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Venit. Die Akte Veden: Thriller (Filii Iani-Trilogie) (German Edition)

Venit. Die Akte Veden: Thriller (Filii Iani-Trilogie) (German Edition)

Titel: Venit. Die Akte Veden: Thriller (Filii Iani-Trilogie) (German Edition)
Autoren: Melanie Meier
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15. August 1998
     
    Der Learjet schwebte sanft wie eine Feder durch das unendliche Blau, das sich nach allen Seiten ausstreckte und am Horizont dem Gefilde entgegenwölbte. Man hatte einen wunderschönen Blick über die Alpen, deren schneebedeckte Gipfel zwischen den Wolkendecken herausragten. Die Täler hoben sich hier und da dunkel von den Wolken ab und nahmen sich wie Schluchten aus, erschufen somit den einzigartigen Kontrast, den man nur aus dieser Höhe zu sehen bekam.
    Der Gedanke, dass die Maschine in wenigen Minuten dort unten in den Schluchten zerschellte, war den Insassen des Jets so fern wie ihr Zielflughafen, den sie nicht erreichen sollten.
    In der luxuriösen Passagierkabine herrschte Stille. Natürlich war das Dröhnen der Triebwerksmotoren leise zu vernehmen, doch Sir Burghard Veden verbrachte so viel Zeit in diesem Flugzeug, dass er sie nicht mehr hörte.
    Links auf der anderen Seite schlief seine Frau. Die Stewardess hatte den Ledersitz im Handumdrehen in einen Schlafplatz verwandelt und den Fensterschutz heruntergezogen, sodass ihre Seite in einem geruhsamen Dämmerlicht lag.
    Sie hatten einige anstrengende Tage hinter sich, die sie mit verschiedenen Geschäftspartnern in Italien verbracht hatten. In ihrer Branche genügten nun einmal keine simplen Telefonanrufe oder Meetings; man musste vor Ort sein, Hände schütteln, Floskeln austauschen und Einladungen zu diversen Banketts, Galen und, wie in ihrem Fall, zu Opernpremieren annehmen.
    All das machte das Geschäftsleben reicher und interessanter, wenngleich Burghard Veden beileibe kein Opernfan war. Im Gegenteil: Dieses makabere Getöse um Tod, Verrat und Liebe, das mitunter mehrere Stunden dauerte, war ihm ein Grauen. Er sah keinerlei Unterschied zur trivialen Unterhaltungskultur. In seinen Augen hatte diese ihren Ursprung in der Oper, und die kulturelle Landschaft wäre heute um einiges geschmackvoller, hätte es sie nie gegeben.
    Nun, die Florentiner waren nun einmal ein Völkchen, das gerne den Anschein erweckte, gediegener zu sein als sie es tatsächlich waren. Wenn sie im 16. Jahrhundert nicht auf die Idee gekommen wären, die antiken griechischen Dramen wiederaufleben zu lassen, müsste er sich heute keine Opernpremieren ansehen und Verdi hätte seine Komposition zu Ernani nicht in ein solch beklagenswertes Gewand gezwängt.
    Kunst war nicht sein Gebiet, das gab er gerne zu. Er betrachtete sehr viel lieber geschäftliche Unterlagen als Gemälde, lauschte der Stille in einem spartanisch eingerichteten Büro hingebungsvoller als irgendeiner Musik, und mit dem geschriebenen Wort innerhalb fiktiver Welten konnte er ohnehin nichts anfangen. All das war etwas für Phantasten, und Burghard Veden zählte sich zu den Pragmatikern.
    Er verlagerte das Gewicht im Ledersitz, beugte sich leicht nach vorne über den ausgezogenen Tisch und goss sich etwas Eistee aus der Kanne nach. Der Jet ließ die Alpen hinter sich und erreichte deutsches Luftgebiet.
    Burghard Veden beschloss, die verbleibende Zeit bis zur Landung auf dem Kieler Flughafen damit zu verbringen, die Verträge durchzusehen. Das hatte er in den letzten Tagen schon mehrmals getan und im Zuge dessen diverse Veränderungen vorgenommen, doch man konnte nicht achtsam genug sein. Nicht, wenn es um mehrere Millionen Mark ging. Er zog den Ordner zu sich und schlug ihn auf.
    Im gleichen Moment geriet der Learjet in eine Turbulenz. Sir Veden lehnte sich im Sitz zurück und umgriff die Lehnen. Er warf einen raschen Blick auf seine Frau, doch sie schien sich nicht stören zu lassen. Sie schlief seelenruhig weiter. Burghard schloss die Augen und versuchte, sich zu beruhigen. Daran würde er sich nie gewöhnen.
    Mit einer Plötzlichkeit, die ihm den Atem raubte, durchzuckte ein unsäglicher Schmerz seinen Kopf, als würde ihm eine lange, glühende Nadel durch das Gehirn gestoßen. Stöhnend öffnete er die Augen, kniff sie aber sofort wieder zu, da das Tageslicht nun zu hell erschien. Ihm wurde schwindelig.
    Die Turbulenzen ließen nach, der Kopfschmerz allerdings ging nun in ein penetrantes Pochen über. Burghard griff sich an die Stirn und spürte, wie die Arterien an den Schläfen das Blut in schneller Folge hindurchpumpten. Es fühlte sich so an, als würden die Schlagadern jeden Augenblick bersten. Er streckte die Hand aus und betätigte die Servicetaste.
    Keine zwanzig Sekunden später erschien die junge Stewardess, die adrett in einen schwarzen Hosenanzug gekleidet war und ihm ein strahlendes

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