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Was nach dem koeniglichen Ball geschah

Was nach dem koeniglichen Ball geschah

Titel: Was nach dem koeniglichen Ball geschah
Autoren: Michelle Celmer
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entscheiden“, sagte Chris. „Mir ist egal, wer er ist. Aber er hat ein Recht zu erfahren, dass er Vater wird. Es ist gewissenlos, wenn du es ihm verheimlichst.“
    Anne wusste ja, dass das stimmte. Aber ihre Verbitterung machte sie trotzig. Wenn Sam sie nicht wollte, hatte er auch keinen Anspruch auf das Kind.
    „Sam ist zwar ein Politiker, aber trotzdem ein guter Mensch“, fügte Chris hinzu.
    Verblüfft sah Anne ihn an. Sie hatte niemandem erzählt, wer der Vater war. Noch nicht einmal Louisa wusste es. „Woher weißt du …“
    „Pure Mathematik. Es muss in dem Zeitraum geschehen sein, als der Ball stattgefunden hat. Und hast du geglaubt, niemandem wäre aufgefallen, dass Sam mitten in der Nacht aus dem Palast geschlichen ist?“
    Nein, natürlich nicht. „Und warum hast du nie was gesagt?“
    „Du bist erwachsen. Was hätte ich sagen sollen? Solange du diskret vorgehst, ist es einzig und allein deine Sache, mit wem du schläfst.“ Er legte ihr die Hände auf die Schultern. „Aber jetzt musst du ihn anrufen und ein Treffen mit ihm vereinbaren.“
    „Warum? Damit du mit ihm sprechen kannst?“
    „Nein. Damit du mit ihm sprichst. Nicht nur Sam, sondern auch dem Baby gegenüber wäre das unfair. Es verdient eine Chance, seinen oder ihren Vater kennenzulernen. Wenn Sam das will.“
    „Stimmt“, sagte Louisa. „Versetz dich doch mal in Sams Lage.“
    „Du solltest ihm die Wahrheit erzählen“, bekräftigte Aaron.
    Anne nestelte an dem Saum ihrer Jacke herum und traute sich nicht, Chris in die Augen zu sehen. Er hatte ja recht. „Ich weiß nicht, was ich ihm sagen soll.“
    „Also“, meinte Melissa. „Das Beste ist wohl, wenn du mit der Wahrheit beginnst.“
    Sam hatte gerade ein wichtiges Telefonat beendet, als seine Assistentin Grace ihn anrief. „Sie haben Besuch, Sir.“
    Er konnte sich nicht daran erinnern, an diesem Nachmittag jemanden zu erwarten.
    „Hat er einen Termin?“, fragte Sam nach.
    „Nein, Sir, aber …“
    „Dann habe ich auch keine Zeit. Ich stehe gern zur Verfügung, sobald er einen Termin mit Ihnen ausgemacht hat.“
    Es klopfte an der Tür, und Sam stöhnte innerlich auf. „Was ist denn noch?“, meinte er gereizt.
    Als die Tür sich öffnete, kam nicht Grace herein, sondern Anne. Prinzessin Anne, verbesserte Sam sich. Nur weil er eine Nacht mit ihr im Bett verbracht hatte, durfte er die Formalitäten nicht vergessen.
    „Eure Hoheit“, sagte er und stand auf, um sich zu verbeugen. Trotzdem wurde er die Erinnerung an die nackte Anne nicht los, wie sie auf ihm gesessen und in leidenschaftlicher Ekstase den Gipfel der Lust erklommen hatte. Das war nicht nur einfach Sex gewesen – hemmungslos hatten sie einander hingegeben und ihre wildesten Fantasien ausgelebt. Was für eine Schande, dass sie das nicht wiederholen würden.
    Bestimmt ein Dutzend Mal hatte er nach ihrer gemeinsamen Nacht das Telefon in die Hand genommen, doch bevor er wählen konnte, hatte ihn die ernüchternde Wahrheit eingeholt. Gleichgültig, wie tief er sich Anne verbunden fühlte und wie sehr er sie begehrte – er konnte sie nicht haben, wenn er Premierminister werden wollte. Er hatte gewusst, dass er Opfer würde bringen müssen, um Karriere zu machen. Doch nie war es ihm so schwergefallen wie jetzt.
    „Ist es gerade ungünstig?“, fragte Anne.
    „Nein, natürlich nicht. Kommen Sie doch bitte herein.“
    Sie betrat das Büro und zog die Tür hinter sich ins Schloss. Obwohl sie meistens cool und beherrscht wirkte, kam sie ihm heute ein bisschen nervös vor. Ihm fiel auf, dass sie überallhin sah, nur nicht zu ihm.
    „Tut mir leid, dass ich dich so überfalle, aber ich hatte Angst, dass du dich vielleicht weigern würdest, mich zu empfangen.“
    „Sie sind jederzeit willkommen, Eure Hoheit.“ Er trat auf sie zu und deutete auf die Sitzgruppe. „Bitte, nehmen Sie doch Platz. Kann ich Ihnen etwas zu trinken anbieten?“
    „Nein, vielen Dank.“ Zögerlich setzte sie sich auf die Kante des Sofas und umklammerte die Handtasche auf ihrem Schoß. Sam setzte sich in einen Sessel und betrachtete Anne. Sie wirkte dünner als das letzte Mal. Plötzlich wurde sie ganz blass. Mit panikerfüllter Stimme fragte sie: „Wo ist die Toilette?“
    Er wies in die Richtung. „Durch die …“
    Bevor er den Satz zu Ende bringen konnte, war Anne bereits aufgesprungen, presste eine Hand vor den Mund und eilte zur Toilette. Beinahe hätte es komisch gewirkt, doch Sam machte sich Sorgen, weswegen er ihr folgte und

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