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Tochter des Drachen

Tochter des Drachen

Titel: Tochter des Drachen
Autoren: Ilsa J.Bick
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Prolog
    Devil's Rock
    Präfektur VII, Republik der Sphäre 14. Februar 3134
    Sieben Uhr abends und in Faust City goss es immer noch wie aus Kübeln: ein eisiger Regen, beinahe ein Schneeregen von der Art, die sich wie Nadeln in die Haut gräbt und wie Feuer brennt. Die Art eines Regens, bei dem ein Mann betet, dass er so schnell wie möglich eine billige Kaschemme finden möge, mit beschlagenen Fensterscheiben und gelangweilten Frauen mit Hängebrüsten und fahler Haut, um die sich wie ein Schleier der blaue Zigarettendunst legt. Eine Kaschemme, in der er sich ein paar Gläser billigen Fusel hinter die Binde kippen kann, der ihm die Kehle versengt und im Magen wie Napalm explodiert. Eine Kaschemme also wie das >Luzifers<.
    C saß an einem kleinen runden Tisch in der hintersten linken Ecke, hinter einer Säule versteckt, tief im Schatten. Wer auch immer hinüberschaute, er sah nichts weiter als eine Silhouette. Aber es schaute eben niemand, denn alle waren viel zu beschäftigt damit, sich zu besaufen, zu bekiffen oder was aufzureißen. Möglicherweise auch alles zusammen. C jedoch nicht. Er hatte gute Sicht auf die Theke und auch auf die Toilette, die einen kurzen Gang hinab zu seiner Rechten lag. Er hatte eine grundlegende Wahrheit erkannt: Man kaufte kein Bier, man mietete es nur. Abgesehen von Besoffenen, die vorbeischwankten, um eine Stange Wasser in die Ecke zu stellen, kam niemand in diesen W ink el des Universums. Das war auch gut so, denn C hatte vor, jemanden umzubringen, und diese Nacht eignete sich dafür so gut wie jede andere. Tatsächlich war diese Nacht sogar besonders günstig: verregnet, dunkel und kälter als eine Hexentitte. Teufel noch mal, sie war einfach perfekt.
    C hob die Tasse und würgte den angeblichen Kaffee hinunter. Das Gebräu schmeckte, als sei es im beginnenden Pleis-tozän angesetzt worden, eine stinkende Brühe unter einer amöbenähnlichen Schlierenschicht, die verdächtig an Maschinenöl erinnerte und sauer genug war, den Geschmack von verbranntem Teer im Mund zu hin terlassen. Er hätte Whiskey vorgezogen, doch ein guter ISA-Agent trank nicht im Dienst. Er brauchte einen klaren Kopf. Außerdem würde er reichlich Zeit zum Feiern haben, wenn der Kopfgeldjäger erst mal tot war. Vergeltung für all die Kombinatstruppen, die dieser Mordbube vor einem Jahr getötet hatte. Eine längst überfällige Vergeltung.
    Über den Rand der Tasse beobachtete C sein Opfer, einen Mann der acht Meter schräg links von ihm saß, unmittelbar vor dem Laufsteg der Tänzerinnen. Die Verkleidung des Kopfgeldjägers war nicht schlecht: hängende Wangen, Leberflecken, dünnes weißes Haar. Alles an seinem Aussehen schrie »ausgemergelter Beamter auf dem Weg in den Ruhestand«: die Art eines öffentlichen Bediensteten, der eine Uhr und einen warmen Händedruck mit auf den Weg nach draußen bekam und an den sich niemand mehr erinnerte, kaum dass er die Tür zum letzten Mal hinter sich geschlossen hatte. Er trug eine zerknitterte, khakifarbene Hose, einen ausgebeulten blauen Pullover mit V-Ausschnitt und eine metallgerahmte Brille mit kreisrunden Gläsern, mit denen er wie eine Eule aussah, die Linsen so dick, dass sie im Licht des Laufstegs weiß glänzten. Aber der Clou des Ganzen war das Hinkebein. Der Kopfgeldjäger bewegte sich so unbeholfen, als sei eines seiner Hüftgelenke schon seit Jahren reif für eine Operation.
    Er hatte sich erstaunlich gut in seine Rolle vertieft, spielte sie so ausgezeichnet, dass er Gewohnheiten entwickelt hatte, kleine Routinen, die so vorhersehbar waren wie der Sonnenaufgang. Zum Beispiel, dass er jeden Tag um siebzehn Uhr im >Luzifers< erschien und bis zwanzig Uhr blieb. Was den Kopfgeldjäger an diesem Lokal so faszinierte, war C ein Rätsel. Um ihn herum pafften genug Gäste blauen Dunst an die Decke, um eine Krebsstation zu füllen. Die Frauen schienen auch nicht der Grund dafür zu sein, und was er an Trinkgeld gab, war nicht geeignet, ihn beliebt zu machen: lausige fünfzig Devlins -ein echter Verschwender. Andererseits, der Kaffee war lausig. Nein, der Kopfgeldjäger trank seine zwei
    Tassen Kaffee und las die Zeitung. Dann steckte er sie sich jeden Abend um acht unter den Arm und humpelte heimwärts - in eine enge Mietwohnung in einer verfallenen Siedlung voller enger Straßen und Sackgassen, einen Kilometer südöstlich der Schwefelfabrik. Unterwegs ließ er hier und da eine 5-Stone-Münze springen und unterhielt sich mit einem heruntergekommenen Säufer, der an

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