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Wenn Frauen kochen

Wenn Frauen kochen

Titel: Wenn Frauen kochen
Autoren: Kate Jacobs
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1. Kapitel
    Februar 2006

    Gus Simpson liebte Geburtstagstorten. Schokolade, Kokosnuss, Zitrone, Erdbeer, Vanille - die Klassiker hatten es ihr besonders angetan.
    Sie probierte neue Geschmacksrichtungen und Glasuren aus, beträufelte die Torten mit Sirup und garnierte kunstvoll mit Hibiskusblüten. Aber am meisten mochte sie traditionelle Dekorationen wie handgeformte Marzipanfiguren oder bunte Zuckerstreusel. Bei Geburtstagstorten zählte nun mal Nostalgie. Es ging darum, mit allen Sinnen in der Erinnerung an einen perfekten Augenblick der Kindheit zu schwelgen. Gus hatte das verstanden.
    In den zwölf Jahren beim Kochsender CookingChannel - und drei erfolgreichen Sendereihen - hatte Gus in ihren Fernsehküchen viele Desserts zubereitet, von ihrer weißen Mousse au Chocolat über köstliche Pfirsichtorte, karamellisierten Apfelauflauf mit Teigkruste bis zu mit Bourbonvanille verfeinertem Pekannuss Pie. Als »Selfmade-Köchin« ohne professionelle Ausbildung zauberte sie köstliche Speisen und glitt dabei nie ins Hausbackene ab. Dabei legte sie Wert darauf, dass ihre Gerichte zwar vollendet, aber nicht aufwendig waren.
    Bei Geburtstagstorten sah die Sache jedoch anders aus. Jedes einzelne ihrer süßen Tortenstücke sollte nicht nur den Magen, sondern auch die Seele nähren.
    Gus feierte gern. So gern, dass sie sämtliche Geburtstagspartys
für ihre erwachsenen Töchter, Aimee und Sabrina, ihre Nachbarin und gute Freundin Hannah, ihren Produzenten Porter und ihre langjährige Küchenassistentin ausrichtete.
    Aber damit nicht genug. Gus zelebrierte mit Begeisterung den Nationalfeiertag - was für eine Amerikanerin nicht ungewöhnlich war. Dass sie jedoch zudem Weihnachten am 25. Dezember feierte, fiel für jemanden, der katholisch erzogen war, doch etwas aus dem Rahmen. Außerdem zelebrierte sie den Valentinstag und den St. Patrick’s Day, die Ehrentage von Präsident Lincoln, Kochgenie Julia Child (15. August), Henry Fowle Durant, dem Gründer ihrer Alma Mater, dem Wellesley College (22. Februar) sowie Mary Beeton, der Autorin des berühmten Book of Household Management (12. März) - ungeachtet der Tatsache, dass die Ehrengäste an den Feierlichkeiten wegen Ablebens nicht teilnahmen.
    Manche Gastgeberinnen lieben Partys, weil sie gern im Mittelpunkt stehen. Gus dagegen wollte auf ihren Partys jedem das Gefühl geben, etwas Besonderes zu sein.
    »Ich werde dann mal eine Kleinigkeit vorbereiten«, pflegte sie zu ihren Töchtern, Freunden, Kollegen und ihrem Publikum zu sagen. Sie liebte es, sich um andere zu kümmern, sie zu umsorgen und zu bekochen.
    Es gab nur einen Geburtstag, den sie leid wurde. Und das war ihr eigener. Im Grunde hatte sie es satt, ihn überhaupt zu feiern. Doch nur allzu bald war es wieder so weit - am 25. März würde Augusta Adelaide Simpson fünfzig werden.
    Der Haken daran war, dass sie sich nicht wie fünfzig fühlte, sondern eher wie fünfundzwanzig (wobei sie gern ignorierte, dass ihre älteste Tochter, Aimee, siebenundzwanzig war und die jüngere, Sabrina, fünfundzwanzig). Von daher war sie überrascht, als sie die Jahre zusammenzählte und feststellte, dass sie bald ein halbes Jahrhundert alt sein würde.

    Ein halbes Jahrhundert Gus.
    »Für die Zubereitung einer Vinaigrette nehmen Sie den besten Sherry, den Sie sich leisten können«, hatte sie kürzlich in einer der Sendungen empfohlen und plötzlich gemerkt, dass der Sherry fast so alt war wie sie.
    »Ich könnte auch in Flaschen abgefüllt im Regal stehen«, hatte sie daraufhin gesagt und gelacht.
     
    Aber da war dieses mulmige Gefühl, das sie nie ganz losließ. Sechsundvierzig, siebenundvierzig, achtundvierzig und sogar neunundvierzig - die Partys waren eine Wucht gewesen. Als sie die Kerzen auf ihrer letzten Geburtstagtorte ausblies - eine Möhren-Ingwer-Torte mit Zimt-Frischkäse-Glasur - hatte Porter laut gerufen: »Und nächstes Jahr steigt die Riesenparty!« Gus hatte mit den anderen zusammen gelacht - und sich gut gefühlt. Wirklich. Ganz ehrlich. Sie hatte keinen Termin für eine Botox-Behandlung vereinbart und nicht angefangen, Halstücher zu tragen, um Fältchen zu verbergen. Fünfzig zu werden, so sagte sie sich, ist keine große Sache. Bis sie eines Morgens aufwachte und bemerkte, dass sie rein gar nichts geplant hatte. Sie, die es sich nie entgehen ließ, eine Party zu organisieren. Und da wurde ihr klar, dass sie gar nicht feiern wollte.
     
    Während sie eines Morgens ihr goldbraunes Haar mit farbauffrischendem

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