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Tote reden nicht - Gyllander, V: Tote reden nicht - Det som vilar pa botten

Tote reden nicht - Gyllander, V: Tote reden nicht - Det som vilar pa botten

Titel: Tote reden nicht - Gyllander, V: Tote reden nicht - Det som vilar pa botten
Autoren: Varg Gyllander
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G reger Minos war auf seine gerade und nicht ganz so weit wie bei vielen seiner Verwandten hervorspringende Nase stolz gewesen.
    Jetzt war nicht mehr viel von ihr übrig.
    Der Fisch, der an seiner Nase herumkaute, war etwas größer als eine Handfläche. Sein Maul bewegte sich. Die herabhängenden Mundwinkel verliehen ihm ein säuerliches Aussehen. Seine Artgenossen, die ebenfalls fieberhaft an dem unerwarteten Festmahl nagten, wirkten genauso griesgrämig.
    Dann füllte sich das letzte Luftkämmerchen in dem maßgeschneiderten Anzug mit Wasser, und Greger Minos sank langsam mit dem augenlosen Gesicht voran in die Tiefe. Er traf mit den Knien auf dem Grund auf und blieb vornübergebeugt stehen, als betete er.
    Die Fische hatten Augen, Augenbrauen und Wangen verspeist und widmeten sich jetzt ganz und gar der Nase. Der Serrasalmo piraya, besser bekannt als Piranha, riss die Haut mit seinen scharfen Zähnen vom Knorpel und schlug sich mit den anderen um jeden Bissen, obwohl es Nahrung im Überfluss gab. Der Schädelknochen war hier und da bereits freigelegt, und von dem Profil, das Greger selbst als klassisch schön zu bezeichnen pflegte, war nicht mehr viel übrig.
    Dieses hektische Gewimmel wühlte das Wasser auf. Ein Kaiman, der am Ufer döste, öffnete seine gelben Augen, schloss sie jedoch rasch wieder und schlief weiter.
    Das Sonnenlicht, das durch die dichte Vegetation fiel, verschwand rasch und wich glänzendem Mondlicht, das sich wie eine dünne Schicht Silber auf den großen, grünen Blättern spiegelte. Ein dumpfes Donnern aus der Ferne schwoll an, und wenig später peitschte ein harter Regen auf die Wasserfläche.
    Blitze erleuchteten den kleinen Teich. Die Luft roch faulig und nach Chlorophyll und wurde durch das vorüberziehende Unwetter kaum aufgefrischt.
    Genauso schnell, wie das Gewitter gekommen war, war es vorbei, und innerhalb weniger Sekunden verwandelte sich die Gewitternacht wieder in Tag. Ein Geräuschteppich aus Vogelgezwitscher legte sich über den Tümpel.
    Die Fische hatten den raschen Wetterumschlag nicht bemerkt, sondern kauten weiter, als wäre dies ihre letzte Mahlzeit.
    Mercedes Nunes bog eine kräftige Bougainvillea zur Seite. Sie sah sich im Dunkeln um und atmete die feuchte, modrige Luft ein. Erinnerungen an ihre Kindheit erwachten. Es war jedoch lange her, dass sie das Dorf am Amazonasufer verlassen hatte. Nicht einmal dieser Dschungel konnte das Gefühl vertreiben, dass ihr das Leben einen Streich gespielt hatte. Oder ungerecht gewesen war. Es war überhaupt nicht so verlaufen, wie sie gehofft hatte. Es war zwar besser, sich in sicherem Abstand von dem Dorf zu befinden, in dem sie zur Welt gekommen war, statt in ständigem Schrecken vor den Launen des Militärs zu leben, aber dort hatte sie zumindest gelebt. So richtig. Selbst mit viel gutem Willen konnte man das, was sie jetzt hatte, nicht als Leben bezeichnen.
    Mercedes tauchte den Putzlappen in den Eimer, den sie mitgebracht hatte, wrang ihn aus und ging zögernd über die wacklige Hängebrücke.
    Der Kaiman regte sich wieder an seinem Plätzchen und drehte seinen platten, rauen Kopf in Richtung des Geräuschs. Seine gelben Augen betrachteten den Menschen auf der Brücke.
    »Guten Morgen, Igor.« Der Kaiman reagierte nicht auf den Gruß, sondern ließ seinen Kopf wieder auf die Erde sinken.
    Mercedes Nunes wickelte langsam und methodisch den Putzlappen um den Schrubber. Etwas lag dort schräg unter der Brücke im Tümpel. Das Wasser schäumte aufgrund der regen Tätigkeit der Fische. Sie kniff die Augen zusammen, atmete tief ein und betrachtete eine Weile das nasse Kleiderbündel. Dann legte sie den Schrubber beiseite und verließ eilig den Dschungel.

U lf Holtz legte die Gabel beiseite, kaute langsam, schluckte und verzog das Gesicht. Er trank einen großen Schluck Wasser aus dem Glas vor sich und versuchte erfolglos, den Geschmack hinunterzuspülen. Die drei übrigen Wurstscheiben lagen wie ein höhnisch lächelnder Mund im Halbkreis auf seinem Teller. Holtz lächelte nicht. Die Wurst schmeckte säuerlich, und er fragte sich, ob sie alt war oder ob es sich um ein ihm unbekanntes Gewürz handelte. Er kam zu dem Schluss, es müsse sich um das Gewürz handeln. Drei Scheiben hatte er runtergekriegt, aber dann war Schluss. Die kleisterähnliche Masse, Makkaroni in Mehlschwitze, hatte er gar nicht erst probiert.
    Das Restaurant war fast leer. Es war kurz vor halb drei, und er sah, wie die Kellnerin, die ihm eine Viertelstunde zuvor

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