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Weltraumpartisanen 30: Die Eismensch-Verschwörung

Weltraumpartisanen 30: Die Eismensch-Verschwörung

Titel: Weltraumpartisanen 30: Die Eismensch-Verschwörung
Autoren: Mark Brandis
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1.
    Ein einsamer Falke zog draußen vorüber. Er konnte nicht hören, was im Penthouse über den 134 Stockwerken des Exzelsior-Turmes gesprochen wurde. Die Wände waren schalldicht isoliert; die Fenster bestanden aus vibrierfestem Glas. Das Penthouse war eine abhörsichere Festung.
    »Wir schlagen also endlich los?«
    »Ich fürchte nur, wir unterschätzen den Gegner. Präsident Hastings hat das Volk hinter sich.«
    »Und damit sind wir beim Kernpunkt unser heutigen Erörterungen: Wie räumt man Hastings aus dem Wege?«
    Die drei Herren, die sich am 13. November 2090 im Kaminzimmer versammelt hatten, konnten das tun, ohne Aufsehen zu erregen. Als Mieter des Penthouses war ein gemeinnütziger Verein eingetragen. In unregelmäßigen Abständen diente das Penthouse der Liga zur Hebung der öffentlichen Moral als Versammlungsstätte. Und da die Vereinsmitglieder, Herren wie Damen, allesamt höflich, wohlerzogen und vor allem ruhig waren, nahm an ihrem Kommen und Gehen niemand Anstoß.
    Das Penthouse war nicht billig. Praktisch war es unbezahlbar – so hoch oben über den Dächern der Fünfzig-Millionen-Stadt. An klaren Tagen übersah man ganz Metropolis. Der Blick wanderte ungehindert über das künstlich aufgeschüttete Eiland, das man bereits als das Venedig des 21. Jahrhunderts bezeichnete, hinweg über funkelnde Glasfassaden mit ihren vielfältigen Spiegelungen, hinweg über atemberaubend schöne Monumente und Parkanlagen, bis er sich jenseits des weißen Kranzes aus schäumender Brandung, der die Stadt umgab, im blauen Dunst des Atlantischen Ozeanes verlor. An diesem November-Nachmittag war der Himmel über der Hauptstadt der Europäisch-Amerikanisch-Afrikanischen Union, wie die EAAU im offiziellen Sprachgebrauch etwas umständlich hieß, blau und wolkenlos.
    Fast konnte man vergessen, wie es noch zu Anfang des Jahres auf der Erde ausgesehen hatte – nach der unseligen Sprengung des Planetoiden Ikarus . Der Staub hatte die Sonne verfinstert und die verheerendste Hungersnot seit biblischer Zeit heraufbeschworen, die Große Katastrophe. Inzwischen hatte sich der Staub gelegt, und nicht zuletzt mit Hilfe des resistenten Gregorius-Weizens war die Apokalypse in letzter Minute gebannt worden. Und in die vom Auseinanderbrechen bedrohte, von Unruhen geschüttelte EAAU waren wieder Recht und Frieden eingezogen.
    Aber dafür, daß man zum Vergessen keine Gelegenheit fand, war bereits gesorgt.
    »Frieren Sie etwa nicht, Colonel?«
    »Wenn wir die Heizung höherstellen, fallen wir auf, Kamerad Hagen.«
    »Der Colonel hat recht. Das ist das letzte, was wir uns jetzt leisten dürfen – aufzufallen.«
    Ein Unheil, behauptet das Sprichwort, kommt selten allein. Dahinter steht Erfahrung. Der blaue Himmel wölbte sich über einer Stadt, die unter eisigen Minustemperaturen erschauerte. Der Frost verwüstete die wiederangepflanzten subtropischen Parkanlagen und überzog die Ziergewässer mit spiegelndem Eis.
    Die Energiekrise hatte eines Tages kommen müssen: früher oder später. Die Große Katastrophe war mit daran schuld, daß die Krise bereits jetzt kam, praktisch ohne Vorwarnung, mit aller Gewalt. Besonders die Nordhälfte des Planeten war von ihr betroffen. Hier hatte man es nicht nur mit stillgelegten Fabriken und zusammenbrechenden Verkehrsverbindungen zu tun wie im Süden, sondern auch mit einem verfrühten Wintereinbruch.
    Von der Energiekrise blieb niemand verschont. Im Fernsehen waren die Unterhaltungssendungen gestrichen. Seit ein paar Tagen sendete Stella-TV nur noch die Nachrichten.
    Und von Mal zu Mal klangen die Meldungen düsterer.
    Zu lange hatte man auf dem Energiesektor die Zügel schleifen lassen. Nun bekam eine aufgeschreckte Menschheit vom geplünderten Planeten die Rechnung vorgelegt.
    Im Penthouse über dem Exzelsior-Turm war das TV-Gerät in Betrieb. Von der flimmernden Glaswand fielen farbige Reflexe in den dämmrig werdenden Raum. Sie huschten unruhig über die Tapeten und legten sich auf eine über dem Schreibtisch angebrachte Flagge. Eine brandrote Lohe erwachte plötzlich zu gespenstischem Leben.
    Die Flagge trug das Embleme der verbotenen militanten Partei  Reinigende Flamme.
    Und das dunkel gerahmte Porträt, das gleich neben der Flagge hing, war das des Parteigründers, des texanischen Generals Gordon B. Smith, der im Jahr 2069 die Länder der EAAU mit Terror und Schrecken überzogen hatte. Es hatte eines dreijährigen blutigen Bürgerkrieges bedurft, um ihn zu entmachten.
    Wenn die

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