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Um die Wurst (German Edition)

Um die Wurst (German Edition)

Titel: Um die Wurst (German Edition)
Autoren: Michael Moritz
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EINS
    »Wer macht denn so was?«, fragte Belledin und starrte in das gehäutete Gesicht der Leiche. Das blutrote Fleisch stach sich empfindlich mit dem Gelb der Löwenzahndolden.
    »Professor Hagen«, sagte Dr. Selinger.
    »Was?«
    »Körperwelten, noch nie gehört? Interessante Ausstellung.«
    »Bewahren Sie sich Ihre Scherze für die Toten auf Ihrem Seziertisch auf. Ich finde keinen Geschmack daran.«
    Belledin kannte die Ausstellungen des Präparationskünstlers Hagen von Fotos, das genügte ihm. Er konnte darin keine Ästhetik entdecken. Ein Stück Fleisch, englisch, von Biggi gebraten, schlicht mit Pfeffer und Salz gewürzt, das hatte etwas; alles andere verbuchte er als Effekthascherei.
    Auch hier wollte jemand mit einem widerlichen Effekt auf sich aufmerksam machen. Wieso tötete man einen Menschen nicht einfach, indem man ihm ein Messer ins Herz rammte? Wieso musste man ihm mit einem Schlagbolzenschuss die Stirn eindrücken und ihm anschließend die Gesichtshaut abziehen? Damit er nicht gleich erkannt wurde? Dann hätte der Täter auch die Dokumente des Opfers mitnehmen müssen. So zeigte der Personalausweis, den Belledin in Händen hielt, einen gut aussehenden Mann von fünfunddreißig Jahren.
    »Erik Schwarz, wohnt in Breisach«, las er ab.
    »Wohnte«, sagte Selinger und winkte zwei Sanitätern, die den Toten auf eine Bahre luden und mit ihm davongingen.
    Belledin sah ihnen nach.
    »Wie weit ist es von hier bis zum Schlachthof? Anderthalb Kilometer?«, fragte er.
    »Kommt hin.«
    »Kann ein Mensch von dort unter diesen Umständen bis hierher laufen?«
    »Vom Schlachthof?«
    »Ja. Der sieht doch aus wie tranchiert. Liegt doch nah, oder?«
    »Das schafft keiner. Allein der Bolzenschlag haut einen um. Und wenn er nicht betäubt war, dann haben ihm die Schmerzen der abgezogenen Haut den Kreislauf gekappt.«
    Belledin drehte sich von Selinger weg und passte einen jungen Mann ab, der in einer Plastiktüte Fundstücke am Tatort einsammelte.
    »Irgendwas Auffälliges dabei?«
    »Ist schwer hier. Die Wiese gehört gemäht. Bisher nur üblicher Müll. Pappbecher, Coladosen, ein vergammelter Schuh.«
    »Spuren von Autoreifen?«
    »Fehlanzeige. Nur von dem blauen Toyota am Weg. Dafür Abdrücke von Gummistiefeln in der Nähe des Opfers. Größe fünfundvierzig.«
    »Das ist doch schon mal ein Anfang.«
    Belledin ließ den Spurensicherer weiterarbeiten und sah sich nach seiner neuen Kollegin um. Sie stand am Wegesrand und unterhielt sich mit dem Hundebesitzer, der Erik Schwarz auf seinem Morgenspaziergang gefunden hatte.
    Belledin stapfte auf die beiden zu. Seine hellbraunen Wildlederschuhe trieften vom Morgentau, er fühlte die Nässe durch die Socken kriechen.
    Der Hund knurrte, als Belledin den ersten Schritt aus dem Gras auf den Schotter des Weges setzte. Dann sprang der Köter an ihm hoch. Belledin versetzte ihm einen Schlag gegen den Brustkorb und raunzte:
    »Nehmen Sie das Tier an die Leine oder ich erschieß es!«
    »Der will doch nur spielen«, sagte der Besitzer mit dem lichten Haarschopf und zog den Hund am Halsband zu sich.
    »Aber ich nicht. Ich spiele weder mit Hunden noch Räuber und Gendarm. Das hier ist blutiger Ernst, kapiert?«
    »Schon gut. Mach Platz, Braveheart.«
    »Anleinen, hab ich gesagt!« Belledin verspürte Lust, seine Walther zu zücken. Aber die Autorität seines Wortes musste genügen, er wollte sich vor der neuen Kollegin nicht kleinmachen.
    Der Mann gehorchte und nahm Braveheart an die Leine.
    Belledin sah auf die Gummistiefel des Hundehalters. »Und wie heißen Sie?«, fragte er.
    »Seibert. Horst Seibert. Aber das habe ich Ihrer Kollegin alles schon gesagt.«
    »Welche Schuhgröße haben Sie, Herr Seibert?«
    »Fünfundvierzig.«
    »Perfekt. Abführen.«
    »Was? Aber ich hab ihn doch nur gefunden. Ich würde doch nicht die Polizei anrufen, wenn ich das getan hätte!«
    »Ihrer Töle traue ich zu, dass sie einen Menschen umwirft und ihm dann das Gesicht zerfleischt. So, wie die mich angegangen ist.«
    »Aber das ist doch Unsinn. Braveheart ist ordentlich erzogen. Wir machen sogar Hundeschule.«
    »Haben wir seine Personalien, Frau Stark?«
    Stark nickte.
    »Sie können gehen. Aber vorher sagen Sie mir noch, was Sie heute Nacht getan haben. Und ob das jemand bezeugen kann.«
    »Ich lebe allein. Aber Braveheart hatte eine Kolik. Er hat gejault wie am Spieß. Das können bestimmt einige Nachbarn bezeugen.«
    »Hat einer der Nachbarn angeklingelt?«
    »Nein, die kennen das schon und haben

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