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Verdrehtes Fest (German Edition)

Verdrehtes Fest (German Edition)

Titel: Verdrehtes Fest (German Edition)
Autoren: Gerry Stratmann
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Missmutig stapfte ich hinter diesem kleinen, grünäugigen Monster mit Namen Dennis her. Die Hände waren tief in den Taschen meiner Jacke vergraben und ich ballte sie immer wieder zu Fäusten.
Leise schimpfte ich vor mich hin, murmelte zornige Worte in den dicken, mehrfach um meinen Hals geschlungenen Schal.
"Verfluchtes Weihnachten! Verdammte Weihnachtsdekoration! Warum kann er nicht wie andere Männer sein und Weihnachten blöd finden? Warum gerate ich ausgerechnet an den einzigen Kerl, der Weihnachten sooooo toll findet?"
Die Schimpftirade hätte ich bestimmt endlos weiter geführt, wäre ich nicht plötzlich gegen ein Hindernis geprallt.

Blitzende grüne Sterne starrten mich wütend an.
"Je mehr du maulst Gerry, je mehr Dekoration werde ich kaufen. Du wirst in diesem Jahr das Fest so verbringen, wie ich es lieben gelernt habe. Also gib jetzt Ruhe und versuche ein bisschen Spaß zu haben."
Der Kleine hatte gut reden. Als wenn man die Aversion gegen dieses dämliche Fest auf Knopfdruck abschalten könnte. Doch ich wollte meinem Lebensgefährten nicht die Freude an der ganzen Sache nehmen.
Schnell beugte ich mich zu ihm hinunter und drückte einen Kuss auf seine Lippen. Schon strahlte der mich wieder an, schnappte nach meiner Hand und zog mich weiter.

Ich verdrängte die unangenehmen Erinnerungen an die Weihnachtsfeste meiner Kindheit in die hintersten Ecken meines Kopfes und beobachtete lieber, mit welcher Freude Dennis in den Auslagen des Kaufhauses wühlte.
Unser Einkaufswagen füllte sich mit Strohsternen, Zapfen, Tannengirlanden und Lichterketten. Kleine rote und goldene Kugeln wanderten hinein. Tisch für Tisch klapperten wir ab und irgendwann gab ich es auf darauf zu achten, was mein Süßer alles kaufte.

Lieber betrachtete ich die aufgeregt herumhüpfenden Kinder vor den einzelnen Stationen eines Märchenwaldes. Ihre Mütter ließen sie nicht aus den Augen, damit sie im Gedränge der Kauflustigen nicht verloren gingen.
Wehmütig erinnerte ich mich daran, dass meine Mutter sich nie die Zeit genommen hatte, mit mir an diesen Ausstellungen zu verweilen. Unwillig hatte sie mich durch die Menschenmengen gezerrt, um die Einkäufe möglichst schnell hinter sich zu bringen.
Für meine Erzeuger war Weihnachten eine Veranstaltung, die ihnen Geld aus der Tasche zog. Für Verwandte und Nachbarn musste allerdings der Schein gewahrt werden. Doch diese Kinder hier würden bestimmt ein schönes Fest verbringen dürfen.

Bevor ich weiter in meinen trüben Erinnerungen versinken konnte, wurde ich dadurch abgelenkt, dass mir jemand etwas auf den Kopf stülpte. Ich drehte mich um, da die Attacke von hinten erfolgt war, und blickte ungläubig auf meinen Freund.
Dennis hatte eine Weihnachtsmütze auf sein schwarzes Haar gesetzt und funkelte mich frech grinsend an. Automatisch griff ich an meinen Kopf und sogleich wurde mir klar, dass er mir auch eine Mütze aufgesetzt hatte.
"Das ist jetzt nicht dein ernst, oder?"
"Großer, du siehst damit zum Anbeißen aus." Mit einem süßen Lächeln sah er mir tief in die Augen. Doch heute verfehlte das seine Wirkung.
"Bitte Dennis, das ist albern!"
"Stell dich nicht so an. Schau dich mal um. Die meisten Leute tragen so ein Ding und ich finde das ganz lustig."
Also ergab ich mich in mein Schicksal und trabte weiter hinter ihm her. Allerdings musste ich ihm recht geben. Die meisten jüngeren Männer und auch einige Frauen trugen diese Weihnachtsmützen und alle hatten ihren Spaß daran.

Nachdem wir die Schlangen an der Kasse überwunden und unsere Waren bezahlt hatten, konnten wir uns endlich auf den Heimweg begeben. Wer dabei die meisten Tüten tragen durfte, muss ich wohl nicht weiter ausführen?
Ich war beladen wie ein Packesel. Ein Lasttier mit alberner rot-weißer Zipfelmütze und einem daran befestigten fröhlich bimmelnden Glöckchen. Peinlicher ging es für meine Begriffe wirklich nicht mehr.
Doch mein Kleiner hatte gar keine Lust nach Hause zu gehen. Nachdem wir alle Einkäufe im Auto verstaut hatten, wollte er unbedingt über den Weihnachtsmarkt gehen. Als ich mir die lächerliche Mütze vom Kopf ziehen und in den Kofferraum werfen wollte, hielt er meine Hände fest.
"Lass sie auf. Du siehst wirklich niedlich damit aus."
Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, küsste er mich verlangend. Damit brachte er mich wieder einmal zum Schweigen.
Obwohl ich ein Sturkopf sein konnte, wenn mir etwas gegen den Strich ging, sobald Dennis mir tief in die Augen schaute, oder mich lieb

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