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und die verschwundene Seglerin

und die verschwundene Seglerin

Titel: und die verschwundene Seglerin
Autoren: Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer
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viel, findet ihr nicht?«
    Bob zuckte mit den Schultern. »Er wäre nicht der Erste, der durchdreht, wenn er glaubt, er stünde mit dem Rücken zur Wand. Fest steht, dass Irma nicht vor ihm sicher ist. Wenn die Theorie stimmt, dann geht Mrs Bannister ihrem Neffen wegen des Geldes bestimmt schon seit Monaten auf die Nerven. Sie muss ja von etwas leben. Sie hält sich irgendwo versteckt, eine Arbeit kann sie nicht annehmen, schließlich ist sie tot, und außerdem bräuchte sie gefälschte Papiere. Also bleibt ihr nichts anderes übrig, als immer wieder bei ihrem Neffen vorstellig zu werden und ihn anzuflehen, sich an die alte Vereinbarung zu halten. Und dabei lebt sie in ständiger Angst, dass sie entdeckt wird. Oder dass jemand ihre zweifelhaften Kunstgegenstände, die sie in den letzten Wochen auf den Markt geworfen hat, genauer unter die Lupe nimmt.« Er wandte sich zu Justus, der wieder stumm dasaß und lauschte. »Wenn dein Onkel sie richtig schildert, dann ist das alles nicht ihre Welt. Mit so etwas kommt sie nicht zurecht.«
    Justus zupfte an der Unterlippe, wie gewöhnlich, wenn er scharf überlegte. Er musste zugeben, dass das alles ziemlich schlüssig klang. Fieberhaft suchte sein Superhirn nach einer Schwachstelle in Bobs Theorie, aber es fand keine. Bis jetzt jedenfalls, dachte er.
    Justus stand auf und reckte sich zur Decke. Dabei vermied er es, die Stelle zu berühren, die er vergeblich zu reparieren versucht hatte. Eigentlich sah sie jetzt wieder fast genauso aus wie am Vormittag, nur schmutziger. Sein Blick fiel auf den Boden. Dort hatte sich unbemerkt eine kleine Pfütze jener Masse angesammelt, die er zur Abdichtung des Lecks im Dach angerührt hatte. Aber das gehörte jetzt nicht hierher.
    Â»Noch eine kleine Mitteilung, die euch allerdings nicht überraschen wird«, sagte er. »Ich habe mich um diesen Fred Mulligan gekümmert, aus der Ox Road in Ventura, auf den das Fahrzeug mit dem Kennzeichen 4 LIK 274 zugelassen ist. Ich habe ihn angerufen und er hat Stein und Bein geschworen, dass er einen Japaner fährt. Und dass der nicht blau ist, sondern metallicgrün.« Justus seufzte. »Wie nicht anders zu erwarten: Euer Verfolger hatte ein gefälschtes Nummernschild.«

Z weitausend zum Ersten
    Die Versteigerung fand in einem Industrieviertel von Santa Monica statt, in einem kahlen Flachbau. Die Nüchternheit der grauen Fassade stand in krassem Gegensatz zu den farbenfrohen Kunstobjekten, die Justus im Inneren erwartete. Sein Onkel war den ganzen Vormittag ziemlich nervös gewesen und so lenkte er den VW-Bus schon eine halbe Stunde vor Beginn der Auktion auf den Parkplatz neben der kleinen Halle. Justus war die Aufregung seines Onkels nicht entgangen. Untrügliches Zeichen dafür war das leise Zittern der aufragenden Enden seines Schnurrbarts.
    Der erste Bekannte, der Justus über den Weg lief, war Mr Dimitrios. Allerdings hatte der Bankdirektor weder Augen noch Ohren für seine Umgebung, als er unmittelbar vor ihnen den öden Vorraum der Halle betrat. Er unterhielt sich angeregt mit einem Herrn an seiner Seite. Im Vorraum mochten sich etwa zwei Dutzend Menschen versammelt haben, die in Grüppchen beieinanderstanden oder geschäftig hin und her eilten, um sich in der verbleibenden Zeit einen Eindruck von den angebotenen Kunstgegenständen zu verschaffen.
    Justus spürte Peters Mund ganz dicht an seinem Ohr. »Dürfte Mr Winston sein, der Galeriebesitzer«, raunte der Zweite Detektiv. »Als Kelly und ich rausgingen, hat ihm die Dame am Eingang etwas im Katalog gezeigt. Wahrscheinlich den Eintrag mit dem texanischen Spiegel. Er schien ziemlich interessiert.«
    Â»Ah, da ist ja auch Mr Winston«, sagte in diesem Augenblick Onkel Titus so laut, dass Justus schon glaubte, der Galerist müsse es gehört haben. Aber der Mann mit dem auffallend schmalen Gesicht und den schulterlangen schwarzen Haaren strebte unbeirrt durch den Vorraum der Halle zu. Dicht gefolgt von Mr Dimitrios, der sich unentwegt mit der rechten Hand ins linke Ohrläppchen zwickte. Zwischendurch setzte er ein paar Mal seine Brille auf und ab.
    Justus ließ die anderen im Vorraum stehen und ging den beiden Männern nach. Von der Tür aus verfolgte er, wie Mr Winston den Bankdirektor zu einem Stehpult am gegenüberliegenden Ende des Raums geleitete und Mr Dimitrios sich sogleich dort zu schaffen machte. Justus ließ einen

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