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Weddingplanerin mit Herz (German Edition)

Weddingplanerin mit Herz (German Edition)

Titel: Weddingplanerin mit Herz (German Edition)
Autoren: Michaela Hanauer
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Ich stehe vor einer großen Milchglastür, neben mir meine Schwester Melina. Wir begutachten minutenlang in stummer Übereinkunft das Messingschild an der Hauswand neben uns:
    Bonjour – Die Eventagentur für Ihren schönsten Tag
    »Ganz schön geschniegelt. Ist das normal für eine Weddingplanerin?«
    Unwillkürlich flüstere ich.
    »Woher soll ich das wissen?«, wispert Meli zurück. »Ich heirate schließlich zum ersten Mal.«
    Was soll ich da sagen? Ich heirate gar nicht, bin nicht mal anständig verliebt und nur hier, weil unsere Mutter und mein liebes Schwesterchen höchst unterschiedliche Vorstellungen von Melis Traumhochzeit haben.
    »Wo steckt eigentlich dein – ähm – Joachim?«
    Ich wollte »dein Verlobter« sagen, aber das klingt merkwürdig fremd. Meine Schwester hat einen Verlobten? Haben wir nicht bis vorgestern legendäre Gesangsauftritte mit unseren Haarbürsten im Badezimmer gegeben? Klaut sie mir nicht immer noch die Spargelspitzen vom Teller, wenn sie zum Essen zu Besuch ist? Heiraten ist was für ältere, abgeklärte Leute.
    Nicht für so alberne Hühner wie meine Schwester! Bis vor Kurzem hatte sie jede Menge Verehrer und jetzt will sie sich auf einen festlegen? Noch dazu auf einen, der »Joachim« heißt. Niemand sagt »Jo« oder »Joe« zu ihm, wahrscheinlich, weil sein voller Name am besten passt – lang(weilig) und ein bisschen förmlich.
    Ich habe nicht direkt was gegen den Herrn Flugkapitän, aber neben meiner Schwester wirkt er ziemlich blass und fad. Trotzdem sollte er hier sein, es geht immerhin um seine Hochzeit. Meli lacht, und das hört sich tierisch glücklich an. Mir dämmert langsam, dass sie es ernst meint. Das ist kein Aprilscherz mitten im Winter. Meine große Schwester will heiraten!
    »Joachim ist für die Maschine nach Miami gebucht und kommt erst in zwei Tagen zurück, doch ich will nicht bis zur nächsten Lücke in unseren Dienstplänen warten.«
    Beherzt drückt sie auf den Klingelknopf und wie von Zauberhand schwebt das Glas zur Seite und wir betreten einen lindgrünen Flauschteppich. Nach zwei zaghaften Schritten kommt uns eine Frau entgegen. Nein, ich würde eher sagen – eine echte Dame! Das meine ich gar nicht abwertend oder ironisch, sondern es beschreibt sie am besten. Nicht mehr ganz jung, pflaumenfarbener Hosenanzug, selbst auf hohen Hacken elegant unterwegs, eine leicht kantige Brille mit schwarzem Kunststoffgestell auf der Nase und die braunen Haare zu einem lockeren Dutt zusammengesteckt. Sie begrüßt uns mit einem freundlichen, selbstbewusstenLächeln. » Bonjour , guten Tag, mein Name ist Sandrine, was kann isch für Sie tun?«
    Französischer Akzent – nur ganz leicht – aber genug, um ihr extrem schickes, geschmackvolles Auftreten zu unterstreichen. Ob ich mir von so jemandem die Hochzeit planen lassen würde? Unsere Mutter fände Sandrine sicher spitze und genau deshalb habe ich so meine Zweifel. Organisieren kann sie bestimmt perfekt, aber mir wäre sie zu klassisch, es fehlt der Pep, die ausgefallene Komponente. Während ich darüber grüble, tritt eine zweite Gestalt auf den Flur.
    »Oh, hallo, wen haben wir denn da? Wer von euch beiden Hübschen ist die Braut?«
    Würde man sich das Gegenteil von Sandrine ausmalen, käme genau dieser junge Typ dabei heraus. Karierte Hose, orangefarbenes T-Shirt mit Weste darüber, die kinnlangen Haare zu einem Pferdeschwanz im Nacken zusammengebunden, durchtrainiert, gut gebräunt und ein Sonnenscheinlachen über dem ganzen Gesicht. Er streckt uns die Hand entgegen.
    »Ich bin Endres, Madame Sandrines rechte – hihi und manchmal auch linke Hand!«
    Ich sehe meine Schwester dasselbe denken wie ich: gewagte Kombi, aber es könnte passen!
    In einem Raum, der aussieht wie eine Wellnessoase – gemütliche Sessel, indirektes Licht, ein paar witzige Retro-Farbkringel an den Wänden – werden wir mit zwei Latte macchiato und Grissini versorgt.
    »Können Sie auch eine Hochzeit Ende Juli auf denBahamas organisieren?«, platzt meine Schwester heraus.
    Das genau war der Knackpunkt, an dem unsere Eltern aus der ersten Reihe der freudestrahlenden Honigkuchenpferde zurückgetreten sind. Circa elf Stunden Flugzeit sind für eine Stewardess normaler Arbeitsalltag, in meinen Augen sind es Strandferien mit Bonus-Hochzeit. Für den Rest unserer Familie eine Tortur über den halben Erdball.
    Madame Sandrine nickt. »Selbstverständlisch, sehr gerne. Das ist lediglich eine Frage Ihres Budgets.«
    »Wie viel kosten

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