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Verschleppt ins Tal Diabolo

Verschleppt ins Tal Diabolo

Titel: Verschleppt ins Tal Diabolo
Autoren: Stefan Wolf
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auf die Reihe“, sagte Charlotte soeben.
    Marion hatte den Schlüssel aus
ihrer Umhängetasche gekramt und schloss die Eingangstür auf.
    Tim vermeinte, hinter einem der
Fenster eine Bewegung auszumachen, hakte es aber ab als Täuschung, denn im Haus
war es dämmerig. Und die Bäume warfen Schatten, die auf den Fensterscheiben
geisterten.
    Alle traten ein. Tim war der
Letzte. Sofort blähte er die Nüstern. Ein schwacher Schweißgeruch hing in der
Luft. Auch Gaby schien das zu bemerken, denn sie blickte sich um und dann Tim
an. Er nickte unmerklich.
    Er sah drei Türen. Die zur
Küche stand weit offen, die zum Schlafzimmer halb, die zum Bad war geschlossen.
    Dort ist wer, dachte Tim. Aber
die beiden scheinen keine Ahnung zu haben, denn soooo können sie sich nicht
verstellen. Komisch! Nach Einbruch sieht’s nicht aus.
    „Ich hole mein Handy.“ Marion
war schon im Schlafzimmer und kam sofort zurück. „Bitte, Frau Lampe. Das heißt,
ich kann gern anrufen. Ich spreche Italienisch.“
    „Ich auch“, antwortete
Charlotte. „Vor allem brauchen wir die Nummer von der nächsten Polizeistelle.“
    „Ich habe ein Telefonbuch von
der Provinz.“ Marion nahm das Rufnummer-Verzeichnis aus einem Wandschrank und
blätterte.
    Tim beobachtete Bernd. Der
benagte seine Unterlippe, dass gleich das Blut tropfen würde. Klar doch! Sobald
die Ordnungshüter anrückten, waren die Metallkisten samt Inhalt für immer
verloren.
    Ohne ihn aus den Augen zu
lassen, glitt Tim zur Badezimmertür. Dabei überlegte er: Frühestens in einer
halben Stunde würden Olaf und Stritzi hier sein. Falls sie den Weg nicht gleich
fanden, konnte es noch länger dauern. Ein Polizei-Hubschrauber musste es eher
schaffen.
    Tim legte die Hand auf die
Klinke. Mit einer Kopfbewegung wies er Gaby in den toten Winkel zur Küchentür.
Man konnte nicht wissen!
    Auch Tim stand außerhalb der
Schusslinie, nämlich an der Wand.
    Bernd begriff das Manöver
nicht, glotzte und schob die Brauen zusammen.
    Tim schlug auf die Klinke und
stieß die Tür mit voller Wucht nach innen. Der Anprall dröhnte. Ein Schrei. Was
Schweres fiel zu Boden. Die Pistole beidhändig haltend — wie man’s in
Kriminalfilmen sieht — sprang Tim ins Bad.
    „Keine Bewegung!“
    Beinahe wäre er über das Gewehr
auf dem Boden gestolpert. Der dicke Kerl roch nach Schweiß wie eine überfüllte
Sauna. Entsetzt riss er die Arme in die Höhe. Und machte noch einen Schritt
zurück. Dabei strauchelte er über den Rand der Duschkabine und stürzte
rücklings hinein. Der Vorhang wurde abgerissen und fiel auf den Dicken. Er
brüllte wie am Spieß.
    Tim hob das Gewehr auf.
    Im Wohnraum hörte er Marion
sagen: „Ich werd nicht mehr! Das ist Erich. Dieser Mistkerl! Dieser verdammte
Mistkerl! Mit seinem Stutzen hat er auf uns gelauert.“

25. Ohrfeige vom Jagdgewehr
     
    Tim, Gaby und Charlotte sagten
fast nichts. Sie hörten nur zu. Die drei anderen wuschen schmutzige Wäsche,
brüllten sich an und beschuldigten sich wie vor dem Scheidungsrichter. Jeder
lieferte seine Fassung der gescheiterten Pläne ab. Tim gewann vollen Durchblick.
Es war widerlich. Der dicke Erich Schulten — zumindest er — musste mit
strafrechtlichen Folgen rechnen.
    Die Frau war offenbar nur Opfer
— sieht man ab von ihrer heimlichen Affäre mit Bernd Riedmeyer. Der hatte
doppeltes Spiel getrieben, aber außer Unmoral konnte man ihm wohl nichts
vorwerfen.
    Drankriegen, dachte Tim, werden
wir ihn nur wegen des Tipps.
    Charlotte hatte mit der
Polizeistation in Volvano telefoniert und einem Capitano, der anfangs nichts
glauben wollte, die Situation geschildert. Er versprach augenblicklich zu
handeln. Das konnte, wie Tim aus Erzählungen wusste, eine halbe Stunde dauern —
oder einen halben Tag.
    Jetzt herrschte Stille. Die
Schreihälse waren erschöpft. Pauline schlief auf Charlottes Schoß. Gaby lehnte
sich an Tim, der den Arm um sie legte. In der anderen Hand hielt er das Gewehr.
Er hatte sich den Stutzen genau angesehen und glaubte, dass er notfalls damit
umgehen konnte.

    „Entweder sie haben
aufgegeben“, sagte Gaby, „oder sie sind gleich hier.“
    Tim nickte. „Wir gehen raus und
gucken mal.“
    Charlotte sagte: „Habe ich
vorhin richtig verstanden — du heißt Tim?“
    „Ist mein Spitzname. Im
Schülerausweis steht: Peter Carsten.“
    „Mit Eugen-Marcel
Clüngel-Fründe“, sagte Gaby, „hast du im Übrigen null Ähnlichkeit. Aber Olaf
Riedmeyer und Karl Stritzihoff haben das nicht gecheckt. Den Überfall auf

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