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Totenbeschwörung

Totenbeschwörung

Titel: Totenbeschwörung
Autoren: Brian Lumley
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straften den ansonsten ziemlich unvorteilhaften ersten Eindruck Lügen, einen ausgemergelten Leichenbestatter vor sich zu haben. »Anna!« Er nickte der jungen Frau höflich zu. »Ben?«
    »Siehst du es auch?«, erwiderte Ben auf die doch recht allgemein gehaltene Frage.
    »Wir alle sehen es«, entgegnete Goodly. Seine Stimme klang hoch und etwas schrill, doch daran war nichts Ungewöhnliches. Noch ehe Trask etwas sagen konnte, fuhr Goodly fort: »Ich habe mir gedacht, dass du kommen würdest. Ich habe ihnen gesagt, sie sollen in der Einsatzleitung auf dich warten.«
    »Wie viele sind es denn?«
    Goodly zuckte die Achseln. »Alle im Umkreis von dreißig Meilen.«
    Trask nickte. »Danke, Ian. Ich werde mit ihnen reden. Und du gehst besser wieder auf deinen Posten.«
    Abermals zuckte Goodly die Achseln. »In Ordnung. Aber abgesehen von der Sache hier ist es eine ruhige Nacht. Es passiert nun mal und bald wird es vorüber sein. Dann werden wir schon sehen, was dabei herauskommt.« Langsam wandte er sich ab.
    Trask ergriff ihn am Arm und hielt ihn zurück. »Hast du eine Ahnung, worum es hier geht?«
    Goodly seufzte. »Wie wär’s mit einer ... fundierten Vermutung? Aber ich nehme an, du siehst es dir lieber selber an, bis es zu Ende ist.« Wie alle Wahrsager zögerte er, zu sehr ins Detail zu gehen. Die Zukunft ließ sich nicht leichtfertig vorhersagen.
    Jemand hatte den Fahrstuhl gerufen. Die Türen schlossen sich, und auf der Anzeige sah man, dass es abwärts ging. Als Goodly sich daranmachte, auf seinen Posten zurückzukehren, äußerte Trask ein verspätetes »Stimmt!« und wandte sich dann nach links den Flur entlang in Richtung der Einsatzzentrale. Anna Marie English schlurfte hinter ihm her.
    In der Einsatzzentrale warteten die Kollegen bereits auf sie. Vor dem Podium waren ein paar Stühle weggerückt worden. Dort bildeten elf ESPer, mit dem Gesicht nach innen, einen Kreis. Mit Trask und dem Mädchen waren sie zu dreizehnt. Ein Hexendutzend, dachte Trask humorlos. Mit uns ist der Coven vollständig.
    Als die ESPer den Kreis öffneten und etwas zur Seite traten, um den Nachzüglern Platz zu machen, erkannte Trask, warum sie sich so aufgestellt hatten. Die vereinte Gedankenkraft der ESPer wirkte auf die Erscheinung wie ein Verstärker. Das Hologramm in der Gruppe zu erfahren, hieß, es klarer hervortreten zu lassen und ihm größere Schärfe zu verleihen. Die bislang eher vage mentale Projektion, die Trask als 3-D-Bild vor seinem inneren Auge sah, nahm innerhalb eines Augenblicks direkt vor ihm eine scheinbar körperliche, feste Gestalt an! Allerdings nur scheinbar, denn ganz offensichtlich war das Ganze ja nicht real.
    Der Kreis, den die ESPer bildeten, hatte einen Durchmesser von gut und gerne viereinhalb, fünfeinhalb Metern. Der sich mitten in der Luft wie an einem unsichtbaren Bratspieß rückwärts überschlagende, schwelende Leichnam war von keinem der jeweiligen Betrachter mehr als drei Meter entfernt. Wenn er Substanz gehabt hätte, überhaupt »hier« gewesen wäre, müsste es sich um die Gestalt eines Kindes oder Zwerges handeln. Die Proportionen waren jedoch die eines normalen Erwachsenen. Also musste es sich bei der Erscheinung um so etwas wie ein Hologramm handeln, das sie jedoch aus weit größerer Entfernung betrachteten, als es den Anschein hatte. Es war, als würden sie in eine Kristallkugel blicken. Sie sahen etwas, das sich irgendwo anders abgespielt hatte, möglicherweise noch abspielte. Und mehr denn je kam Trask dieses ... Opfer? ... bekannt vor. Immer stärker wuchs in ihm die Vermutung, dass es sich um eine Szene aus einer anderen Welt handelte, womöglich aus einem anderen Universum.
    Gleich als Trask in den Raum gekommen war, hatte er auf einen Blick registriert, wer die Anwesenden waren. Da war Millicent Cleary, eine hübsche, kleine Telepathin, deren Talent noch nicht ganz ausgereift war. Eines Tages würde sie sich zweifellos zu einer Kapazität entwickeln, aber im Moment war sie noch ziemlich verletzlich – dazu konnten telepathische Kräfte durchaus führen. Trask sah in ihr die kleine Schwester, die er nie gehabt hatte. Dann war da David Chung, ein hoch talentierter Lokalisierer und Seher. Er war klein und drahtig, hatte Schlitzaugen und konnte seine chinesische Abstammung nicht leugnen. Dabei war er von Geburt Brite, Londoner, und dem Dezernat blind ergeben. Das waren sie alle, andernfalls würde der Dienst nicht funktionieren. Chung konnte geheime sowjetische U-Boote orten und

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