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Wallander 02 - Hunde von Riga

Wallander 02 - Hunde von Riga

Titel: Wallander 02 - Hunde von Riga
Autoren: Henning Mankell
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    Am Morgen, kurz nach zehn, kam der Schnee.
    Der Mann, der im Ruderhaus des Fischerbootes am Steuer stand, fluchte. Er hatte im Radio gehört, daß es schneien sollte, aber dennoch gehofft, die schwedische Küste zu erreichen, bevor das Unwetter über ihm hing. Wäre es am Abend vorher bei Hiddensee nicht zu einer Verspätung gekommen, hätte er jetzt bereits Ystad in Sichtweite gehabt und den Kurs ein paar Grad in östliche Richtung drehen können. So aber hatte er immer noch sieben Seemeilen vor sich, und falls der Schneesturm stärker wurde, würde er gezwungen sein beizudrehen, um auf bessere Sicht zu warten.
    Er fluchte noch einmal. Mal wieder am falschen Ende gespart, dachte er. Ich hätte machen sollen, woran ich schon letzten Herbst gedacht hatte. Ich hätte mir eine neue Radaranlage kaufen sollen. Meine alte Decca ist einfach nicht mehr zuverlässig. Ich hätte eines dieser neuen, amerikanischen Modelle kaufen sollen. Aber ich war zu geizig und habe den Ostdeutschen nicht getraut. Ich war mir nicht sicher, ob sie mich nicht doch hereinlegen würden.
    Es fiel ihm immer noch schwer zu begreifen, daß es keinen Staat namens DDR mehr gab, daß ein ganzes Volk, das ostdeutsche, aufgehört hatte zu existieren. Über Nacht hatte die Geschichte mit ihren alten Grenzlinien aufgeräumt. Jetzt gab es nur noch ein Deutschland, und im Grunde wußte niemand, welche Folgen es haben würde, wenn sich die beiden Bevölkerungen in einem gemeinsamen Alltag begegneten. Zu Anfang, als die Mauer in Berlin plötzlich gefallen war, hatte er sich Sorgen gemacht. Bedeutete die Wende nicht auch, daß ihm die Grundlage |6| für seine eigene Tätigkeit entzogen wurde? Aber seine ostdeutschen Geschäftspartner hatten ihn beruhigt. Auf absehbare Zeit würde sich überhaupt nichts ändern. Vielleicht würden sich durch die Ereignisse sogar neue Chancen eröffnen?
    Das Schneegestöber wurde dichter, und der Wind drehte auf Südsüdwest. Er zündete sich eine Zigarette an und goß Kaffee in eine Tasse, die in einem speziellen Halter neben dem Kompaß saß. Die Wärme im Ruderhaus brachte ihn ins Schwitzen. Der Geruch von Dieselöl stach ihm in der Nase. Er warf einen Blick in Richtung Maschinenraum. Auf der schmalen Pritsche dort unten sah er einen von Jakobssons Füßen. Durch ein Loch in der Wollsocke lugte der große Zeh hervor. Es ist wohl das beste, wenn er weiterschläft, dachte er. Sollten wir beidrehen müssen, wird er die Wache übernehmen, während ich mich ein paar Stunden ausruhe. Er nahm einen Schluck lauwarmen Kaffee und dachte wieder an den gestrigen Abend. Mehr als fünf Stunden hatten sie in dem kleinen, verfallenen Hafen an Hiddensees Ostseite warten müssen, bis der Lastwagen endlich klappernd in der Dunkelheit auftauchte und die Ware abholte. Weber hatte behauptet, sie hätten sich verspätet, weil der Lastwagen liegengeblieben sei. An und für sich konnte das durchaus stimmen. Der Lastwagen war ein altes, umgebautes sowjetisches Militärfahrzeug, und er hatte sich schon oft gewundert, daß diese Karre immer noch fuhr. Aber er traute Weber nicht. Auch wenn Weber ihn noch nie hereingelegt hatte, war er mißtrauisch. Es war eine Sicherheitsmaßnahme, die ihm notwendig erschien. Immerhin ging es um erhebliche Werte, die er mit jeder Fahrt zu den Ostdeutschen hinüberschaffte. Zwanzig bis dreißig komplette Computerausrüstungen, ungefähr hundert Autotelefone und genauso viele Autostereoanlagen, was bedeutete, daß er bei jeder Fahrt die Verantwortung für Millionenbeträge trug. Sollte man ihn schnappen, würde er sich kaum so herausreden können, daß er mit einer glimpflichen Strafe davonkam. Und von Webers Seite war nicht mit Hilfe zu rechnen. In Webers Welt dachte jeder nur an sich selbst.
    |7| Er kontrollierte den Kurs und korrigierte ihn um zwei Grad in nördlicher Richtung. Das Log zeigte an, daß er beständig seine acht Knoten machte. Immer noch waren es gut sechseinhalb Seemeilen, bis er die schwedische Küste sichten und Kurs auf Brantevik nehmen konnte. Im Moment konnte er gerade noch die graublauen Wellen vor sich erkennen. Aber das Schneegestöber schien immer dichter zu werden.
    Noch fünf Fahrten, dachte er. Dann ist es vorbei. Dann habe ich mein Geld zusammen und kann mich aus dem Staub machen. Er zündete sich noch eine Zigarette an und lächelte bei dem Gedanken. Bald würde er sein Ziel erreicht haben, alles hinter sich lassen und sich auf die lange Reise nach Porto Santo begeben, um dort seine Bar

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