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Vergangene Narben

Vergangene Narben

Titel: Vergangene Narben
Autoren: Stefanie Markstoller
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vielleicht weiß sie ja etwas Neues.“
Der Diener nickte.
„Und schick meinen Sohn zu mir, ich habe mit ihm zu reden.“
„Natürlich, wie Ihr wünscht.“
„Dann geh endlich, ich habe noch zu tun.“
Mit einer kurzen Verbeugung verabschiedete sich der Diener von seiner Herrin, und machte sich daran ihren Befehlen nachzukommen. Wenn sie nur Gräfin Sadrija zwischen die Finger bekämen, dann endlich wäre es aus mit Königin Cheyenne Aurora Octavia Lupus, der Alphawölfin des Rudels der Könige. Dann endlich würde alles seinen gerechten Weg gehen. 
 
    °°°

Möge das Spiel beginnen
    „Wo sind meine Kekse?!“
Tja, da konnte er lange suchen.
„Tarajika, wir hatten eine Abmachung!“
Während mein Vater auf der Suche nach meiner Ziehmutter durch die Wohnung wütete, lehnte ich mich im Liegestuhl auf dem Balkon zurück, und verfütterte seine heißgeliebten Schokokekse an Flair, meinen weißen Miniyorki – den man wegen seiner Größe zwar ständig übersah, dafür aber umso besser hören konnte. Sie saß auf meinen Schoss, und krümelte dort systematisch meine ausgebeulte Jeans voll. Klar, ich wusste, dass Schokolade für Hunde nicht gut war, aber irgendwie musste ich die Dinger ja loswerden, und ich fand das Zeug widerlich. Da blieb ich doch lieber bei meinen Gummibärchen.
Okay, ganz von Vorne. Ich hatte meine Erzeugerin besuchen wollen, meine
leibliche
Mutter – ein ewiges Streitthema zwischen mir und meinem Vater –, und er hatte mal wieder – wenig überraschend – abgelehnt. Deswegen mussten jetzt auch seine Kekse daran glauben. Da ich mit Schokolade nichts anfangen konnte – viel zu süß –, musste eben Flair herhalten, und die schien sich daran nicht zu stören – auch nicht daran, dass sie kaum größer als diese Kekse war. Ja, von der Größe her, konnte sie fast als Ratte durchgehen, nur war sie viel süßer. Und lauter.
„Tarajika!“ Mein Vater stapfte an der Balkontür vorbei, ohne zu bemerken, was ich hier draußen eingemummelt in meiner dicken Cordjacke und einer kuschligen Decke so trieb. „Du hast schon wieder meine Kekse genommen!“
„Hab ich nicht!“, antwortete eine hohe Stimme mit leicht afrikanischem Akzent.
„Und wo sind sie dann?“
Ich konnte mir geradezu vorstellen, wie die beiden sich gegenüberstanden, und sich herausfordernd anfunkelten. Dann würden sie irgendwann herausbekommen, dass ich die Kekse hatte, mein Vater würde mir ´ne Standpauke halten, meine Ziehmutter würde mich in Schutz nehmen, dann würde eine Diskussion über meine Erziehung folgen, an dessen Ende die beiden wild miteinander rumknutschten. Es war immer dasselbe – und für mich wahrscheinlich nur nicht eklig, weil ich damit neunzehn Jahre lang aufgewachsen war. Obwohl, eigentlich war es doch irgendwie eklig. Man sollte doch wohl meinen, dass nach so langer Zeit die Luft in einer Beziehung endlich raus war, aber nein, nicht so bei meinen Eltern, die wirklich alles andere als normal waren. Ehrlich, davon konnte ich ein Lied singen.
„Ich habe sie aber nicht genommen!“
Flair leckte sich über das kleine Schnäuzchen, und sah erwartungsvoll zu mir auf, in der Hoffnung, dass da noch ein Keks auf sie warten würde. Da ich meinen kleinen Liebling nicht enttäuschen wollte, angelte ich ein weiteres süßes Teilchen aus der Verpackung, auf das sie sich sogleich voller Enthusiasmus stürzen konnte. Der dicke, gestreifte Pulli den ich ihr übergezogen hatte, schränkte ihre Bewegung dabei in keinster Weise ein.
„Aber du klaust meine Kekse immer!“, beharrte mein Vater stur auf seiner Meinung.
In meiner Hosentasche begann mein iPhone auf sich aufmerksam zu machen. Ich zupfte es heraus, verwundert darüber dass ich hier ausnahmsweise einmal Empfang hatte, versicherte mich mit einem kurzen Blick aufs Display, wer da meine Interesse forderte, und blendete die Keksdiskussion meiner Eltern aus, als ich es mir ans Ohr hielt. „Na, Süßer, bereit für ein Abenteuer?“
„Abenteuer?“ Kian schnaubte abfällig. „Das ich nicht lache.“
Ich grinste bei dem grimmigen Ton ins Telefon, und konnte geradezu vor mir sehen, wie mein bester Freund die Augen leicht zusammen kniff. „Treffen wir uns am alten Steinbruch beim Museum? Ich hab meine Tasche schon da versteckt.“
Der Keks auf meinem Schoß wurde immer kleiner und kleiner – was nicht nur an den tausend Krümeln auf meinem Schoß lag. Manchmal fragte ich mich wirklich, wie dieser kleine Hund es schaffte, solche Unmengen in sich reinzuschaufeln.

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