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Wenn du mich brauchst

Wenn du mich brauchst

Titel: Wenn du mich brauchst
Autoren: Jana Frey
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auf meinem Handy angerufen. Sie klingt schrecklich nett. Und weltgewandt. Und intelligent …« Rosies Stimme war mit jedem Wort dünner geworden.
    »Klar wird – Hannah dich – mögen, Mom«, sagte ich mit so viel Festigkeit in der Stimme wie nur möglich. Und anschließend schauten wir eine ganze Weile zusammen aus dem weit geöffneten Fenster des ehemaligen Schimmelzimmers, das jetzt kaum mehr wiederzuerkennen war. Unten im Garten rauschte Moons Olivenbaum sachte im minimalistischen Abendwind, der schwach, aber unverkennbar Los-Angeles-artig nach Autoabgasen roch wie immer. Kendra hatte mir neulich vorgeschlagen, bei Gelegenheit ein paar Eukalyptusbäume zu setzen, als geruchlichen Gegenpol, sozusagen. Für einen Moment musste ich auch an den alten Baum im irischen Baumpark von Ardnagashel denken, den Old Niall mir vererbt hatte.
    Der Gedanke war ein schöner Gedanke. Vielleicht würde ich ihn in nächster Zeit einmal besuchen gehen. Mit Kendra. Oder Moon. Oder mit Gershon. Oder mit wem auch immer. Vielleicht würde ich auch alleine hinreisen. Zum ersten Mal bewunderte ich Moon für seinen mutigen, einsamen Trip nach Deutschland. Manchmal galt es einfach, etwas zu wagen.
    »Jilliam hat übrigens Babykätzchen«, sagte Rosie irgendwann zwischendurch. »Nur falls Kendra vielleicht Interesse hat.«

38. HANNAH
    Und dann war sie da – und sie hatte dieselben Augen wie meine Brüder und mein Vater. Und dasselbe Lächeln wie meine Mutter.
    »Hallo«, sagte ich und starrte sie an.
    »Schalom, ich bin David«, drängte David sich nervös vor und schüttelte ihr die Hand, nachdem er vorher noch rasch umständlich seine Kippah festgesteckt hatte. Man konnte fast das Gefühl bekommen, er wollte die Angelegenheit so schnell wie möglich hinter sich bringen. Und obwohl es völlig anders geplant war, waren natürlich alle da. Meine Eltern, meine Brüder, meine Großeltern, Chajm und Esther. Und außer ihnen sogar Mr Goldblum und Lori, die sonst höchstens mal zum Schabbat in unsere Wohn-Etage hinaufkamen. Und Shar, die einfach plötzlich am frühen Morgen vor der Tür gestanden hatte.
    »Hallo, schön – euch alle zu sehen«, sagte Sky vorsichtig und lächelte in die Runde. Dann deutete sie auf ihr Auto und zum ersten Mal sah ich das goldgelbe Geschenk meiner Eltern. »Kann ich so stehen bleiben?«, fragte Sky. »Ich weiß, ich parke ziemlich schräg, aber es sind so viele Autos in der Einfahrt …«
    Sie wies auf Shars zerbeulten Lieferwagen und den Leihwagen meiner Großeltern. Die Autos meiner Eltern und Davids Wagen standen nebeneinander in der offenen Garage.
    »Natürlich kannst du so stehen bleiben«, sagte meine Mutter sofort und lächelte sie mit einem spiegelbildlichen Lächeln an. Sah das etwa nur ich? Ich hielt die Luft an. Nein, anscheinend doch nicht nur ich.
    »Yitzchak, siehst du es auch? Sie gleicht Delia. Und auch Rahel und Hadassa«, flüsterte meine Großmutter nämlich fast tonlos, aber dennoch unüberhörbar auf Hebräisch. Dabei waren Skys Haare hellblond gefärbt. Viel heller als meine. Ein paar Sekunden standen wir alle etwas hilflos herum.
    »Danke. – Und gilt die Einladung auch für meinen Hund? Godot hat so schrecklich gewinselt, als ich ohne ihn losfahren wollte«, fügte Sky erklärend hinzu. »Meine Mom ist nämlich ebenfalls unterwegs – und mein Bruder Moon, dem Godot sonst auf Schritt und Tritt folgt, ist zurzeit in Deutschland …«
    Wieder deutete sie auf ihren Wagen.
    Mein Vater lachte, während David, der neben mir stand, hörbar eingeatmet hatte, als Sky das Reiseziel ihres Bruders so harmlos in einem Nebensatz erwähnt hatte.
    »Natürlich gilt diese Einladung auch für deinen Hund. – Sky, du sollst dich hier wie …«
    Mein Vater machte eine hilflose Geste und schien nach Worten zu suchen.
    »… wie zu Hause fühlen«, half ihm meine Mutter und versetzte meinem Herzen damit einen Stich.
    Irgendwie schafften wir es ins Haus und nach und nach stellte ich Sky die ganze Familie vor, einschließlich der Angestellten meines Vaters, und natürlich Sharoni. Sie lächelte alle an und reichte allen die Hand.
    »Soll ich dir mein Zimmer zeigen? Und die Medikamente, die ich jetzt nehmen muss? Und die Narbe an meinem Rücken, wo die Kanüle steckte, als ich dein Knochenmark bekommen habe? Und willst du außerdem meinen Yoda sehen? Arik hat ihn mir geschenkt, als ich aus dem Krankenhaus kam. Man kann ihn fernsteuern. Er ist lebensgroß und prima.«
    Jonathan schaffte es mit seinem

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