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Vera Lichte 05 - Tod eines Heimkehrers

Vera Lichte 05 - Tod eines Heimkehrers

Titel: Vera Lichte 05 - Tod eines Heimkehrers
Autoren: Carmen Korn
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ging doch der Streit. Der Kerl hat Bimbi zu ihr gesagt. Das stand ihm nicht zu.« Er beugte sich vor. »Ich sage Ihnen, meine tote Schwägerin hat Sex mit ihm gehabt.«
    Das interessierte Pit nicht wirklich. Es sei denn, der Kerl käme als Täter in Frage.
    »Darf ich dann gehen?«, fragte der Mann und stand auf. Er war wirklich sehr dünn. Jan Kummer hatte die Meinung vertreten, dass er gar nicht kräftig genug sei, um eine Drahtschlinge zuzuziehen.
    Doch die Dünnen waren zäh und nicht zu unterschätzen.
    »Ich nehme meinen Bruder am Flughafen in Empfang und bring ihn gleich ins Leichenschauhaus.«
    Pit stand auch auf. »Sie wissen ja, wo die Rechtsmedizin ist«, sagte er. »Ihr Bruder hat dann morgen einen Termin bei mir.«
    Er atmete auf, als er allein im Zimmer war.
    Es hatte ganz andere Fälle gegeben als diesen. Fälle, die ihm das Herz zerdrückten und ihn beinah um den Verstand brachten. Pit hatte in der ganz großen Kacke gerührt. Doch er war noch immer bei der Kripo. Trotz aller Gedanken, den Beruf aufzugeben.
    Hauke hatte es geschafft, abzuspringen. Er hörte ihn noch sagen, dass er das Elend satt sei. Nicht länger mit Mord und Totschlag zu tun haben wollte. Nun saß er in Husum in einem Laden, der Engelenburg gehörte, und verkaufte italienischen Wein und Schinken aus San Daniele.
    »Bist du ansprechbar?«, fragte Jan Kummer und blieb in der Tür stehen.
    Eine Behutsamkeit, die er früher nicht an den Tag gelegt hatte.
    »Du hast mir da ein Foto auf den Tisch gelegt. Aus Kapstadt.«
    »Erkennst du jemanden?«, fragte Gernhardt.
    »Die beiden links sind Schauspieler. Treten die nicht in einer Serie auf, in der es um Tiger geht? Irgendwas mit Tieren in Afrika.«
    Pit hob die Schultern. »Keine Ahnung«, sagte er. »Das Ganze könnte im ›Ginja‹ sein. Sehr angesagt, der Laden.«
    »Und der in der Mitte?«, fragte Pit. »Der Schwarzhaarige im weißen Dinnerjackett?«
    »Kenne ich nicht«, sagte Kummer.
    »Gibt es was Neues von unseren Damen in den Haltestellenhäuschen?«
    »Nichts«, sagte Kummer. »Ich kenne nur noch die beiden neben dem Mann im weißen Dinnerjackett. Der eine ist ein Schönheitschirurg und der andere ein vielgelobter Innenarchitekt in Kapstadt.«
    Den hätte Vera vielleicht gerne konsultiert.
    Doch davon wusste Hauptkommissar Gernhardt noch nichts.
    »Wer will nur die Möbel?«, fragte Vera. »Mary und Billie werden wohl kaum ein Esszimmer für zwölf Personen nehmen.«
    Nein. Billie war nur begeistert von den Bananenblattsesseln. Eine der wenigen Anschaffungen, die Vera gemacht hatte in all den Jahren.
    Billie hätte auch gern Gustavs Sammlung goldener Schallplatten genommen. Er stellte sich vor, dass sie in seinem Laden herrlich leuchteten, zwischen Kichererbsen und Linsensäcken.
    Doch die goldenen Schallplatten würden bleiben, wo sie waren.
    Im Badezimmer. Dort hatte Gustav Lichte sie selbst hingehängt. Schließlich waren sie wasserdicht. Wie für eine Nasszone komponiert.
    Und die Tantiemen für Gustavs Lieder flossen ohne Ende.
    Gustav hatte diese Scherze geliebt.
    »Das Esszimmer verkaufe ich Ihnen, Vera«, sagte Engelenburg.
    »Ihr seid fähig und tut das ins Abendblatt«, sagte Anni, »und die Leute latschen hier durch und sagen, da unten ist aber ein Kratzer dran.«
    »Ich denke, dass ich ein paar alte Bekannte anrufen werde«, sagte der Holländer. »Die wissen Schnäppchen zu schätzen.«
    »Schnäppchen?« Anni klang schrill. »Das war immer gut und teuer, was Gustav gekauft hat, und sehr solide«, sagte sie.
    »Versteh es doch, Annilein«, sagte Vera. »Ich will nicht länger in einer Gedenkstätte leben.«
    »Das hat dich all die Jahre nicht gestört.«
    Anni umklammerte den kleinen Leuchtturm aus Keramik, den Nicholas von seinem Ausflug mitgebracht hatte, als sei der das Letzte, was ihr bliebe. Dabei hatte sie nur ein Teelicht hineinstellen wollen.
    »Sie haben doch auch noch die Möbel aus Ihrem Delfter Elternhaus«, sagte sie und sah Engelenburg vorwurfsvoll an.
    »Ich bin schon ein alter Sack, sagte Engelenburg und grinste, »da ist der Mensch nicht mehr so erpicht auf Erneuerung.«
    Das stimmte nun gar nicht. Hatte er doch Weinhandlungen eingerichtet und eröffnet. In Hamburg und Husum. Glücklich über das Neue, das da entstand. Den Tischler hatte er mit Entwürfen verstört, bis die Theke aus sibirischer Kiefer seinen kühnen Vorstellungen entsprach.
    »Nick kommt nachher vorbei«, sagte Vera, »vielleicht will er was haben.«
    »Was hat er denn gesagt zu

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