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Verfuehrung im Harem

Verfuehrung im Harem

Titel: Verfuehrung im Harem
Autoren: Teresa Southwick
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Balkon und genoss die faszinierende Aussicht auf das Arabische Meer. Irgendwie rechnete sie damit, Kardahl würde jeden Moment zurückkommen und verkünden, es sei alles nur ein Scherz gewesen. Sie würden darüber lachen, und sie konnte sich endlich auf den eigentlichen Zweck ihres Besuchs konzentrieren.
    Kardahls Suite ist wirklich nicht schlecht, dachte sie. Und das war eine Untertreibung, denn es war eine wunderschöne und geradezu riesige Suite. Zu gern hätte sie sich darin umgesehen, aber sie wollte nicht von ihm dabei überrascht werden. Er sollte nicht denken, sie würde in seinen Sachen herumschnüffeln. Exklusive Sofas in einem warmen Grünton standen vor dem breiten Kamin aus weißem Marmor, und an den Wänden des großen Wohnzimmers, das in das Esszimmer überging, hingen wertvolle Gemälde. Obwohl Jessica nicht viel Ahnung von Kunst hatte, war sie sich si cher, jedes dieser Bilder hatte ein Vielfaches ihres monatlichen Nettogehalts gekostet.
    Wie kann ich verheiratet sein, ohne es zu wissen?, überlegte sie. Und das ohne weißes Brautkleid, ohne Blumen, Ringe und Trauungszeremonie . Die halbhohen Absätze ihrer eleganten Schuhe klapperten auf dem Mosaikfußboden, als sie den Flur durchquerte, um sich zu vergewissern, dass die Eingangstür nicht verschlossen war. Vorsichtig öffnete sie diese einen Spaltbreit und blickte in alle Richtungen. Nein, es standen keine Wachen vor der Tür, wie sie feststellte.
    Das bedeutete natürlich nicht, dass sie in Sicherheit war, wie sie sich sagte, nachdem sie die Tür wieder zugemacht hatte. Vielleicht war sie auf einen Ring von Frauenhändlern hereingefallen, der Frauen als Sexsklavinnen verkaufte, obwohl das vermutlich zu weit hergeholt war. Sie hatte eine zu lebhafte Fantasie. Jedenfalls war sie der Meinung, Ferntrauungen gehörten schon längst der Vergangenheit an. Die ganze Sache kam ihr sehr seltsam vor.
    Während sie noch darüber nachdachte, ob sie mit oder ohne Gepäck verschwinden sollte, ging die Tür auf und Kardahl kam herein.
    „Ich habe Neuigkeiten“, verkündete er.
    „Wir sind nicht verheiratet“, riet sie aufs Geratewohl.
    „Oh doch. Hier.“ Er reichte ihr ein Dokument. „Ist das deine Unterschrift?“
    Sekundenlang betrachtete sie ihren Namenszug unter dem in einer ihr fremden Sprache abgefassten Schriftsatz. „Ja, jedenfalls sieht es so aus, aber …“
    „Hat man dich gezwungen zu unterschreiben?“, fiel er ihr ins Wort.
    „Nein. Ich erinnere mich jedoch an den riesigen Stapel Unterlagen, aus denen ich …“
    „Na, so riesig kann der Stapel nicht gewesen sein“, unterbrach er sie wieder.
    „Da ich eure Sprache nicht beherrsche, konnte ich die Papiere auch nicht lesen. Der Mann, der so tat, als wollte er mir helfen, erklärte, es sei nichts Wichtiges. Ich würde mich mit meiner Unterschrift nur damit einverstanden erklären, dass Kopien von Urkunden gemacht würden, die der Familienzusammenführung dienen oder etwas in der Art.“
    Kardahl nickte und legte das Dokument auf den niedrigen Tisch. „Im Bestreben, meinem Vater und meiner Familie alles recht zu machen, hat er vielleicht die Wahrheit etwas … verschleiert.“
    „Er hat also gelogen?“
    „Nicht unbedingt. Mit deiner Unterschrift hast du dich einverstanden erklärt, dass uns von bestimmten Urkunden Kopien ausgehändigt werden, insoweit stimmt es, was er behauptet hat. Du hast aber auch deine Unterschrift unter die Heiratsurkunde gesetzt.“
    „Das ist absurd. Wir leben im einundzwanzigsten Jahrhundert! Niemand denkt heutzutage noch an eine Ferntrauung.“
    „Dennoch ist es bei uns völlig legal.“
    Was für eine Ironie, dass ich ausgerechnet mit diesem Mann verheiratet sein soll, überlegte sie. Neun von zehn Frauen würden Freudensprünge machen vor lauter Glück. Doch ausgerechnet mit der Frau, die sich darüber nicht freuen konnte, musste er sich jetzt auseinandersetzen. Jessica fühlte sich hereingelegt. Doppelt schlimm wurde die Sache dadurch, dass sie mit einem Playboy verheiratet sein sollte, was für sie so etwas wie ein Albtraum war. Ihre Empörung wuchs von Minute zu Minute.
    „Woher willst du wissen, dass ich nicht schon mit einem anderen Mann verheiratet bin?“, fragte sie, die Hände in die Hüften gestützt.
    „Glaubst du, das hätte man nicht vorher genau geprüft?“
    „Niemals hätte ich mir vorstellen können, einmal in eine Ferntrauung verwickelt zu sein. Wie konnte das überhaupt passieren?“ Wieder lief sie hin und her. „Warum musste es

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