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Totenbeschwörung

Totenbeschwörung

Titel: Totenbeschwörung
Autoren: Brian Lumley
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hinüber zur düsteren Vormspitze, hinter deren Fenstern geisterhafte Feuer flackerten. Hin und wieder loderte es aus ihren Kaminen hell auf und Maglore wusste, dass auch Vormulac auf einem seiner Balkone stand und sich die Parade ansah. Der Seher-Lord freute sich für Vormulac Ohneschlaf, darüber, dass dieser mit seiner Streitmacht bald ins Unbekannte aufbrechen würde, neuen Eroberungen und neuem Ruhm entgegen. Ja, Maglore genoss den Gedanken geradezu, weit mehr als Vormulac selbst ... allerdings aus gänzlich anderen Gründen.
    Rings um den Rand der Schlucht zogen Tausende von Kreaturen, die Vormulacs Befehl unterstanden – Männer, Krieger und Flieger –, ihre gewaltigen Kreise und Maglore neigte jedes Mal lächelnd das Haupt, wenn er die unterschiedlichen Standarten, Wappen und Wimpel erkannte, die im von den Ausdünstungen aus den Stoßdüsen der Krieger verpesteten Wind flatterten: »der Gehängte«, Vormulacs Wappen; Lord Grigor Haksohns »stehender Stab«; »die Schädellarve« Devetakis, »die jungfräuliche Dame« von Maskenstatt; Eran Schmerzensschrunds »Stachelhandschuh«, Zindevar Greisentods »Eber am Spieß« (eigentlich ein Mann am Spieß ... bis hin zum Apfel im Mund!) und zahllose andere. Jedes Kontingent wurde, fein säuberlich in Reih und Glied und in respektvollem Abstand zur nächsten voraus oder an der Flanke fliegenden Schwadron, von seinem Gebieter respektive seiner Gebieterin angeführt. Stolz wehten ihre Banner über ihnen. Auf Hochglanz poliertes Leder, prunkvoller Zierrat und eisenbesetztes Zaumzeug glänzten um die Wette. Das Getöse der Gongs aus den Stätten und Türmen ringsum wollte nicht enden. Trommeln wurden geschlagen, goldene Hörner schmetterten und über all dem das brüllende Spucken und Wummern aus den Stoßdüsen der Krieger ...
    Eine einzige Pracht, und der Seher-Lord hoffte, dass Vormulac das Schauspiel genoss. Maglore jedoch konnte es kaum erwarten, bis es vorüber war und sie endlich aufbrachen. Denn hatten sie die Schlucht von Turgosheim erst einmal hinter sich gelassen, würde es kein Zurück mehr geben. Keiner von ihnen würde Turgosheim je wiedersehen. Dafür würde Maglore schon sorgen!
    Ach, doch diese Gedanken musste er für sich behalten, zumindest noch eine kleine Weile! Vormulac mochte zwar mächtig und gefährlich sein, aber er war nicht der Einzige, der von seinem eigenen Großreich träumte. Wenn es nach Maglore ging, war klar, wem dies zustand ...
    In der Saugspitze schreckte der junge Lord Nestor Leichenscheu von den Wamphyri mit einem Aufschrei aus dem Schlaf. Er war schweißgebadet und sein Albtraum stand ihm noch deutlich vor Augen. Selbst ein Lord der Wamphyri, und obendrein noch ein Nekromant, vermochte im Traum Angst zu empfinden. Dies war keineswegs eine Seltenheit: Alle Menschen hatten nun einmal Albträume und Vampire stellten da keine Ausnahme dar. Denn ein Mann mochte mit den Jahren zwar zum Ungeheuer werden, aber die Ängste seiner Kindheit schlummerten weiter in ihm, bis sie eines Tages wieder durchbrachen und in seinen Träumen Gestalt annahmen, um ihn aufs Neue zu quälen. Doch ... was war Nestor anders als ein junger Mann, selbst jetzt noch? Seine Kindheitsängste hatten kaum die Zeit gefunden, mit ihm zu wachsen, und die Schrecknisse seiner Jugend waren längst vergessen – wie überhaupt alles, was mit seiner Vergangenheit zusammenhing. Nun ja, das Meiste jedenfalls ...
    Doch in diesem Traum ging es um weniger weit Zurückliegendes. Er hatte ihn schon mehrmals geträumt – zu oft! Seit jener katastrophalen Nacht auf der Sonnseite suchte ihn dieser Traum immer wieder heim und versetzte ihn in Angst und Schrecken. Jedes Mal erwachte er völlig aufgewühlt und voller böser Vorahnungen. Und allesamt bezogen sie sich auf seinen körperlichen ... nun ja, Verfall?
    Natürlich mochte es daran liegen, dass er zu viel gegessen oder getrunken hatte; auf seinem Kopfkissen zum Beispiel, auf dem bis vor Kurzem noch eine Sklavin, die er schließlich wegschickte, gelegen hatte, waren frische Blutflecken zu sehen. Oder vielleicht hatte er auch falsch gelegen; möglicherweise war ihm deshalb der Arm eingeschlafen. Was auch immer, der Traum – oder die Vorahnung? – war der Grund dafür, dass er all ihrer Hitze zum Trotz nicht mehr in Wrathas Bett schlief. Es verhielt sich keineswegs so, dass er sie fürchtete. Nein, er fürchtete vielmehr um sie ...
    Er stand auf und lief unruhig auf und ab. Sein Arm prickelte noch immer. Der linke Arm und die

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