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Vergessene Tränen im Regenwetter

Vergessene Tränen im Regenwetter

Titel: Vergessene Tränen im Regenwetter
Autoren: Stephanie Berth-Escriva
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Vergessene Tränen im Regenwetter

Yoann steckte seinen Kopf grinsend zur Tür hinein, ohne anzuklopfen und platzt heraus:
"Beeil dich, Nathalie! Nach fünfzehn Uhr servieren die nichts mehr bei Colette. Wahrscheinlich ist es schon zu spät für das Tagesgericht, aber was soll's? Ich habe einen Tisch für uns drei reserviert."
"Sonia kommt mit uns?", fragte Nathalie und tippte rasch eine Mail auf Italienisch, der Hersteller musste zusehen, genügend von einem gewissen Stoff zur Verfügung zu haben, denn sie war sich sicher, welche Artikel in der Kollektion laufen würden und welche nicht.
"Was hast du mit deinen Haaren gemacht? Du siehst umwerfend aus!", rief er in seiner überschwänglichen Art aus und trat neben sie an den Schreibtisch.
"Die sind noch vom Urlaub so! Ich hatte keine Zeit, zum Friseur zu gehen. Du weißt doch, bei Hervé muss man Wochen vorher einen Termin ausmachen."
"Oh, mein Schatz, du kannst dich auch nur da frisierten lassen, wo all die Stars hingehen. Sophie Marceau gehört zu seinen Kundinnen."
"... unter anderen ..."
Sie suchte nach der Mail-Adresse vom Personalchef, denn sie brauchten für die kommende Woche Verstärkung in der Boutique. Er sollte zusehen, ein paar gut aussehende Mädels zu finden, die es verstanden, sich zu benehmen, mindestens drei Sprachen beherrschten, russisch und chinesisch sollte dabei sein. Mit dem existierenden Team konnte er damit nicht dienen. Vor wenigen Jahren hatte er sich dafür eingesetzt, dass sie die Grundlagen von Japanisch beherrschten. Um die französischen Kundinnen würde sie sich selbst kümmern. Sie kannte sie fast alle persönlich und notierte peinlich genau jeden Termin in ihre Agenda.
"Nun bist du fertig? Oder willst du dich verhungern lassen?"
"Ich komme ja schon ..."
"Bei deiner Superfigur darfst du nicht noch dünner werden, sonst wirkt selbst ein eng geschnittenes 36 großzügig auf deinen Hüften. Die Kunden werden vor Neid sterben."
"Dann bring mich nicht zu Colette zum Mittagessen. Bei den minimalen Portionen kann niemand zunehmen."
Yoann seufzte übertrieben und reichte Nathalie ihre enge, schwarze Jacke. Sonia kam mit raschen Schritten auf ihren hohen Schuhen durch den Flur geeilt und trug sich rasch etwas Lipgloss auf.
"Ich dachte schon, ich sei zu spät und habe euch verpasst. Wie nett von euch, dass ihr auf mich gewartet habt!", rief sie und begrüßte die beiden mit affektierten Küssen auf die Wangen.
"Von wegen! Ich musste Nathalie regelrecht von ihrem Bildschirm reißen. Und jetzt kriegt sie ihre Augen nicht von ihrem Handy. Um nichts in der Welt lasse ich mir ihre Urlaubsfotos entgehen."
"Du bist zu neugierig», murmelte sie und schrieb eine Nachricht an einen Mitarbeiter auf ihrem Telefon.
"Sei nicht bescheiden! Dein Mann und du, ihr sucht euch immer die traumhaftesten Gegenden für eure Ferien aus! Sonia, stell dir vor, dieses Jahr hat ihr Mann eine Villa mit Privatstrand auf Korsika gemietet."
"Er hat die Adresse von einem Arbeitskollegen bekommen. Sonst könnten wir uns so ein Ding in der Hauptsaison nicht leisten."
"Von wegen, meine süße Prinzessin weiß genau, was richtig für sie ist. Um sie bei Laune zu halten, achtet ihr Mann auf jedes Detail."
Sonia zog eine gut gemeinte Grimasse, drückte den Knopf, um ihre Nachricht zu versenden und henkte sich bei Yoann ein. Eilig stolzierten die Drei durch den modernen Luxusladen unter ihren Büros und traten auf die Straße. Im hektischen Treiben und ständigen Verkehrsstau dieser alten Stadt musste man laut reden, um überhaupt etwas zu verstehen. Sie hatten es eilig, denn sie wollten wenigstens von Yoanns Reservierung in der coolsten Adresse vor Platz profitieren.
"Hast du den neuen Türsteher gesehen? Er sieht aus wie ein römischer Kriegsgott", schwärmte Yoann.
"Hast du das gehört, Sonia? Yoann fühlt sich so einsam, dass er jetzt schon den Sicherheitsangestellten nachschielt", lachte Nathalie ihrer Kollegin zu.
"Und wenn schon? Es hat nicht jeder so ein Glück wie du!"

Die Drei wurden im Restaurant zuvorkommend empfangen. Yoann begrüßte die Kellner mit großer Sorgfalt. Nathalie und Sonia, ins Gespräch vertieft, schenkten denen keine Beachtung. Andere schicke Leute standen Schlange, um noch einen Mittagstisch zu bekommen, die drei Freunde wurden zu ihrem reservierten Tisch geführt.
"Schade, dass niemand mehr in einem Restaurant rauchen darf", brummte Yoann unzufrieden und rückte seinen weißen Sessel zurecht.
"Rauchen ist schlecht für den Teint und man muss ständig

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