, der die unschuldige Schönheit in unsere Welt gebracht hat, oder?“ Er lächelte – dunkel und wissend.
    Er biss sich auf die Zunge, konnte den metallischen Geschmack von Blut in seinem Mund schmecken, der ihn nur noch mehr anstachelte. Mit der flachen Hand schlug er auf das Holz: „WO – IST – SIE?!“
    Merkas antwortete nicht.
    Er gab ein dunkles Knurren von sich, wand sich um und hastete aus dem Zimmer. Gedämpft nahm er wahr, dass Merkas irgendeinen Befehl abgab und sich Schritte an ihn hängten – nicht von einer einzigen Person, sondern von mehreren.
    Er hastete durch die roten, von Neon- und Schwarzlicht beleuchteten Korridore und lief gerade um eine Biegung Richtung der marmornen Treppe, als jemand in ihn hineinlief und ihn leicht nach hinten riss. Gerade als er, wen auch immer, von sich stoßen und wüst anbluffen wollte, stockte ihm der Atem, sodass jegliche Äußerung in Stummheit erstickte.
    Es war Gwen. Das Gesicht kreidebleich, eine Schnittwunde auf der Wange, aus der Blut hervorquoll, die Augen geweitet und seltsam transparent, als wäre sie nur zur Hälfte an diesem Ort. Ohne groß den Kopf zu senken, erkannte er, dass ihr Körper – der in einem aufreizenden Hauch roten Nichts steckte – über und über mit feinen Schnittwunden übersäht war. Sie zitterte – und ihr Blick, wie sie ihn ansah … Etwas in seinem Inneren zerriss – noch mehr, als bereits geschehen. Er fühlte, wie es zerbarst und es ihn schmerzhaft danach verlangte, sich zusammenzukrümmen.
    „Nikolaj!“ Merkas Stimme drang widerhallend, die im Hintergrund laufende Musik übertönend, an sein Ohr.
    Er sah über seine Schulter. Es dauerte nur einen Sekundenbruchteil, dann waren seine Gedanken klar – so klar, dass er wusste, was zu tun war. Er öffnete ein Portal, sah Gwen ein letztes Mal in die Augen, ehe er sie rücklings durch das Portal stieß und nur noch er, der Schmerz in seinem Inneren und Merkas Rufe zurückblieben.
    Langsam drehte er sich in die Richtung um, aus der Merkas und seine Männer kamen. Sein Blick durchbohrte den Schwarzhaarigen voller Hass, obwohl er gleichzeitig durch ihn hindurchsah. Nichts richtig sah. Außer Gwens Gesicht, das sich auf seine Netzhaut gebrannt hatte.
    „ Ja … du hast sie hierhergebracht. Und nun bist du auch noch derjenige, der sie wieder fortgebracht hat …“, spie Merkas mit bohrendem Unterton aus, während er ein Stück weit vor ihm haltmachte. „Hier“, er tat eine ausladende Geste mit den Armen, „befindest du dich auf
meinem
Territorium. Sie hat sich auf
meinem
Territorium befunden. Wann – und ob – sie wieder von hier fortgeht, liegt bei mir.
Einzig bei mir.
Daran hättest du vielleicht denken sollen, bevor du sie in unsere Welt bringst – und von der Leine lässt
.
Oder wolltest du sogar, dass ich sie finde? Du kannst wohl kaum behaupten, du hättest nicht damit gerechnet,
dass
jemand von uns sie findet, wenn du sie auf unserem Grund und Boden aussetzt, wie ein kleines Hündchen?“
    Nikolaj stand schwer atmend, die Hände zu Fäusten geballt, da und sah Merkas an. Sein ganzer Körper bebte. Vor Schmerz, Zorn, Entsetzen und Hass. „Was hast du mit ihr gemacht?“, würgte er hervor.
    Merkas antwortete nicht. Stattdessen musterte er

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