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Todessymphonie (German Edition)

Todessymphonie (German Edition)

Titel: Todessymphonie (German Edition)
Autoren: J.t. Ellison
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1. KAPITEL
    Gavin Adler zuckte zusammen, als ein kurzer Ton aus seinem Computer erklang. Er schaute überrascht auf die Uhr; es war schon sechs Uhr abends. Während der Wintermonate erinnerte ihn die einsetzende Dunkelheit daran, dass es an der Zeit war, den Laden zu schließen, aber nach der Umstellung auf Sommerzeit musste er sich einen Wecker stellen, um daran erinnert zu werden. Ansonsten würde er sich in seinem Computer verlieren und nie nach Hause gehen.
    Er stand von seinem Stuhl auf, reckte sich, fuhr den Computer herunter und griff nach seiner Kuriertasche. Was für ein Tag. Was für ein langer und glorreicher Tag.
    Er nahm seinen Abfall mit, die Überreste seines Mittagessens. Es gab keinen Grund, die Bananenschalen über Nacht im Papierkorb zu lassen. Er machte das Licht aus, schloss die Tür ab, warf den Plastikmüllbeutel in die Mülltonne und machte sich auf den Weg zu dem zwei Straßenecken entfernt liegenden Parkplatz. Sein weißer Prius war eines von wenigen Autos, die dort noch standen.
    Auf dem Weg aus der Stadt heraus hörte Gavin Musik auf seinem iPod. Wie immer war viel los auf den Straßen, und so kroch er geduldig durchs West End, nahm dann die Ausfahrt zur I-40 und fuhr langsam weiter Richtung Memphis. Hinter der White Bridge klarte der Verkehr auf und er kam gut durch. Die Fahrt dauerte zweiundzwanzig Minuten, er hatte es gestoppt. Nicht schlecht.
    Er verließ den Highway an der McCrory Lane und ging in sein Fitnessstudio. Das YMCA war voll wie immer. Er checkte ein, zog sich in der Umkleidekabine um, rannte fünfundvierzig Minuten, ging danach zwanzig Minuten auf den Stepper, machte einhundert Sit-ups und legte zum Ende noch zehn Minuten Schattenboxen drauf. Dann trocknete er sich ab. Er nahm seine Kuriertasche, ließ die Sportschuhe im Spind und schlüpfte wieder in seine orangefarbenen Crocs, die er schon den ganzen Tag getragen hatte. Er ließ seine Trainingsklamotten an – sie würden zu Hause direkt in die Waschmaschine gehen.
    Er ging über die Straße zu Publix, kaufte ein Hähnchen-Cordon bleu und eine Fertigmischung für Kartoffelpüree, eine Packung herzhafte Buttermilchbiskuits, frische Bananen und Katzenfutter. Mit seinen Einkäufen kehrte er zu seinem Auto zurück und fuhr indie Nacht hinaus. Er hatte keine Menschenseele gesehen. Seine Gedanken waren ganz mit dem beschäftigt, was zu Hause auf ihn wartete.
    Dunkel. Einsam. Leer.
    Gavin fuhr um Punkt 20:30 Uhr vor dem im Ranchstil gebauten Haus vor. Sein Kater, ein grauer Burmese namens Art, empfing ihn an der Tür und beklagte laut seinen leeren Napf. Bevor er irgendetwas anderes tat, gab er als kleines Schmankerl ein paar Löffel Nassfutter in die Futterschüssel, also kein Grund für Art, übellaunig zu sein. Der Kater fraß mit steil hochgestrecktem Schwanz und schnurrte und knurrte dabei leise.
    Gavin schaltete die Stereoanlage ein, und Dvořák erfüllte das Wohnzimmer. Einen Moment lang ließ er die Musik über sich hinwegrauschen, sein rechter Arm bewegte sich im Gleichklang mit dem Bass. Die Musik erfüllte ihn, machte ihn vollständig und ganz. Art kam und stellte sich neben ihn, schlang seinen Schwanz um Gavins Bein. Er lächelte ob der Unterbrechung und kratzte den Kater hinter den Ohren. Art bog vor Vergnügen seinen Rücken durch.
    Nachdem er das abendliche Ritual absolviert hatte, stellte Gavin den Ofen an, sprenkelte etwas Olivenöl in eine Glasform, legte das Hühnchen darauf und ließ es fünfundvierzig Minuten backen.
    In der Zwischenzeit duschte er, schaute auf dem iPhone nach seinen E-Mails und aß dann. Er ließ sich Zeit. Das Hühnchen war heute Abend besonders gut. Dazu trank er ein eiskaltes Corona Light direkt aus der Flasche, in deren Hals er eine Zitronenspalte gesteckt hatte.
    Er spülte das Geschirr ab. Es war jetzt 22:00 Uhr. Er gab sich selbst die Erlaubnis. Er war ein sehr guter Junge gewesen.
    Das Vorhängeschloss an der Tür zum Keller glänzte vor Versprechungen und Schmierfett. Er steckte den Schlüssel hinein und hielt ihn beim Drehen fest, damit er nicht klapperte. Er nahm das Schloss mit sich, wobei er achtgab, mit dem Öl nicht an seine Kleidung zu kommen, denn die Flecken gingen nie wieder heraus. Er schaute sich um, dass Art nicht in der Nähe war. Er mochte es nicht, wenn der Kater in den Keller ging. Doch er sah ihn auf dem Küchentisch sitzen und sehnsüchtig auf den Platz starren, auf dem eben noch Gavins Teller gestanden hatte.
    Hinter der Tür führten die Stufen in totale

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