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TS 53: Alle Zeit der Welt, Teil 1

TS 53: Alle Zeit der Welt, Teil 1

Titel: TS 53: Alle Zeit der Welt, Teil 1
Autoren: Henry Kuttner
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vorherwissend als unfehlbar, und Unfehlbarkeit trügt.“ Crowell wirkte leicht gereizt. „Ich bin nicht der liebe Gott. Fangen Sie bloß nicht an, jede Verantwortung von sich abzuschieben, wie die Leute in den Kuppeln das so gern tun. Auch der liebe Gott höchstpersönlich kann die Zukunft nicht ändern und trotzdem noch wissen, was eintreffen wird. Sobald er sich in den Gang der Geschehnisse einschaltet, erweitert er die Gleichung um einen neuen Faktor, der dem Zufall unterliegt.“
    „Aber …“
    „Ein- oder zweimal habe ich trotzdem selber eingegriffen“, fuhr der Logiker fort. „Bei einer Gelegenheit habe ich sogar einen Mann umgebracht, weil ich der Meinung war, daß der Menschheit gar nichts Schlimmeres zustoßen konnte, als daß dieser Kerl am Leben blieb. Wie sich später erwies, hatte ich recht.
    Aber ich schalte mich nur dann ein, wenn es sich nicht vermeiden läßt. Meine Einmischung bildet dann den Zufallsfaktor, und wenn ich subjektiv an der Gleichung beteiligt bin, kann ich sie nicht gleichzeitig objektiv betrachten. Ich bin nicht in der Lage, die Tragweite meines eigenen Handelns vorauszusagen. Begreifen Sie das?“
    „Halb und halb“, entgegnete Hale. „Immerhin haben Sie eingegriffen, wenn es nicht anders ging.“
    „Aber nur dann. Hinterher habe ich regelmäßig versucht, wieder einen Ausgleich zu schaffen. Wenn ich mich einmische, senkt sich die Waagschale nach einer Seite. Ich versuche dann, der anderen Schale einen leichten Stoß zu geben, damit sie wieder ins Gleichgewicht gelangt. Ich weiß, das klingt für Sie nicht allzu einleuchtend. Aber, wie gesagt, ich bin nicht der liebe Gott. Schon ganz und gar nicht der Gott, den man sich in den Kuppeln wünscht. Wenn es nach diesen Leutchen ginge, müßte der liebe Gott herniedersteigen und sie im Rollstuhl durch die Gegend kutschieren.“
    Er seufzte und lehnte seine Hacke an den Tank.
    „Was wollte Reed?“ fragte er. „Vermutlich hat er sich etliche Einfälle ausgedacht. Worin bestehen sie?“
    „Wozu soll ich Ihnen das erzählen?“ knurrte Hale ärgerlich. „Wahrscheinlich wissen Sie ohnehin mehr als ich darüber.“
    Der Logiker versetzte dem Hackenstiel einen leichten Schlag mit der Faust.
    „Nicht direkt. Es gibt einen sehr triftigen Grund, der mich daran hindert, Ihnen meine Kenntnisse mitzuteilen. Vielleicht werde ich Ihnen die Umstände eines Tages erklären. Im Augenblick wäre mir sehr daran gelegen, zu erfahren, was der junge Reed vorhat.“
    „Wir haben uns die Karten angesehen. Sein Besitz erstreckt sich über dreihundert Meilen, die zu einem Drittel aus Meeresküste bestehen. Eine Feste der Freien Trupps stand früher dort am Ufer. Nach Westen ist eine Inselkette der Küste vorgelagert.“
    Gegen seinen Willen redete Hale schneller weiter.
    „Über der neuen Kolonie werden wir keine Kuppel errichten. Die Siedler müssen sich anpassen. Trotzdem brauchen wir Schutz vor dem Tierleben der Dschungel. Diesen Schutz liefert uns das Meer. Jede Insel gibt ein natürliches Sprungbrett ab. Wir säubern eine nach der anderen und nehmen uns dann jeweils die nächste vor.“
    „Hm, hm!“ Der Logiker kratzte sich nachdenklich die Nase. „Und was hindert die Familien, die nächste Kolonie mit den gleichen Mitteln abzuwürgen wie diese?“
    Hale hustete.
    „Das bleibt abzuwarten“, versetzte er.
 
    – ENDE DES ERSTEN TEILS –

 
    Henry Kuttners Roman ist kein bequemes Buch, sondern eine harte und gewalttätige Erzählung. Sie berichtet von dem mühseligen Kampf, mit dem die Menschheit in den Tiefen der Meere des Planeten Venus danach trachtet, von neuern die Sterne zu erreichen.
    Dieser Kampf konzentriert sich um Sam Reed, einen Unsterblichen, den sein geisteskranker Vater nach seiner Geburt verstümmeln ließ. Erst im Alter von achtzig Jahren erkennt er, daß er zu den Unsterblichen zählt. Unbewußt aber betrachtet er von Anfang an alle Geschehnisse unter dem weitläufigen Gesichtswinkel, wie er typisch für die Unsterblichen ist. Der innere Widerstreit, den Sam Reed auszufechten hat, spielt sich zwischen dem angeborenen Empfinden für diese Betrachtungsweise und seinem eigenen Glauben an seine Kurzlebigkeit ab. Er bildet den Kern seines Lebens und. führt zum schließlichen Aufbruch der Menschheit in neue, unbekannte Fernen.
    Rücksichtslosigkeit, Selbstsucht und Gewalttat bestimmen die Entwicklung Sam Reeds – und letztlich auch eine verzerrte Vision von der leuchtenden Zukunft des Menschen, die wie ein Fanal vor seinen

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