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Was sich liebt, das küsst sich - Gibson, R: Was sich liebt, das küsst sich - Nothing but Trouble

Was sich liebt, das küsst sich - Gibson, R: Was sich liebt, das küsst sich - Nothing but Trouble

Titel: Was sich liebt, das küsst sich - Gibson, R: Was sich liebt, das küsst sich - Nothing but Trouble
Autoren: Rachel Gibson
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EINS
    Nur weil man Schwein hatte, noch am Leben zu sein, hieß das noch lange nicht, dass man darüber glücklich sein musste.
    »Gestern Abend hat Ihre Eishockeymannschaft ohne Sie den Stanley-Cup gewonnen. Wie fühlen Sie sich dabei?«
    Mark Bressler, Ex-NHL-Superstar und in jeder Hinsicht ein knallharter Typ, ließ den Blick über die Mikrofonreihe und die Wand aus Kameras zu den etwa zwölf Reportern schweifen, die sich im Presseraum der Key Arena drängten. Er hatte in den vergangenen acht Jahren für Seattle gespielt und die letzten sechs davon als Mannschaftskapitän brilliert. Fast sein Leben lang hatte er sich geschunden, um den Stanley-Cup eines Tages in die Luft recken zu können und das kalte Silber in seinen Händen zu spüren. Er hatte sich dem Eishockey mit Leib und Seele verschrieben, seit er sein erstes Paar Schlittschuhe zugeschnürt hatte. Er hatte Blut, Schweiß und Tränen auf dem Eis gelassen und sich mehr Knochenbrüche zugezogen, als er zählen konnte. Eishockey als Profisport war sein Leben. Alles, was ihn ausmachte, und gestern Abend hatte sein Team ohne ihn gewonnen. Vom Wohnzimmersofa aus hatte er zusehen müssen, wie die elenden Mistkerle auf der Eisfläche mit seinem Pokal ihre Runden drehten. Was zum Henker glaubten die, wie er sich dabei fühlte? »Natürlich wünschte ich, ich hätte dabei sein können, aber ich freue mich riesig für die Jungs. Keine Frage.«

    »Nach Ihrem Unfall vor sechs Monaten wurde der Mann engagiert, der jetzt neben Ihnen sitzt, um an Ihre Stelle zu treten«, meinte ein Reporter und nahm Bezug auf den erfahrenen Eishockeyspieler Ty Savage, der Mark als Kapitän der Chinooks nachgefolgt war. »Das war damals eine kontroverse Entscheidung. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie hörten, dass Savage Sie ersetzen würde?«
    Es war kein Geheimnis, dass Savage und er sich nicht leiden konnten. Soweit Mark sich erinnerte, war er dem Mann zum letzten Mal so nahe gewesen, als er in der regulären Saison gegen ihn das Bully ausgeführt hatte. Damals hatte er Savage als überschätztes primadonnenhaftes Arschloch beschimpft und Savage ihn als zweitklassige Möchtegern-Möse. Ein ganz normaler Arbeitstag. »Als Savage unter Vertrag genommen wurde, lag ich im Koma. Ich glaube nicht, dass mir da irgendwas ›durch den Kopf‹ ging. Jedenfalls nichts, woran ich mich erinnern würde.«
    »Und was denken Sie jetzt?«
    Dass Savage ein überschätztes primadonnenhaftes Arschloch ist. »Dass das Management ein echtes Gewinnerteam zusammengestellt hat. Die Jungs haben hart trainiert und alles gegeben, um den Pokal nach Seattle zu holen. Zu Beginn der Play-offs lagen wir bei achtundfünfzig Punkten und vierundzwanzig Toren. Ich muss nicht extra darauf hinweisen, dass das beeindruckende Statistiken sind.« Er schwieg und überlegte sich den nächsten Satz gut. »Es versteht sich von selbst, dass die Chinooks von Glück sagen konnten, dass Savage frei und für den Transfer offen war.« Dass er ihm Dankbarkeit schuldete oder Savage für die Mannschaft der reinste Glücksfall gewesen war, käme ihm niemals über die Lippen.

    Das überschätzte primadonnenhafte Arschloch lachte, und Mark fand den Kerl fast sympathisch. Aber nur fast.
    Jetzt wandten sich die Reporter Ty zu. Während sie sich nach Savages überraschender Bekanntgabe, sich aus dem aktiven Sport zurückzuziehen, und nach seinen Zukunftsplänen erkundigten, senkte Mark den Blick auf seine Hand, die auf dem Tisch ruhte. Zwar hatte er die Schiene für die Pressekonferenz abgenommen, doch sein rechter Mittelfinger war so steif wie die Stahlstifte und die Nägel, mit denen er zu einem permanenten Stinkefinger zusammengeflickt war.
    Sehr passend.
    Nachdem die Reporter auch den Rest der Chinooks an dem langen Pressetisch mit Fragen bombardiert hatten, wandten sie sich wieder an Mark. »Planen Sie ein Comeback, Bressler?«, wollte ein Journalist wissen.
    Mark blickte lächelnd auf, als würde diese Frage nicht Salz in seine tiefste Wunde streuen. Er sah dem Mann ins Gesicht und rief sich in Erinnerung, dass Jim – für einen Zeitungsfritzen – ganz okay und bisher immer fair gewesen war. Nur aus dem Grund reckte Mark nicht die rechte Hand hoch, um ihm seine Verachtung zu zeigen. »Die Ärzte sagen nein.« Obwohl es gar keiner Ärzte bedurft hatte, um ihm zu bestätigen, was er schon von dem Moment an gewusst hatte, als er auf der Intensivstation die Augen aufschlug. Der Unfall, der die Hälfte der Knochen in seinem Körper

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