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und die verschwundene Seglerin

und die verschwundene Seglerin

Titel: und die verschwundene Seglerin
Autoren: Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer
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Sie, mein lieber Mr Jonas, sehr vorteilhaft gedacht.« Er nahm die Brille ab, um sie sogleich wieder aufzusetzen. »Ich nehme an, es ist deshalb im Sinne der Verstorbenen, wenn ich Ihnen helfe, so gut ich kann.« Onkel Titus seufzte erleichtert. Mr Dimitrios drückte auf eine Sprechtaste und bat um die Akte »Irma Bannister«. Er erzählte, noch ehe sie hereingebracht wurde, dass Irma in ihren letzten beiden Lebensjahren in erheblichen finanziellen Nöten gesteckt habe.
    Verwundert wackelte Onkel Titus mit dem Kopf. »Das wusste ich nicht«, bekannte er.
    Â»Glaube ich Ihnen gern.« Mr Dimitrios blätterte in Irmas Akte. »Und als sie bedauerlicherweise diesem Unfall zum Opfer fiel, da hatten sich derartige Schulden angehäuft, dass uns nichts anderes übrig blieb als eine Versteigerung, die nun in vier Tagen stattfinden wird.«
    Â»Das bedeutet«, sagte Justus, »Mrs Bannister hat schon zu Lebzeiten ihren Besitz an Kunstgegenständen und Antiquitäten Ihrer Bank vermacht.«
    Â»Ganz recht, junger Mann«, sagte Mr Dimitrios. »Als Sicherheiten für die Darlehen, die sie bei uns aufnehmen musste.«
    Â»Und jetzt lassen Sie die Sachen versteigern, um das Geld auf diese Weise zurückzubekommen.«
    Â»Sie haben es durchschaut«, lobte Mr Dimitrios und zwickte sich heftig ins linke Ohrläppchen. »Ich gratuliere Ihnen zu Ihrem Neffen, Mr Jonas. Ein aufgeweckter junger Mann.«
    Onkel Titus schien vor Verlegenheit ein wenig rot zu werden. »Ich weiß«, sagte er. »In der Schule nennen sie ihn das Superhirn.«
    Mr Dimitrios murmelte etwas, das Justus nicht verstand, und nahm ein Blatt Papier aus der Mappe. Er kniff die Augen zusammen und überflog es mehrmals mit flinken Blicken von oben nach unten. »Hier habe ich«, sagte er langsam, »die sogenannte Inventarliste. Das heißt, auf ihr stehen alle Wertgegenstände, die sich vor ziemlich genau zwei Jahren in Irma Bannisters Besitz befanden.«
    Â»Zu dem Zeitpunkt also, als ihre finanziellen Schwierigkeiten anfingen?«, fragte Justus und spürte einen sanften Tritt von Onkel Titus an seinem Fußknöchel.
    Â»Genau«, pflichtete Dimitrios ihm bei. »Und wissen Sie, was ich hier finde?«
    Â»Einen Spiegel, handgefertigt in Dallas, Texas. Aus dem Jahr 1882. Schätzpreis …«, Justus hielt für eine Sekunde inne, »…» circa siebenhundert Dollar.«
    Mr Dimitrios legte die Mappe auf seinen Schreibtisch. Mit der linken Hand nahm er die Brille ab und mit der rechten kniff er sich ins linke Ohrläppchen. »Allmählich werden Sie mir unheimlich, junger Mann«, sagte er in seinem auffälligen griechischen Akzent und Justus musste zweimal kräftig schlucken, damit er ernst blieb. »Kann Ihr Neffe hellsehen?«, wandte sich Dimitrios an Titus Jonas.
    Â»Ich sagte doch, er hat ein Superhirn«, antwortete Onkel Titus so mürrisch, dass Mr Dimitrios ihn erstaunt ansah. »Und ein anderer Spiegel wird nirgends erwähnt?«
    Â»Nirgends«, stellte Mr Dimitrios fest. »Mit keiner Silbe.« Über seine Brillengläser hinweg warf er Onkel Titus einen prüfenden Blick zu. »Sie verstehen, dass ich Ihnen diese Unterlagen nicht selbst zur Einsicht …«
    Â»Natürlich«, beeilte sich Onkel Titus zu versichern. »Sie haben mir ja schon sehr geholfen und natürlich müssen Sie Diskretion wahren.«
    Mr Dimitrios dankte für das Verständnis und bald darauf standen die beiden auf der Straße. »Woher wusstest du, dass nur der texanische Spiegel aufgeführt war?«, fragte Onkel Titus und Justus antwortete wie aus der Pistole geschossen: »Gewusst habe ich wenig. Ich habe eben kombiniert.«

E in tragischer Segelunfall
    Â»Wir haben einen Fall«, sagte Justus.
    Bob setzte eine mürrische Miene auf. »Und ich hab keine Zeit«, maulte er. »Sax Sendler meint, er geht pleite, wenn ich in diesen Ferien nicht mindestens fünfmal pro Woche in seiner Musikagentur erscheine. Elizabeth hat gedroht, sich einen anderen Freund zu suchen, wenn ich nicht endlich den Tauchkurs für Fortgeschrittene und die längst versprochene große Fahrradtour bis hinunter nach Mexiko mit ihr mache. Mr Clayton hat mir am letzten Schultag mitgeteilt, dass ich nächstes Jahr die größten Schwierigkeiten kriege, wenn ich in den Ferien nicht meine kraterähnlichen Wissenslücken in Physik, Chemie und Biologie

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