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Verschwörung auf Burg Schreckenstein

Verschwörung auf Burg Schreckenstein

Titel: Verschwörung auf Burg Schreckenstein
Autoren: Oliver Hassencamp
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Ein kleiner Schlüssel

    „Endlich wieder vertraute Gesichter!“ Am vereinbarten Treffpunkt stieg Ottokar vom Rad und rieb sich zufrieden die Hände. Dabei hatten sie sich erst gestern getrennt, als sie wegfuhren von Schreckenstein in die großen Ferien. Bei einem Internat wie Rosenfels, mit Mädchen aus allen Himmelsrichtungen, hätte dieses Treffen nicht stattfinden können. Aber Burg Schreckenstein war ja eigentlich kein Internat, sondern eine wegen Raummangels ausgesiedelte Neustädter Schule.
    „All Heil!“ Mit diesem Radlergruß, begleitet vom Quietschen der Felgenbremsen, kamen Dampfwalze und Andi auf ihren Superrennrädern daher.
    „Ist der Brief schon bei euch angekommen?“ fragte Mücke. „Was für ein Brief?“ fragte Andi zurück.
    „Das Rundschreiben über...“, Mücke erhob die Stimme, „...über die Zusammenlegung der fortschrittlichen Schule Burg Schreckenstein mit dem rückschrittlichen Mädcheninternat Schloß Rosenfels.“
    „Unter strengster Trennung!“ Schulkapitän Ottokar hob den Zeigefinger. „Beim Frühstück hat’s mir mein Alter vorgelesen.“
    „Und so was glaubt ihr?“ Sein Freund Stephan lachte laut. „Wo sollen die denn wohnen? Da müßte ja einiges umgebaut werden! Außerdem erlaubt Fräulein Doktor Horn das nie!“
    „Genau!“ rief Mücke.
    Die Ritter — wie sie sich nannten — kannten die altmodischen Erziehungsmethoden der Leiterin von Rosenfels, und Stephan meinte: „Wenn ihr mich fragt, ist das ein Schreckschuß von den Mädchen. Damit wir in den Ferien was zu zittern haben.“
    „Ich weiß nicht.“ Andi verzog sein Gesicht.
    Wie immer begriff der Stärkste zuletzt. „Ich weiß auch nichts“, brummte Dampfwalze. „Bei uns ist kein Brief...“
    „Oder du hast es nicht erfahren!“ unterbrach ihn Ottokar.
    Lässig winkte der Muskelprotz ab. „Hauptsache ich weiß es jetzt. Also, was machen wir?“
    „Am besten rauffahren und nachschauen“, sagte Stephan, und alle stimmten zu.
    Von Neustadt bis zur Burg waren es vierzig Kilometer. Mit einer saftigen Steigung am Schluß.
    Hatten sich die Jungen anfangs lautstark gestritten, ob es nun ein Schreckschuß sei, ob Fräulein Doktor Horn das überhaupt erlauben würde oder nicht, wurden sie am Berg immer einsilbiger. Erst in einer der letzten Kehren vor der Burg keuchte Ottokar: „Laßt uns hier absteigen!“
    „Quatsch!“ fauchten Dampfwalze und Andi wie aus einem Mund. Mit ihren Superrennrädern waren sie natürlich ehrgeizig. „Da kommen wir nur aus dem Rhythmus.“
    Sie stiegen dann doch noch ab.
    „Ich schlage vor, wir peilen erst mal die Lage!“ sagte Stephan. Ottokar nickte: „Dazu muß man uns nicht unbedingt sehen.“
    „Genau“, rief Dampfwalze. „Wenn umgebaut wird, ist sicher jemand da.“
    „Du machst wohl gerade einen Schnellkurs in Scharfsinn?“ Mücke sah an dem Muskelgebirge hinauf.
    Andi rieb sich die Hände: „Schleichen wir yns ran an unsere Burg! Am besten über Drei Tannen.“
    Der Vorschlag wurde angenommen. Sie hoben die Räder über den Straßengraben und schoben sie durch den Wald den Hang hinauf. Bis zu einem kleinen Felsvorsprung vor der Omnibushaltestelle an der Straße nach Wampoldsreute. Von hier aus konnten sie alles überblicken. Die Burg, den Sportplatz, das Bootshaus drunten am Kappellsee, Schloß Rosenfels auf der anderen Seite, den Prinzengarten neben Graf Schreckensteins Privatteil mit dem Rittersaal und dem Durchgang zum Sternenhof. „Mauersäge“ nannten die Ritter den Hausherrn, wegen seiner scharfen Nase. Auf allen vieren krochen die fünf nach vorn und sahen hinunter.
    „Tatsächlich“, brummte Dampfwalze. „Den ganzen Sportplatz haben sie umgegraben!“
    „Weitsichtig bist du nicht!“ antwortete Andi. „Das ist Baumaterial, das da lagert.“
    „Jedenfalls ein ganz schöner Schreckschuß“, brummte Ottokar. Sie ließen die Räder zurück und schlichen, gebückt von Deckung zu Deckung laufend, den Hang hinunter. Hinter der Hecke des Prinzengartens sammelten sie sich.
    „Wir können nur hier rein“, flüsterte Andi, der sich schon umgesehen hatte. „Auf dem Sportplatz und am Haus, überall wimmelt es von Arbeitern.“
    Hintereinander krochen sie durch die Hecke in den gepflegten Garten.
    „Und was jetzt?“ fragte Mücke. Hinter der Hecke wurden sie zwar nicht gesehen, hatten aber auch keinen Überblick.
    „Moment!“ Stephan lief zu dem Denkmalsockel mit der dicken Putte in der Mitte der geometrisch angelegten Pracht, stellte sich auf die

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