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Total verschossen

Total verschossen

Titel: Total verschossen
Autoren: Janet Evanovich
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polierte wütend ihre 38er.
    »Bitte nennen Sie mich doch Destiny«, bat die Dame. Sie setzte sich auf einen der Stühle vor Jamies Schreibtisch. »Tut mir Leid, dass ich so aus heiterem Himmel auftauche, aber ich hatte das Gefühl, Sie würden bald zu einer Entscheidung gelangen, und ich wollte die Erste sein, die sich vorstellt.«
    Jamie sagte nichts dazu.
    »Sie haben doch überlegt, ob Sie nicht eine Ratgeberkolumne starten sollen, nicht wahr?« Plötzlich schlug sich die Frau mit der flachen Hand an die Stirn. »O Mann, ich hoffe, ich bin nicht am falschen Ort gelandet.«
    »Am falschen Ort?« Jamie merkte, dass sie ziemlich oft wiederholte, was die Frau sagte.
    Destiny holte ein kleines Notizbuch aus der Handtasche und blätterte darin herum.
    »Ihr zweiter Name ist doch Leigh, nicht wahr?«
    Jamie nickte. »Ja, das war der Name meiner Mutter.« Warum hatte sie das gesagt? Zu dieser vollkommen Fremden, die sie wahrscheinlich nie wiedersehen würde?
    »Ja, ich weiß Bescheid über Ihre Mutter. Sie hat Sie verlassen, als Sie noch in den Windeln lagen.«
    Jamie hob eine Braue. »Entschuldigen Sie bitte, aber was soll das alles?«
    Destiny blickte auf. »Tut mir Leid. Ich hätte das mit Ihrer Mutter nicht sagen sollen. Ich weiß, es ist für Sie manchmal immer noch schmerzlich.«
    »Was wissen Sie sonst noch?«
    »Hängt bei Ihnen im Garten nicht ein alter Reifen, in dem Sie immer schaukelten?«
    Jamie schnippte mit den Fingern. »Ich hab‘s. Sie sind eine Privatdetektivin, stimmt‘s? Wer hat Sie angeheuert und aus welchem Grund?«
    »Nein, bin ich nicht. Bitte beantworten Sie mir nur noch diese eine Frage: Haben Sie nicht immer eine Dove-Seife in Ihrer Unterwäscheschublade?«
    Jamie spürte, dass sie blass wurde. »Wer sind Sie? Woher wissen Sie das mit der Seife?«
    »Ich weiß es einfach.«
    Jamie blickte die Frau durchdringend an. Sie war nicht nur verblüfft, sie wurde allmählich auch zornig. »Erzählen Sie mir mehr davon.«
    »Sind Sie sicher?« Als Jamie nickte, fuhr die geheimnisvolle Frau fort. »Der Duft erinnert Sie an Ihre Mutter, auch wenn Sie sich sonst an kaum etwas erinnern.«
    Jamie spürte, dass sie eine Gänsehaut bekam. Sie schwieg einen Moment lang. »Ich frage Sie noch einmal: Woher wissen Sie das?«
    Die Frau seufzte. »Ich bin übersinnlich veranlagt.« Jamie verdrehte die Augen. »Was soll das heißen?
    »Ich habe Visionen, und meistens liege ich richtig, außer wenn ich ziemlich unter Stress stehe, dann irre ich mich schon mal. Aber ich liege öfter richtig als falsch.«
    Jamie seufzte. Dieser Vormittag ließ sich ja gut an. Zuerst Vera mit ihren Brownies und jetzt auch noch diese Frau, die behauptete, übersinnlich zu sein. Und sie hatte weder für das eine noch für das andere Zeit, da sie zusehen musste, dass die Zeitung rechtzeitig herauskam. »Miss Moultrie, äh, Destiny -«
    »Aber ich bemühe mich, immer besser zu werden«, unterbrach Destiny. »Ich übe jeden Abend.« Sie hielt inne. »Sie glauben nicht an übersinnliche Dinge, stimmt‘s?«
    »Nicht unbedingt.«
    »Sehen Sie, das wusste ich.« Die Frau leckte ihre Fingerspitze und machte ein Häkchen in die Luft, als würde das ihre Vermutung bestätigen. Ringe mit fetten Türkisen glänzten an jedem einzelnen Finger, und an ihren Handgelenken klirrten zahlreiche Armbänder. »Zugegeben, es gibt jede Menge Schwindler. Manche behaupten, dass sie immer Recht haben. Aber so was ist unmöglich.«
    »Ich war nicht auf der Suche nach jemandem mit, äh, übersinnlichen Fähigkeiten. Bloß eine ganze normale Kummerkastentante.« Mist. Jetzt hatte sie es zugegeben.
    »Sie haben doch schon ›Liebe Abby‹.«
    »Diese Spalte war eigentlich nur für den Lokal teil vorgesehen. Als Ergänzung zu -«
    »Ihrer neuen Kontaktanzeigenseite«, sagte Destiny. »Aber meinen Sie nicht, dass die Leute von jemandem mit übersinnlichen Fähigkeiten mehr beeindruckt wären? Und ich hätte auch schon den perfekten Titel für die Spalte: ›Rat schlage von der Liebesgöttin‹.« Sie holte einen Umschlag heraus und reichte ihn Jamie. »Warum schauen Sie sich nicht einfach meinen Lebenslauf an und überlegen es sich. Ich könnte ohnehin erst in ein, zwei Tagen anfangen, weil ich gerade erst hierher gezogen bin und erst noch auspacken muss. Aber das dauert nicht lange, ich trage nie viel mit mir herum.«
    Jamie rutschte unbehaglich auf ihrem Stuhl hin und her. »Warum ausgerechnet Beaumont, South Carolina?«, wollte sie wissen. »Diese Stadt ist nicht

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