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Verführerische Fesseln (German Edition)

Verführerische Fesseln (German Edition)

Titel: Verführerische Fesseln (German Edition)
Autoren: Natalie Rabengut
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1
     
    Als Martin mir die große Neuigkeit verkündete, von der er am Telefon gesprochen hatte, fiel mir der Kaffeebecher aus der Hand und der gesamte Inhalt der Tasse verteilte sich auf dem Boden, tränkte meine Socken und einen Teil meines Hosenbeins.
    Er hatte ja auch nicht abwarten können, bis ich meine Tasse abgestellt hatte oder mich wenigstens vorgewarnen können. Aber so war er schon immer gewesen, nie hatte er die Zeit abwarten oder sich in andere hineinversetzen können. Nie.
    Natürlich half er mir auch nicht, den Kaffee aufzuwischen. Ich stand dort, die Tasse lag auf dem Boden und meine Hand hing jetzt nutzlos in der Luft. Ich war mir ziemlich sicher, dass ich ihn richtig verstanden hatte, aber sicherheitshalber fragte ich noch einmal nach: „Du willst die Scheidung?“
    Einfach so, ohne Vorwarnung – nach 8 Jahren Beziehung, davon 6 Jahre verheiratet. Ich starrte ihn immer noch sprachlos an. Dann besann ich mich endlich und griff nach einem Küchentuch.
    „Ja, ich wollte es dir gern persönlich sagen. Und jetzt muss ich wieder ins Büro.“ Ich wollte etwas erwidern, fühlte mich aber wie gelähmt. Martin verließ die Küche, während ich auf dem Boden hockte und den verschütteten Kaffee aufwischte. Was für ein symbolisches Bild.
    Er war schon an der Tür und sagte: „Du musst wissen, Marie – dir gebe ich keine Schuld.“ Dann zog er sie hinter sich zu. Ich sprang auf und warf das Küchentuch nach ihm.
    Natürlich war er bereits weg. Das Tuch flog gegen die Tür und hinterließ dort einen braunen Fleck, bevor es mit einem traurigen „Platsch“ auf den Boden fiel. Im gleichen Moment ärgerte ich mich auch schon, dass ich mich zu einer solchen Reaktion hatte hinreißen lassen – jetzt musste ich dort ebenfalls saubermachen.
     
    Nachdem ich alle Flecken beseitigt und mir einen neuen Kaffee gemacht hatte, setzte ich mich an den Küchentisch und versuchte, meine Gedanken zu sortieren. Ich wartete auf die Wut, die Enttäuschung oder die Trauer. Irgendetwas musste man doch empfinden, wenn der eigene Mann kam und die Scheidung wollte, oder?
    Ich hatte mich schon gewundert, als Martin angerufen hatte und sagte, er würde aus dem Büro kurz nach Hause kommen. Das hatte es in den 8 Jahren, die wir zusammen waren, ja noch nicht einmal an meinem Geburtstag gegeben. Ich war so dumm, nichts hatte ich geahnt. Im Gegenteil, ich hatte einen Kuchen gebacken. Dieser stand jetzt einsam auf der Küchenanrichte. Wir hatten noch nicht einmal Eheprobleme gehabt, niemals hätte ich das erwartet. Aus heiterem Himmel wollte er die Scheidung.
    Ich dachte nach, lange. Und je länger ich unsere Beziehung analysierte, desto eher musste ich mir eingestehen, dass ich Martin schon lange nicht mehr liebte. Ich hatte mich eher an ihn und seine Vorzüge gewöhnt und alles andere aus Verlegenheit – mir selbst gegenüber – einfach ausgeblendet.
    Als mir das klar wurde, kamen mir die Tränen und ich konnte nichts dagegen tun. Selten hatte ich mich so unvorbereitet gefühlt, so vor vollendete Tatsachen gestellt. Obwohl ich mir insgeheim eingestehen musste, dass meine Gefühle für Martin längst eingeschlafen waren, hatte mich seine Entscheidung doch aus dem Nichts getroffen.
    Ich nahm mein Handy und wollte eine Freundin anrufen, ich musste jetzt unbedingt mit jemandem reden. Ich klickte durch das Telefonbuch und je weiter nach unten ich gelangte, desto enger wurde der Ring um meinen Brustkorb. Die Nummern gehörten alle ausnahmslos Martins Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen.
    Ich schloss meine Augen und spürte, wie die Tränen auf meinen Wangen trockneten. Es fühlte sich bereits alles so endgültig an. Wo war mein eigenes Leben denn hin?
    Ich nippte an dem heißen Kaffee und legte das Handy weg. Ich versuchte mich zu erinnern, wie es dazu gekommen war, dass ich an einem Dienstag Vormittag in meiner Küche saß und mein Mann die Scheidung wollte.
     
    Zwei Stunden später beschloss ich, dass frische Luft mir gut tun würde und ging in den Flur. Ich zog Stiefel an, wickelte mir den dicken Schal mehrmals um den Hals, schlüpfte in meinen Parka und nahm meine Tasche.
    Das ganze Grübeln würde ja sowieso nichts bringen. Ich hatte für einen Moment überlegt, ob ich Martin bitten sollte, das Ganze doch noch einmal zu überdenken. Dann hatte ich bitter lachen müssen. Ich hatte doch schon treffend erkannt, dass ich ihn selbst nicht mehr wollte. Ich war nur feige. Was würde mir es denn bringen, an einer – offensichtlich

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