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Trinity (German Edition)

Trinity (German Edition)

Titel: Trinity (German Edition)
Autoren: Doug Beason , Kevin J. Anderson
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Prolog
     
    Los Alamos National Laboratory, New Mexico
    Mai
     
Reporter: [Sagen Sie uns] was Sie von dem Vorschlag von Senator Robert Kennedy halten, dass Präsident Johnson Gespräche einleiten soll, die das Ziel haben, die Ausbreitung von Nuklearwaffen zu verhindern.
J. Robert Oppenheimer: Dafür ist es heute zwanzig Jahre zu spät. Man hätte das am Tag nach Trinity tun sollen.
     
    Weltbewegende Ideen waren in den Bergen im Norden New Mexicos an der Tagesordnung.
    Ein halbes Jahrhundert früher, beim Beginn des Zweiten Weltkriegs, hatte es nichts als Wildnis gegeben, und nur ein paar Rancher und einige wenige unentwegte Urlauber störten damals die friedliche Einsamkeit. Der perfekte Ort also, um dort ein geheimes Forschungslabor für die Entwicklung der ersten Atombombe zu errichten.
    Heute hielt Dr. Graham Fox jedes Mal, wenn er den Gebäudekomplex betrat, kurz inne und dankte seinem Schöpfer dafür, dass er vor so vielen Jahren an etwas so Wichtigem und Außergewöhnlichem hatte mitwirken dürfen. Für ihn war Los Alamos immer noch »das Projekt«, obwohl seit der Gründung der Stadt, die inzwischen aus den Wellblechhütten, den provisorischen Militärunterständen und den ungeteerten Straßen entstanden war, fünf Jahrzehnte verstrichen waren. So viel hatte sich seit jener Zeit verändert.
    Fox betrachtete das Geschehen rings um ihn in dem Labor. Seinem Labor, obwohl die Verwaltung ihn nicht mehr viel tun ließ. Seine Hände zitterten dafür zu viel, und seine Bewegungen waren zu langsam geworden. Aber einen der wenigen überlebenden Wissenschaftler des Manhattan-Projekts zu den Mitarbeitern eines Projekts zählen zu können, verlieh einem Experiment immer noch Prestige.
    Ein Techniker in Jeans und Sandalen beugte sich über eine Anordnung von Hochenergiekondensatoren. Er zog mit einem blaulackierten Schraubenschlüssel eine Mutter an. Den ganzen Raum füllten Kondensatoren jeweils von der Größe einer Schuhschachtel, von denen dicke Drähte ausgingen und den Boden wie Spaghetti bedeckten.
    Fox sah den Technikern zu, wie sie wichtig herumrannten. Er konnte das Klappern der Werkzeuge und die gedämpften Unterhaltungen hören, die durch die schiere Größe des Laborraums gedämpft waren, und die Ölschicht auf den Metallteilen, die verschiedenen Dichtungsstoffe und den kalten Betonboden riechen. Die Klimaanlage erzeugte in dem ganzen Raum eine abgestanden klinisch wirkende Kühle.
    Die Stoßrichtung der Forschungsarbeiten in Los Alamos bestimmten schon lange nicht mehr Allerwelts-Kernwaffen. Hunderte Millionen von Dollar dafür auszugeben, um den Schwerpunkt eines Geräts um ein paar Zentimeter zu verändern, machte einfach keinen Sinn – und fand auch im Kongress keine geneigten Ohren. Das Geld floss heute in interessant aufgemachte Forschungsprojekte, die mit beeindruckenden Diashows präsentiert wurden: strategische Verteidigung, pulsierte Energie, exotische Waffen. Fox hatte starke Zweifel daran, dass irgendjemand im Kongress die Konzepte tatsächlich verstand: Aber das Verständnis des Kongresses hatte immer schon weit hinter den Bedürfnissen der Forschung hergehinkt. Und heutzutage verfügten die Wissenschaftler über keinen General Groves mehr, der die Fähigkeit besaß, Ideen mit brutaler Gewalt durch bürokratische Hemmnisse zu prügeln.
    Die Speicher in Fox' Labor bargen lediglich das Äquivalent von fünfundzwanzig Kilo Explosivstoffen. Nicht viel, wenn man es mit einer Kernwaffe verglich. Aber wenn man die Energie dazu einsetzte, magnetisierte Ringe von Xenonplasma durch eine kompakte Ringkernspule zu treiben, dann näherte sich die Röntgenstrahlintensität durchaus dem Zerstörungspotenzial einer der alten, schmutzigen A-Bomben. Der Art von Waffe, wie Terroristen sie möglicherweise einsetzen würden, die Art Waffe, die Irak, Libyen und Nordkorea immer noch herzustellen versuchten.
    Er wischte sich die Hände an seinem Labormantel ab und schlenderte zu einer der Kondensatoranordnungen, um die Verdrahtung zu kontrollieren. Ein bärtiger Techniker blickte auf, als er ihn kommen sah. »Seien Sie vorsichtig, Dr. Fox. Die Box fängt an, heiß zu werden. Wir bereiten uns auf den Rauchtest vor.«
    »Den Rauchtest, right-o!«, nickte Fox. Seinen britischen Akzent hatte er sich in all den Jahren bewahrt.
    Als Physiker bedeuteten ihm die komplizierten elektronischen Überwachungssysteme, die die Techniker so liebten, wenig. Er zog den altmodischen »Rauchtest« immer noch den überkandidelten

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