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Todesnetz: Tannenbergs zwölfter Fall (German Edition)

Todesnetz: Tannenbergs zwölfter Fall (German Edition)

Titel: Todesnetz: Tannenbergs zwölfter Fall (German Edition)
Autoren: Bernd Franzinger
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1
     
    Einige Tage vorher
     
    Familie Tannenberg war auf dem Weg
zum Dürkheimer Wurstmarkt.
    »Ach, Marieke,
ich bin ja so froh, dass du schwanger bist«, stieß Wolfram Tannenberg begeistert
aus. »Das ist wirklich herrlich, fantastisch – einfach wunderbar!«
    Seine Nichte
lächelte in den Rückspiegel. »Schön, dass du dich über meinen dicken Bauch so wahnsinnig
freust.«
    »Vor allem
freue ich mich darüber, dass wir nicht in einem versifften Zug oder Reisebus zum
Wurstmarkt fahren müssen.« Tannenberg grinste breit. »Schwangere dürfen ja bekanntlich
keinen Alkohol trinken.«
    »Also daher
weht der Wind«, sagte Marieke und schüttelte schmunzelnd den Kopf.
    Dr. Schönthaler
legte der Fahrerin eine Hand auf die Schulter. »Mach dir nichts draus. Du weißt
doch, dass dein Onkel den Charme einer Kettensäge besitzt.«
    Marieke
nickte und seufzte tief. »Ja, das ist mir durchaus bekannt. Deshalb verstehe ich
auch überhaupt nicht, weshalb solch eine tolle Frau wie Johanna dieses Scheusal
nicht schon längst in die Wüste geschickt hat.«
    »In der
Pfalz gibt es keine Wüste«, knurrte Tannenberg.
    »Korrigiere«,
grinste Marieke: »Wieso sie dich nicht schon längst verlassen hat.«
    »Aber das
hat sie doch. Schließlich ist sie freiwillig nach Hamburg zu diesem Historikerkongress
abgedüst«, tönte Heiner, der auf der Rückbank seines Vans zwischen dem Rechtsmediziner
und seinem Bruder eingeklemmt war. »Dort werden ihr bestimmt Dutzende junger, attraktiver,
kultivierter und charmanter Männer den Hof machen.«
    »Ja, mein
liebes Wölfchen, stell dir doch mal bildlich vor, welche fleischlichen Verlockungen
Hanne im Wellnessbereich ihres Hotels geboten bekommt«, frotzelte Dr. Schönthaler.
Er senkte die Tonlage seiner Stimme und schwärmte: »Gut aussehende, gut gelaunte
und gut gebaute Männer mit Astralkörpern und Waschbrettbäuchen. Nicht wie zu Hause
in der Beethovenstraße ein altes Wrack mit chronisch schlechter Laune, ekligen Krampfadern,
tiefen Falten, schlaffem Hintern und schwabbelndem Waschbärbauch.«
    »Es reicht,
Rainer«, schimpfte Tannenberg. »Hiermit ist es dir wieder einmal gelungen, mir die
Stimmung zu vermiesen.«
    »Jedem so,
wie er’s verdient«, konterte sein Freund.
    »Ruf doch
Hanne einfach an und sag ihr etwas Nettes, vielleicht kannst du damit gerade noch
verhindern, dass sie sich von irgendeinem Adonis angraben lässt«, schlug Max, Mariekes
Ehemann, in dieselbe Kerbe.
    Tannenberg
ächzte wie eine alte Dampflokomotive. »Wenn man solch eine Familie …«, ein scharfer
Seitenblick auf den Pathologen, »und Freunde hat, braucht man wirklich keine Feinde
mehr.«
    »Nicht den
Plural gebrauchen, Wolf«, erwiderte Dr. Schönthaler.
    »He?«, fragte
sein Freund mit geschürzten Lippen.
    »In deinem
Falle reicht der Singular bei Weitem aus: Freund statt Freunde. Außer deiner bemitleidenswerten
Familie bin ich ja wohl der einzige Mensch weit und breit, der dir immer noch die
Stange hält, oder?«
    Wolfram
Tannenberg grunzte wie der alte Keiler im Betzenberger Wildpark. Er spreizte die
Finger und streckte sie in die Höhe. »Ich habe mindestens fünf sehr gute Freunde«,
behauptete er.
    »Und wem
bitte schön sollte diese höchst zweifelhafte Ehre zuteilwerden?«, spottete der Rechtsmediziner.
»Namen bitte.«
    »Die kannst
du haben. Sie heißen: Rainer …«
    »Na, so
weit waren wir ja schon.«
    »Die anderen
heißen: Rainer, Rainer, Rainer, Rainer.«
    »Sag ich
doch, du monogamer, kontaktgestörter einsamer Wolf.«
    »Wenn ich
die Herren kurz unterbrechen dürfte«, mischte sich Marieke ein. »Zur allseitigen
Information: Wir haben gerade das Ortsschild von Bad Dürkheim passiert. Wo soll
ich denn hier parken? Die Straßen sind doch jetzt schon verstopft.«
    »Fahr weiter
bis zum Festplatz«, forderte Tannenberg. »Die Kollegen haben eine Präsenzwache eingerichtet.
Direkt davor dürfen wir unser Auto abstellen.«
    Marieke
reagierte skeptisch. »Bist du dir da sicher?«
    »Klar, die
Erlaubnis hab ich mir gestern höchstpersönlich beim Dürkheimer Polizeichef eingeholt.
Im Gegensatz zu diesem unsympathischen Leichenschinder neben mir ist der liebe Eugen
nämlich ein richtig netter Kerl.«
    »Ach, der
liebe Eugen«, wiederholte Dr. Schönthaler mit angespitzten Lippen. »Das ist ja so
ein schnuckeliges Kerlchen.«
    Tannenberg
huschte ein süffisantes Lächeln übers Gesicht. »Weiß du, Marieke, ich habe nur einen
einzigen Satz gebraucht, um ihn von der Brisanz unserer Notlage zu

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