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Verfuehrung im Palazzo des Prinzen

Verfuehrung im Palazzo des Prinzen

Titel: Verfuehrung im Palazzo des Prinzen
Autoren: Sarah Morgan
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eingeladen und nicht als Alleinunterhalter engagiert“, blaffte Matteo leise, während er die widerborstige Blondine quer durch den Ballsaal in Richtung Tür dirigierte. „Außerdem sind Sie betrunken.“ Obwohl Englisch nicht seine Muttersprache war, sprach er es ebenso fließend wie sie.
    Aber da endete die Ähnlichkeit auch schon.
    Dieses aristokratische Auftreten lag vermutlich in den Genen und war dann noch durch die beste Erziehung aufpoliert worden, die man für Geld kaufen konnte. Seine Mutter war eine Königin, ihre eine ehemalige Marktfrau. Mit seinem Akzent hätte man Glas schneiden können, ihrer taugte bestenfalls für Einweggeschirr aus Plastik!
    „Tatsache ist, dass ich nicht betrunken bin“, stellte Izzy als Erstes klar. „Jedenfalls nicht sehr. Und falls doch, ist es Ihre Schuld, weil Sie den Gästen literweise Champagner servieren und keinen Krümel zu essen.“
    Während sie immer weitergezogen wurde, hielt Izzy verzweifelt nach irgendeinem freundlichen Gesicht Ausschau. Doch als sie endlich Allegra erspähte, sah diese nicht in ihre Richtung. Offensichtlich distanzierte sich auch die frischgebackene Verlobte von ihrer peinlichen Schwester. Betroffen und enttäuscht von dieser Erkenntnis und der missglückten Präsentation ihres Songs, an dem sie wochenlang gearbeitet hatte, kämpfte Izzy mit den Tränen.
    Was muss ich denn noch tun, damit man mir endlich zuhört?
    Abrupt blieb sie stehen, sodass auch Matteo gezwungen war anzuhalten.
    „Okay“, sagte sie rau. „Sie haben mir Ihren Standpunkt klargemacht. Ich hab’s verpatzt. Lassen Sie mich gehen, und ich verspreche, mich ab sofort angemessen langweilig zu benehmen. Ich werde nur noch herumstehen, über das Wetter reden und keine Miene verziehen.“
    Doch anstatt eine Antwort zu bekommen, wurde sie wortlos weitergeschleift, bis sie vor einer erstaunten Palastwache anhielten. Auf einen stummen Wink des Prinzen öffnete der Mann eine Tür, die in ein holzvertäfeltes Vorzimmer führte, an dessen Wänden Familienporträts aufgereiht hingen.
    „Vorsicht! Ich kann nicht so schnell mit diesen hohen Absätzen!“, schimpfte Izzy.
    „Warum tragen Sie dann derart lächerliche Schuhe?“
    „Weil ich zu klein bin und es nicht mag, wenn man mir von oben auf den Scheitel guckt. So versuche ich, wenigstens etwas Eindruck zu schinden.“
    Matteo lachte hart auf. „Gratuliere! Das ist Ihnen wahrlich gelungen!“
    Das war nicht als Kompliment gemeint. Mit zusammengepressten Lippen begutachtete Izzy die lange Reihe königlicher Vorfahren, die genauso strafend auf sie herabzusehen schien wie die illustre Gästeschar im Ballsaal. „Warum sehen die alle so pikiert und missmutig aus?“, wunderte sie sich laut. „Ist denn niemand in Ihrer Familie glücklich? Ach, ich wollte, ich wäre nie hierhergekommen!“
    „Ein Gefühl, das wir alle mit Ihnen teilen.“ Ein Blick des Prinzen reichte, und der uniformierte Lakai zog sich mit einer tiefen Verbeugung zurück.
    „Wieder schließt sich eine Tür …“, seufzte Izzy melodramatisch und spürte, wie sich der Griff um ihr Handgelenk noch verstärkte. Um ihrem Peiniger in die Augen sehen zu können, musste sie ihren Kopf in den Nacken legen, was ihr gar nicht gut bekam. „Jetzt könnten Sie mich aber loslassen. Dass ich in diesen Schuhen nicht fliehen kann, müsste Ihnen doch inzwischen klar sein.“
    Augenblicklich gab Matteo sie frei. Die Geringschätzung in seinen dunklen Augen fügte ihrem angeschlagenen Selbstvertrauen noch ein paar weitere Blessuren hinzu. So sehr sie es hasste zuzugeben, Izzy fand Moody Matteo ziemlich einschüchternd. Dieser Mann war wahrscheinlich noch nie zu Boden gegangen und hatte sich auch nie aus eigener Kraft wieder aufrappeln müssen. Aus jeder Pore verströmte er Kraft und Autorität, weshalb sie sich neben ihm wie ein unbedeutendes Staubkorn vorkam.
    Ganz abgesehen von anderen Emotionen, über die sie lieber nicht nachdenken wollte. Wie dieses gefährlich kribbelnde Lustgefühl tief in ihr und das unsichtbare Brandzeichen an der Stelle, wo seine Finger ihr Handgelenk umfasst hielten. Izzy schauderte und trat einen Schritt zurück. „Ich habe nur gesungen. Ich war weder nackt noch habe ich mit Kraftausdrücken um mich geworfen oder schmutzige Witze erzählt. Ich wollte doch unbedingt, dass Sie mich bemerken …“
    Jetzt ist es heraus!
    Matteos Augen weiteten sich entsetzt. „Sie missbrauchen die Verlobungsfeier meines Bruders, um sich an mich heranzumachen? Wie

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