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Vergangene Narben

Vergangene Narben

Titel: Vergangene Narben
Autoren: Stefanie Markstoller
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Prolog
    „Wo ist sie?! Wo verdammt noch mal hat sie sich versteckt?! Es kann doch nicht so schwer sein sie zu finden!“
„Gräfin, es ist …“
„Sei still, sonst kann ich nicht nachdenken!“
Unter der Wucht ihres Befehls zog der Diener seinen Kopf ein, und wünschte sich raus aus dem Salon, den die Gräfin mit weit ausholenden Schritten durchquerte. Warum nur musste immer er der Überbringer schlechter Nachrichten sein? Natürlich, sie mochte ihn, und würde ihre Wut nicht an ihm auslassen, aber die Angst blieb. Diese Frau war sehr temperamentvoll, und schoss leider hin und wieder über das Ziel hinaus – besonders wenn sie so wie jetzt verärgert war.
„Sie kann doch nicht einfach verschwunden sein“, murmelte vor sich hin. „Das geht nicht. Wir müssen sie finden, eine solche Gelegenheit bietet sich so schnell kein zweites Mal.“
„Gräfin“, begann der Diener zögernd, und versuchte sich seine Unsicherheit nicht anmerken zu lassen, als sie abrupt anhielt, und ihren durchdringenden Blick auf ihn richtete. „Ich würde gerne … dürfte ich einen Vorschlag machen?“
„Sprich.“
„Wir wissen, wann Gräfin Sadrija von ihrer Reise zurückkehrt, und auch an welchem Flughafen sie landen wird. Wir könnten sie dort abfangen, und …“
„Nein.“ Ruckartig wandte sie sich dem Fenster zu, und sah hinaus in den verschneiten Wintermorgen. „Wenn sie nicht rechtzeitig zurück ist, wird
sie
sich sorgen machen, und nach ihr suchen lassen. Ich will nicht das sie den geringsten Verdacht schöpft, nicht jetzt wo ich der Wahrheit so nahe bin.“ Wie immer wenn sie an diese grässliche Frau dachte, strichen ihre Finger geistesabwesend über die vier feinen Narben in ihrem Gesicht, Narben die sie
ihr
zu verdanken hatte. „Sie darf nicht bemerken, dass etwas nicht stimmt, sonst schafft sie es wieder, sich mit ihren Lügen herauszuwinden. Sie darf nichts merken, nicht bis es zu spät ist.“
Natürlich, das verstand er.
Ihr Arm fiel zurück an ihre Seite, wo sie die Hand zur Faust ballte. „Ich werde es nicht länger dulden, was sich dieses Halbblut alles rausnimmt. Es ist unerhört. Ihr Platz, alles was sie besitzt, steht eigentlich mir zu, und nur durch Intrigen und Lügen hat sie es geschafft so weit zu kommen. Ich verstehe nicht, warum das niemand sonst sieht.“
Ihre leise gemurmelten Worte wurden zu Gedanken, zu denen der Diener keinen Zugang hatte. Daher verharrte er nur still, und lauschte dem pfeifenden Wind, der die Schneeflocken zum tanzen brachte.
In den letzten Tagen trotz dass sie schon März hatten immer wieder geschneit, und die Welt unter einer dicken Schicht Schnee bedeckt. Die Gärten der Gräfin sahen um diese Jahreszeit wunderschön aus, doch dafür hatte seine Herrin schon lange keinen Blick mehr. Der Diener wusste, sie würde erst dann zur Ruhe kommen, wenn sie ihr Ziel erreicht hatte, wenn sie endlich all das bekam, wofür sie schon seit so vielen Jahren arbeitete, doch dieses Miststück war gerissen, und wurde gut bewacht. Es war fast unmöglich an sie heranzukommen. Auch ihre Familie, und Freunde, die Leute die höchstwahrscheinlich mit ihrem Geheimnis vertraut waren, wurden von ihr geschützt. Gräfin Sadrija war seit langem die erste Person, die sich außerhalb dieses Schutzkreises befand. Laut ihrer Informantin hatte sie darauf bestanden, ohne die sonstigen Sicherheitsmaßnahmen zu reisen, da ihr jüngerer Bruder sie nicht begleitete.
Das war die perfekte Gelegenheit für seine Herrin, doch wie es schien, hatte das Objekt ihrer Begierde Lunte gerochen, und war untergetaucht. Wenn sie sich jetzt nicht beeilten, dann würden sie erneut in einer Sackgasse enden, und der Diener wollte sich gar nicht ausmalen, was seine Gräfin dann in ihrer Wut tun würde.
„Sie sollen weiter nach ihr suchen“, durchbrach sie seine Gedanken. „Irgendwo muss sie ja sein.“ In einer entschlossenen Geste wandte sie sich wieder zu ihm herum. „Ich will dass weiter nach ihr gesucht wird. Keiner soll essen oder schlafen, bis sie gefunden wurde, und hier vor mir steht. Diese Farce muss endlich ein Ende haben, und ich bin nicht länger gewillt alles hinzunehmen und zu warten.“
Ergeben nickte der Diner. „Natürlich. Wir alle wollen das nicht. Wir wissen worum Ihr betrogen wurdet, und jeder von uns steht hinter Euch.“
Diese Worte schienen sie nicht nur zu besänftigen, sondern auch sehr zufrieden zu stellen. „Dann geh jetzt, und sage den Wächtern Bescheid. Sprich noch einmal mit unserer Informantin,

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