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Wenn du mich brauchst

Wenn du mich brauchst

Titel: Wenn du mich brauchst
Autoren: Jana Frey
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an. »Aber meine Mutter droht praktisch mit Selbstmord, wenn ich es nicht tue.«
    »Hat sie das tatsächlich so gesagt?«, fragte Moon, schob seinen schwarzen Filzstift in die Tasche seiner Jeans und schaltete stattdessen seinen iPod ein. Dieser iPod hielt – WLAN sei Dank – den ganzen Tag Funkkontakt zu Moons eingeschaltetem Computer in seinem Zimmer. Rosie fürchtete sich vor WLAN und dieses Funkinternetmodem war immer mal wieder Anlass für fürchterliche Streitereien zwischen meiner Mom und meinem Bruder.
    »Das Ding verstrahlt uns, Moon!«, klagte sie an solchen Tagen. »Ich spüre schon, wie ich Migräne bekomme. Migräne und Schlimmeres.«
    »Blödsinn, Rosie«, konterte Moon dann. »Die halbe Welt benutzt WLAN.«
    »Da haben wir ja schon den Beweis. Die halbe Welt ist schließlich auch wahnsinnig: Gewalt, Amokläufe, Kriege, Attentate. Und du selbst wirst nebenbei impotent und unfruchtbar, wenn du dauernd so unmittelbar mittendrin in dieser Strahlung bist. Ich schwöre dir, du wirst es vermissen, guten Sex zu haben, wenn es einmal nicht mehr geht.«
    »Mach dir darüber mal keine Gedanken, Mrs Techniknullverstand«, murmelte Moon dann und knallte seine Zimmertür hinter sich ins Schloss. Der WLAN-Router tickerte sicherheitshalber in Moons Zimmer an der Wand neben seinem Schreibtisch, sonst hätte Rosie es bestimmt schon längst abmontiert. Im Moment begnügte sie sich damit, überall im Haus dicke Brocken Rosenquarz zu verteilen.
    Moons Finger wanderten ein paar Mal über das glänzende Touchdisplay, dann hielt er Kendra den iPod unter die Nase.
    »Was ist das?«, fragte meine beste Freundin misstrauisch und betrachtete die drei kleinen Zickzacklinien, die auf dem kleinen iPod-Display auftauchten. »Ein Lügendetektor? Willst du den Beweis stellen, dass ich eigentlich ein leidenschaftlicher Abschlussballfan bin und nur vor Sky und dir den Freak heraushängen lasse, damit ihr mich nicht für dekadent haltet?«
    Moon lachte leise. »Kein schlechter Gedanke. Bist du’s?«
    »Was?«
    »Ein heimlicher Abschlussballfan, der nur keinen Kerl gefunden hat, der mit ihm hingeht? Niemand für den Plastikrosenbogen.«
    »Idiot«, sagte Kendra ärgerlich.
    Moon lächelte, lehnte seinen Kopf gegen den Stamm des Olivenbaumes und schloss die Augen. Der Himmel hatte sich inzwischen dunkellila verfärbt und den Garten in ein geheimnisvolles Dunkel getaucht.
    »Also, was ist das?«, hakte Kendra nach und starrte immer noch auf das Zickzacklinientrio.
    »Nur ein ganz gewöhnlicher Seismograf«, erklärte Moon, ohne die Augen zu öffnen. »Zeichnet alle Erschütterungen in der Umgebung auf.«
    »Demnach …?«, fragte Kendra mit gerunzelter Stirn.
    Godot gähnte und rappelte sich auf. Ich ließ ihn laufen und warf ebenfalls einen Blick auf das iPod-Display. »… stehen wir kurz vor einem dieser berühmt-berüchtigten kalifornischen Erdbeben?«, beendete ich Kendras Frage.
    Mein Bruder zuckte mit den Achseln und lächelte noch breiter.
    »Wer weiß? Möglich ist es.«
    »Okay«, sagte ich. »Fassen wir alle Fakten zusammen: Die Familie Lovell, abzüglich Mr Lawrence Lovell, ist derzeit pleite und ich habe noch nichts Brauchbares anzuziehen für diesen idiotischen Ball, aber dafür habe ich einen Eins-a-Abschlussballpartner. Kendra hat zwar ein megateures Abschlussballkleid, hasst dieses Happening aber und hat alle potenziellen Abschlussballpartner vergrault und Mr Destruktivus wartet seelenruhig auf ein Erdbeben, welches die ihm verhasste Welt in Stücke zerlegt …«
    »Wer ist dein Abschlussballpartner?«, schrie Kendra auf. »Sky, wieso weiß ich davon nichts?«
    Ich richtete mich auf und blinzelte einen Moment.
    »Gershon. Gershon Gold.«
    Moon grinste wissend, aber Kendra riss die Augen auf. »Ist das nicht einer von diesen komischen Juden, die unsere Schulleiterin vor drei Wochen in die Schule geschleust hat?«, fragte sie überrascht.
    Ich nickte.
    Im Distrikt, der an unser Viertel grenzt, gibt es eine jüdisch-orthodoxe Jungenschule, an der es vor einem Monat einen schlimmen Brandanschlag gegeben hatte. Die halbe Schule war ausgebrannt und zwei Schüler waren schwer verletzt worden.
    Jude verrecke!, hatten Unbekannte an die Mauer, die die Schule umgab, gesprüht. Es war am helllichten Tag geschehen und bis heute hatte man die Täter nicht gefasst.
    Für den Zeitraum der Instandsetzung der Schule hatte man die Schüler auf die umliegenden Schulen verteilt. Sie sollten nicht integriert werden, sie brauchten nur freie

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