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Verschleppt ins Tal Diabolo

Verschleppt ins Tal Diabolo

Titel: Verschleppt ins Tal Diabolo
Autoren: Stefan Wolf
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vergammelter Bulle. Verstehe ich also recht: Dieser Psycho
bombt in unserer Millionenstadt herum, will nun echt gefährlich werden und
zeigt uns mit all dem, wohin es führen wird, wenn er sein Geld nicht kriegt.“
    „So ist es, Häuptling. Ich
sagte ihm, dass die Stadtkasse leer ist, weil zurzeit alle Kassen leer sind —
landesweit. Aber das ficht ihn nicht an.“
    Klößchen schob den
Schoko-Brocken, an dem er kaute, in die andere Backe. „Vielleicht kann man den
Psycho privat finanzieren. Vielleicht findet sich ein edler Spender, der die
Knete rüberschiebt. Natürlich unter der Bedingung, dass mindestens eine
Hauptstraße nach ihm benannt wird und er außerdem Ehrenbürger wird.“
    Wespe grinste Klößchen an,
allerdings anders als Gaby. „Damit können wir nicht rechnen, Klößchen. Die
Zeiten sind zu schlecht. Auch bei den edlen Spendern sitzen die Millionen nicht
mehr so locker. Nein, ich fürchte, wir müssen den Kerl fangen, bevor er eine
echte Katastrophe auslöst.“
    „Hast du ihm das gesagt?“,
fragte Tim.
    „Heh, Häuptling! Bin ich blöd?“
    „Ich meine, hast du ihm gedroht
— was man bei einem Psycho nie tun sollte? Oder hast du ihm vorgezogene
Ratenzahlung angeboten für seine Entschädigung?“
    „Weder noch. Er hat aufgelegt.
Hatte wohl Sorge, dass man ihn ortet. War ein Zwei-Minuten-Gespräch. Aus ‘ner
Telefonzelle. Ich glaube, am Gänse-Markt. Da war vorgestern Markttag. Ich
hörte, wie so ein Typ seine aufblasbaren Sitzkissen anpries. Bin dann gleich
hin. Und tatsächlich, der Sitzkissen-Stand war dort. Aber niemand konnte mir
sagen, ob irgendwer in der Telefonzelle ferngesprochen hat. Außerdem ist die 20
Meter entfernt.“
    „Hast du eins gekauft?“, fragte
Klößchen.
    „Was?“
    „Ein Sitzkissen.“
    „Klößchen, ich besitze nicht
mal eine Luftmatratze. Was soll ich mit ‘nem Sitzkissen voller Luft.“
    „Elf Bomben bisher.“ Tim beugte
sich nach rechts und legte einen Arm um Gabys Schulter. In ihrem weißen T-Shirt
wirkte sie sehr zart. Wassernixe, dachte Tim. Man sieht ihr nicht an, wie gut
sie im Rückenkraulen ist.
    „Elf.“ Wespe nickte. „Er hat
Folgendes zerbombt: einen Papierkorb, ein Bushalte-Häuschen, ein geparktes
Motorrad, das Goethe-Denkmal im Goethe-Park, einen Kiosk, das Blockhaus am
Murmel-See“, immerhin liegt dieser Freizeit-Tümpel mitten in der Stadt, „einen
geparkten Lkw, noch einen Lkw, das Fabriktor von Plaitner und Schuldik, eine
Straßenbahn im nächtlichen Straßenbahn-Depot und am Dienstag ein
Schienenfahrzeug auf dem Güterbahnhof, nämlich einen abgestellten Kesselwagen.“
    „Immenser Gesamtschaden.“ Karl
hatte mitgerechnet.
    Wespe nickte und wollte etwas
hinzufügen, aber in diesem Moment klingelte das Telefon auf seinem chaotischen
Schreibtisch.
    „Bienert. Hallo! Tag, Herr
Lockstett. — Natürlich erinnere ich mich. Sind ja schließlich Wahnsinns-Werte
und... Wie bitte?“
    Er verstummte. Stattdessen
drückte er den Lautsprecherknopf. Seine jungen Freunde, TKKG — die
Junior-Detektive — sollten mithören.
    „...ist meine Tochter
Studentin.“ Lockstetts Stimme bebte. „Im ersten Semester. Sie hat ihr eigenes
Apartment. Sie rief uns an und sagte, dass sie von zwei Männern entführt worden
sei. Ich bin hingefahren. Leer. Einer der Entführer hat am Telefon mit uns
gesprochen. Erst mit meiner Frau. Dann rief er mich an.“
    In Wespes möhrengelben Haaren
schien der Gel zu knistern. Entführung!, dachte Tim. Au Backe! Worauf läuft das
hinaus? Seine Freunde hielten den Atem an.
    „Bitte sprechen Sie weiter,
Herr Lockstett“, sagte Wespe.
    „Sind Sie... informiert?“
    „Worüber?“
    „Zurzeit findet in unseren
Verkaufsräumen eine Ausstellung statt.“
    „Ja, natürlich!“ Wespe nickte
dreimal, was aber Lockstett nicht sehen konnte. „Habe ich von draußen gesehen.
Einfach toll! Sie haben Exponate ( Ausstellungsstücke ) historischer
Goldschmiedekunst hinter Panzerglas versammelt. Das müssen ja unheimliche Werte
sein.“
    „Die Schmuckstücke sind
unersetzlich, Herr Bienert. Weil einmalig. Es sind Leihgaben. Ich bürge dafür.
Die Exponate befinden sich in Vitrinen aus Panzerglas. Das ist absolut sicher.
Die Besucher kommen zu Hunderten. Drei uniformierte Wachleute passen auf.“
    „Verstehe.“ Aber Wespes Miene
verriet, dass er noch nicht alles verstand. „Die Kidnapper wollen die Exponate.
Aber ein Überfall wäre zu riskant. Also benutzen sie Ihre Tochter als
Druckmittel. Und weiter?“
    „Erpressung.

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