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Von jetzt auf gleich

Von jetzt auf gleich

Titel: Von jetzt auf gleich
Autoren: Caprice Crane
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1. Meine erste Hochzeit
    Mit sieben hab ich geheiratet. Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen. Ich habe meinen Nachbarn Todd Beckett geheiratet. Todd war, typisch männlich (auch wenn er die Vorteile der Ehe nicht kannte, weil sie nicht auf unserem Lehrplan für die zweite Klasse standen), eigentlich gegen die ganze Sache – absolut bindungsunfähig, hat aber zugestimmt, weil wir an diesem Tag nichts Besseres zu tun hatten. Meine beste Freundin, Catherine Parker, hat uns getraut.
    Es war Mitte Juli, es war perfektes Hochzeitswetter: windig, 24°C und klarer blauer Himmel. Ich war froh, dass ich mein bestes Outfit tragen konnte – abgeschnittene Jeans und ein Top in Regenbogenfarben. Cat trug bunt-geflickte Dolphin-Shorts und ein vererbtes Van-Halen-T-Shirt von ihrem älteren Bruder, und Todd trug ein Hang-Ten-Shirt und Cordhosen. Todd trug immer Cordhosen und Vans, ganz egal, welche Außentemperatur gerade herrschte.
    Die Zeremonie fand im Garten meiner Eltern statt, direkt unter dem Schaukelgerüst, wo wir vor Cat standen, die uns ernst ansah: »Und willst du, Jordan ›Jordy Belly‹ Landau, Todd Beckett zu deinem dir entsetzlich angetrauten Ehemann nehmen, ihm in guten und in schlechten Tagen zur Seite stehen, bis dass der Tod euch scheidet?«
    Ich vergab Cat, dass sie den Geleebonbon-inspirierten Spitznamen erwähnte, den mein Stiefvater mir gegeben hatte. Ich wusste, sie war wütend, dass sie die Standesbeamtin spielen musste und nicht die Braut sein durfte.
    »Ich will«, sagten wir beide.
    »Ich erkläre euch zu Mann und Frau. Sie dürfen die Braut jetzt küssen. Und Sie müssen es drei Mississippi-Sekunden lang tun.«
    Und dann küssten wir uns. Gut, unsere Lippen berührten sich und wir bewegten nicht einen Muskel, als Catherine anfing zu zählen: Eins Mississippi, zwei Mississippi, drei Mississippi … Das war’s. Ich barfuß, mit Blumen im Haar. Eine einfache Zeremonie. Keine Familien-Diskussionen. Keine Gedanken darüber, zu viele Leute eingeladen zu haben, keine Standesamt-Albträume. Aber Kuchen gab’s. Wir hatten in Filmen immer Brautpaare gesehen, die sich ihre Gesichter von oben bis unten mit Torte beschmieren, und wir glaubten, das wäre ein fester Bestandteil von Hochzeitsfeiern.
    »Zeit für die Torte!«, rief Cat, und wir bereiteten uns darauf vor, schmutzig zu werden. Ich hatte eine Stunde vor der ganzen Zeremonie zwei Schokoladenkuchen aus der Kühltruhe genommen und sie zum Auftauen rausgelegt. Ich legte einen genau auf den anderen, um den Turmeffekt von Hochzeitstorten wie im Film zu erreichen. Heimlich naschte ich von der Seite meines doppelstöckigen Zuckerwerks und steckte mir einen Zuckerfinger in den Mund. Aufgetaut und fertig. Also nahm ich eine Handvoll Kuchen und beschmierte Todd über und über damit. Dann nahm auch er eine Handvoll und schmierte zurück, vorsichtig, sodass ich nichts in die Haare bekam. Zuerst. Bis er bemerkte, wie sehr ich es schätzte, dass er meinen sorgfältig gestylten Pony zuckergussfrei hielt. Bye-bye Styling, hallo Glasur. Cat wagte es zu lachen, also schmierten wir auch sie voll. Teilweise aus Rache, aber hauptsächlich, damit sie sich nicht ausgeschlossen fühlte.
    Wir hatten kurz zuvor
Karate Kid II
gesehen. Es gab in dem Film eine Art feierliches Verbindungsritual, bei dem ein japanisches Pärchen Tee aus der Tasse des jeweils anderen trank, und wir dachten, dass wir vielleicht auch ein solches Ritual haben sollten. Für Tee war’s zu heiß, also kauten Todd und ich beide ein Hubba-Bubba mit Traubengeschmack, machten eine Blase und bewegten uns dann so nahe aufeinander zu, dass unsere Blasen sich berührten und aneinanderklebten – dadurch wurden wir beide fürs ganze Leben miteinander verbunden. Und als Hochzeitsgeschenk überreichte Todd mir ein ganzes, unangebrochenes Päckchen Wassermelonen-Kaugummi.
    Es war ein verrückter Tag. Woran ich mich am besten erinnere, ist, wie einfach alles war. Es dauerte schätzungsweise zwei Stunden von der Entstehung der Idee bis zu meinem »Ich will«. Das war, bevor ich anfing, mir darüber Sorgen zu machen, dass ich von unserem Drei-Sekunden-Kuss hätte schwanger werden können. Je mehr ich darüber nachdachte, umso nervöser wurde ich. Und so packte ich Todd und zerrte ihn am Arm.
    »Glaubst du, ich könnte von diesem Kuss gerade schwanger geworden sein?«, flüsterte ich.
    »Keine Ahnung. Weißt du’s?«, fragte er zurück.
    »Wenn ich es wüsste, würde ich dich nicht fragen.«
    Und so

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