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Way Out

Way Out

Titel: Way Out
Autoren: Lee Child
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Beweisstücken abzusuchen. Er fand alle nur denkbaren Gegenstände, darunter auch die siebenundzwanzig Patronenhülsen aus Perez’ MP5. Pauling schrubbte sein Blut vom Boden des Korridors im ersten Stock und ersetzte die zerschossene Kachel im Bad. Reacher deponierte die Leichen in dem Toyota Land Cruiser.
     
    Die Sonne war schon vor Stunden aufgegangen, als die Grube endlich fertig war. Jackson hatte an einem Ende eine glatt abgezogene Schrägrampe angelegt, und Reacher fuhr den Toyota in die Grube hinunter und rammte ihn an die gegenüberliegende Wand. Jackson fuhr mit dem Bagger zum Haus zurück und benützte die Baggerschaufel, um den Mini vorn anzuheben und vor sich herzuschieben. Er manövrierte ihn bis zur Grube, schob ihn die Rampe hinunter und knallte ihn gegen das Heck des Toyotas. Taylor kreuzte mit allen übrigen Fundstücken auf und warf sie in die Grube. Dann machte Jackson sich daran, sie wieder aufzufüllen. Reacher saß nur da und sah ihm dabei zu. Über den blassblauen Himmel zogen hohe, schlierige Wolken, und die schwache Brise war warm. Er wusste, dass hier auf dem flachen Land überall Steinzeitmenschen in Hügelgräbern beigesetzt worden waren – und nach ihnen Menschen der Bronze- und Eisenzeit, Kelten, Römer, Angeln und Sachsen, hier eingefallene Wikinger mit ihren Langschiffen, Normannen und schließlich seit tausend Jahren die Engländer selbst. Vermutlich konnte das Land vier weitere Tote verkraften. Er verfolgte Jacksons Arbeit, bis Erde die Autodächer bedeckte; dann stand er auf und ging langsam ins Haus zurück.
     
    Auf die Stunde genau zwölf Monate später war das zweieinhalb Hektar große Feld sauber gepflügt und geeggt und mit blassgrüner frischer Wintersaat eingesät. Tony und Susan Jackson sowie Graham und Kate Taylor arbeiteten auf dem benachbarten Feld. Die Sonne schien. Im Farmhaus passten die neunjährigen Kusinen und besten Freundinnen Melody Jackson und Jade Taylor auf Jades kleinen Bruder auf – einen gesunden fünf Monate alten Jungen namens Jack.
    Fünftausend Kilometer westlich der Grange Farm war es fünf Stunden früher, und Lauren Pauling saß allein in ihrem Apartment in der Barrow Street, trank Kaffee und las die New York Times. Sie hatte eine Meldung im Hauptteil übersehen, die vom Tod dreier frisch im Irak eingetroffener privater Sicherheitsleute berichtete. Sie hießen Burke, Groom und Kowalski und waren zwei Tage zuvor umgekommen, als sie außerhalb von Bagdad auf eine Mine fuhren. Aber sie las in den Stadtnachrichten, dass die Eigentümerversammlung des Dakota Building eine Wohnung hatte öffnen lassen, nachdem die Wartungspauschale zwölf Monate lang nicht bezahlt worden war. Bei der Durchsuchung des Apartments waren in einem eigens gesicherten Wandschrank über neun Millionen Dollar gefunden worden.
    Zehntausend Kilometer westlich der Grange Farm war es acht Stunden früher, und Patti Joseph lag in ihrer Eigentumswohnung am Wasser in Seattle, Washington, in tiefem Schlaf. Sie hatte seit zehn Monaten einen neuen Job als Redakteurin bei einer Zeitschrift. Dank ihrer Beharrlichkeit und ihres scharfen Blicks für Details leistete sie gute Arbeit. Von Zeit zu Zeit ging sie mit einem hiesigen Journalisten aus. Sie war glücklich.
    Drunten in Birmingham, Alabama, weit von Seattle, weit von New York City, weit von Bishops Pargeter entfernt, war Dee Marie Graziano früh auf und sah in der Turnhalle einer Klinik zu, wie ihr Bruder die Griffe seiner neuen Aluminiumkrücken umfasste und quer durch die Halle auf sie zukam.
    Keiner wusste, wo sich Jack Reacher aufhielt. Er hatte die Grange Farm zwei Stunden nach dem Abstellen des Baggers verlassen, und seitdem hatte niemand mehr etwas von ihm gehört.

Die Originalausgabe erschien 2006 unter dem Titel
»The Hard Way« bei Bantam Press, Transworld Publishers,
The Random House Group Ltd., London.
     
     
    1. Auflage
    Copyright © der Originalausgabe 2006 by Lee Child Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2009 by Blanvalet Verlag in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München.
    eISBN : 978-3-641-02775-9
     
    www.blanvalet.de
    www.randomhouse.de

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