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Vom Finden der Liebe und anderen Dingen (German Edition)

Vom Finden der Liebe und anderen Dingen (German Edition)

Titel: Vom Finden der Liebe und anderen Dingen (German Edition)
Autoren: David Lampson
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Straße voller Leute und Autos war und die Luft überall aus den Restaurants wehte und mir aufregende Gerüche in die Nase trug und ich Hunger bekam. Unterwegs fragte Alvin mich nach den Gesprächen, die ich im Geist mit ihm geführt hatte. Ich sagte, es sei bloß ein paarmal passiert, wenn ich ihn besonders vermisst hätte, und dass es wahrscheinlich nur deshalb passierte, weil wir Zwillinge seien.
    »Worüber sprechen wir denn dann?«
    »Meistens blödeln wir einfach bloß rum, erinnern uns an alte Zeiten. Manchmal willst du, dass ich Marcus einen Streich spiele, ihm Eis ins T-Shirt stecke, wenn er schläft. Ist das ein schlechtes Zeichen? Heißt das, dass ich verrückt werde?«
    »Nein, nein. Eigentlich ist das gut für dich, Joe. Ich freue mich immer, wenn ich Gegenstand wahnsinniger Halluzinationen bin. Was sage ich noch?«
    Ich überlegte. Es war schon eine Weile nicht mehr vorgekommen. »Manchmal entschuldigst du dich bei mir.«
    »Wofür?«
    »Wahrscheinlich dafür, dass du gegangen bist. Manchmal gibst du mir kleine Rätsel auf, die ich aber nicht lösen kann. An meinem ersten Schultag hast du mich überredet, zu schwänzen und stattdessen Poker zu spielen.«
    »Was für eine Schule? Seit wann gehst du zur Schule?«
    »Marcus hat gesagt, ich soll die Hochschulreife nachmachen.«
    »Marcus. Na klar.« Alvin hasste Marcus so sehr, dass er weniger aufmerksam fuhr.
    »Wenn ich das nicht schaffe, sagt er, muss ich mit der Highschool ganz von vorn anfangen.«
    »Sonst?«
    »Schmeißt er mich raus.«
    »Das sagt schon alles über Marcus«, sagte Alvin. »Der glaubt, in der Schule bringen sie einem die Geheimnisse der Welt bei. Wie oft gehst du hin?«
    »Das Kasino liegt auf dem Weg«, sagte ich. »Bisher war ich überhaupt nicht dort.«
    »Du bist ja gut, Joe. Und jetzt ist es total egal, was Marcus denkt. Jetzt hast du ihn nicht mehr am Hals.«
    »Weil du nicht mehr weggehst.«
    »Weil wir beide weggehen. Was ist das denn für ein Laden?«
    Irgendwo waren wir dann ausgestiegen und liefen nun auf einer ziemlich ruhigen Straße. Die meisten anderen Geschäfte machten schon zu. Alvin hielt in der einen Hand den Hund an der Leine, in der anderen trug er so einen kleinen, grünen Koffer aus Stoff. Ich schaute durchs Fenster rein.
    »Ich sehe Tische. Stühle. Kellner.«
    »Also …?«
    »Ist es ein Restaurant.«
    »Bingo. Und neben dem Restaurant?«
    »Ein Motel.« Es war super, wieder mit ihm zusammen zu sein.
    »Jackpot«, sagte Alvin. »Das ist das White Palms Motel. Willst du’s sagen?«
    »Das White Palms Motel.«
    »Sieh’s dir genau an. Präg’s dir ein. Hier wohne ich.«
    Alvin band den Hund an einen Laternenpfahl, dann setzten wir uns draußen in dem kleinen Wald aus metallenen Heizpilzen an einen Tisch. Die Kellnerin brachte uns gleich zwei große Wasser, was mich immer beeindruckt, und eine Weile starrte ich auf die Speisekarte, einfach so zum Spaß.
    »Keine Sorge, hier gibt’s auch Cheeseburger«, sagte Alvin. »Und jetzt sag mir deine Meinung zu dem Hemd.«
    Ich musterte das sehr steife Plastikhemd, das er da anhatte. Es wirkte überhaupt nicht bequem, aber ich wollte ihn nicht kränken. »Es erinnert mich an ein Frisbee.«
    »Hundert Prozent biosynthetische Materialien. Absolut unzerstörbar. Das kannst du mit Shampoo waschen, im Waschbecken, und nach sieben Minuten ist es trocken, garantiert. Ich hab’s auf dem Weg hierher in einem Laden für Leute gekauft, die immer glauben, die Welt explodiert und wir werden wie futuristische Wilde leben müssen. Ich hab auch eins für dich dabei. Willst du’s anprobieren?«
    »Okay.«
    Alvin zog ein Hemd aus seinem Koffer. Es war knallgelb, aber sonst genau wie seins. »Als ich die Hemden bezahlte, warf mir der Typ an der Kasse so einen wissenden Blick zu und sagte: ›Kluger Kauf, Bruder‹, und ich so: ›Weißt Bescheid, Bruder‹, bloß damit er mich nicht mit einem galvanisierten Stahldolch umlegte, den er im Keller gehämmert hat.«
    Die Kellnerin kam und wartete, bis wir ausgeredet hatten. »Wollt ihr Essen bestellen?«
    »Müssen wir ja«, sagte Alvin. »Wenn wir nicht dauernd Sachen kaufen, bricht noch die ganze Wirtschaft zusammen. Und bloß so lässt du uns hier sitzen.«
    »Habt ihr Cheeseburger?«, fragte ich.
    »Allerdings.«
    »Dann hätte ich gern einen, bitte.«
    »Ich hab vergessen, einen Blick in die Speisekarte zu werfen«, sagte Alvin. »Aber ich möchte einfach gern Huhn essen, das ganz durchgegart ist. Bei den Details lasse ich mich

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