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Tödliches Orakel

Tödliches Orakel

Titel: Tödliches Orakel
Autoren: Tina Sabalat
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glauben, dass Sie das können, sind Sie verrückt.«
    Ich lächelte wieder. Allerdings nicht besonders freundlich.
    »Ich habe gesehen und gesagt, was passieren wird. Akzeptieren Sie diese Antwort, Sie werden keine andere bekommen.«
    Sam schnaubte. »Deswegen bleiben Sie lieber da drin, oder? Das macht das Lügen leichter.«
    »Ja, genau«, gab ich zurück. »Ich kann besser lügen, wenn eine hochauflösende Kamera auf mein Gesicht gerichtet ist und Sie jedes Zwinkern auf 26 Zoll bewundern können.«
    Sam machte seine müden Augen schmal, ich blieb ungerührt.
    »Wer hat Ihnen die Gebühr bezahlt? Die Zehntausend?«
    Ah, endlich eine sinnvolle Frage.
    »Das muss ich nachschauen, Moment.« Ich rief das Eingangskonto auf. »Das Geld kommt von einem Konto in Liechtenstein. Bankhaus Tobel«, sagte ich. »Ein Name ist nicht angegeben, Verwendungszweck 'Sitzung', mit dem heutigen Datum. Mit diesem Betreff lasse ich alle Überweisungen machen, damit ich sie zuordnen kann. Möchten Sie die Kontonummer?«
    Sam bejahte, ich las die ewig lange Ziffernfolge zweimal vor, er notierte sie sich in einem kleinen Heft, das er aus der Hosentasche gezogen hatte. Ich sah kein Problem darin, ihm dies zu verraten, das Geld gehörte schließlich zu seinem Termin.
    »Wann wurde die Summe bezahlt?«, fragte Sam, ich gab ihm auch diese Information: drei Tage, nachdem der Termin ausgemacht worden war. Diese Schnelligkeit war üblich, auch wenn der Termin noch Monate hin war. Dahinter steckte zumeist die Hoffnung des Kunden, dass die Sitzung nicht wieder abgesagt werden würde, wenn sie schon bezahlt worden war.
    »Und wann wurde der Termin ausgemacht?«
    Ich nannte ein Datum vor etwa fünf Monaten.
    »Wie? Telefonisch, E-Mail, Brief?«
    »Per Telefon.«
    »Wer hat angerufen?«
    Ich hatte das Gefühl, dass Sam schon öfter Interviews oder Verhöre geführt hatte, denn seine Fragen kamen schnell und präzise. Bei dieser musste ich allerdings passen.
    »Frau Berger nimmt die Anrufe entgegen, und zu diesem hat sie keinen Namen notiert. Also wurde keiner genannt. Es war ein Mann mit starkem Akzent, aber Deutsch sprechend. Mehr muss ich nicht wissen.«
    »Und sie hat sich nicht gewundert? Über den anonymen Anruf?«
    Ich schüttelte den Kopf. »Nein. Der Anruf war genauso, wie alle Anrufe hier sind. Ich lege keinen Wert darauf, die wahre Identität meiner Kunden zu kennen. Das schützt sie, und es schützt mich.«
    Ich hätte Sam noch sagen können, dass es scheinbar sogar ein angenehmes Telefonat gewesen war, denn Frau Berger vergab drei Symbole, wenn Sie mir einen Termin mit einem neuen Kunden eintrug. Ein Minus für Leute, die eventuell schwierig sein konnten, die jammerten, einen früheren Termin wollten, die Gebühr zu hoch fanden. Neutrale Anrufe bekamen eine Null, freundliche Stimmen ein Plus. Sams Anrufer hatte ein Plus bekommen, den Vermerk 'Sprache: Deutsch' sowie den Hinweis auf den teilweise schwer verständlichen Akzent. Ich hätte das sagen können, aber ich unterließ es – ich war hier, um die von Sam gestellten Fragen zu beantworten, nicht mehr und nicht weniger.
    »Und Sie haben mir nur erzählt, was Sie gesehen haben. Ohne, dass Ihnen dieser Anrufer oder sonst jemand ein kleines Drehbuch gegeben hat.«
    »Korrekt.«
    »Danke.«
    Sam stand auf und steckte sein Notizbuch weg. Ich war verblüfft.
    »Sie wollen gehen?«, fragte ich, warf einen Blick auf den Countdown. »Sie haben noch 20 Minuten.«
    »Und was sollten die mir bringen?«
    »Nun, Sie könnten Fragen stellen.«
    »Das habe ich getan.«
    »Die richtigen Fragen«, präzisierte ich, Sam runzelte die Stirn.
    »Ich habe die richtigen Fragen gestellt«, beharrte er, ich schüttelte den Kopf.
    »Nein, haben Sie nicht. Es sei denn, Sie gehen immer noch davon aus, dass sich jemand einen Spaß mit Ihnen macht. Überlegen Sie sich, was für Fragen Sie stellen würden, wenn Sie überzeugt wären, dass ich die Wahrheit sage. Und zwar jetzt.«
    Weil ich in Spendierlaune war, hielt ich die Uhr an, auf der Sams Zeit tickte. Sam sah auf das Sofa, auf den Monitor, auf die Tür zu meinem Zimmer – dann ging er. Die Tür zum Flur ließ er offen, die Haustür warf er wütend zu, und als ich aus meinem Zimmerchen kam, stand Kasimir hinter der Haustür. Er drückte seine feuchte Nase gegen das Glas und blickte Sam betrübt hinterher, als wäre der sein Herrchen, das allein auf den versprochenen Spaziergang gegangen war.
    Ich kraulte Kasimir seine weichen Dackel-Schlappohren.
    »Der kommt

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