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Titan - 2

Titan - 2

Titel: Titan - 2
Autoren: Heyne SF Classics
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Richtung des vierten Sonarechos gewandt – jenes Echos, das er aufgrund seiner Größe für einen erwachsenen Wal gehalten hatte. Sofort sah er, daß er hier das richtige Ziel gefunden hatte.
    »Himmel«, flüsterte er, »ich hätte nicht gedacht, daß die Biester so groß werden.« Er hatte wohl schon größere Haie gesehen, aber das waren alle harmlose Abarten gewesen. Das hier war, wie er auf den ersten Blick feststellte, ein Grönlandhai, ein mörderischer Räuber der nördlichen Meere. Diese Art wurde im allgemeinen bis zu zehn Meter lang, aber dieses Exemplar war größer als U-Boot 5. Von Schnauze bis Schwanzspitze maß die Bestie gut dreizehn Meter; sie wandte sich in dem Augenblick, als er sie entdeckte, eben ihrem Opfer zu. Tückischer Feigling, der sie war, griff sie natürlich eins der Kälber an.
    Don schrie Benj und Susan einen Befehl zu und sah, wie sie ins Gesichtsfeld seiner Kamera schossen. Er überlegte flüchtig, warum Delphine eine solche haßerfüllte Abscheu vor Haien zeigten, dann ließ er den Steuerhebel los, als der Autopilot das Ziel erfaßte. Wendig wie irgendein Meeresgeschöpf seiner Größe, begann U-Boot 5 den Hai zu verfolgen, was Don Gelegenheit gab, sich auf seine Waffen zu konzentrieren.
    Der Mörder war so völlig von seiner Beute in Anspruch genommen, daß Benj ihn überraschte und gleich hinter dem linken Auge rammen konnte. Der Stoß mußte schmerzhaft gewesen sein: eine eisenharte Schnauze mit einer Vierteltonne Muskeln dahinter und der Wucht von fünfzig Knoten Geschwindigkeit ist auch für den größten Fisch ziemlich unangenehm. Der Hai schnellte in einer unglaublich engen Wende herum, und Don wurde fast aus seinem Sitz geschleudert, als das Boot auf den neuen Kurs einschwenkte. Wenn das so weiterging, würde es schwierig werden, den ›Stachel‹ einzusetzen. Zumindest war der Mörder jetzt so beschäftigt, daß er sich nicht mehr um seine Opfer kümmern konnte.
    Benj und Susan bedrängten den Riesenfisch wie Hunde, die nach einem wütenden Bären schnappen. Sie waren zu flink, um sich von dem mörderischen Gebiß erwischen zu lassen, und Don konnte nur immer wieder staunen, wie wunderbar sie zusammenarbeiteten. Wenn einer auftauchen mußte, um Luft zu holen, hielt sich der andere für eine Minute zurück, bis sie wieder den Angriff in voller Stärke fortsetzen konnten.
    Es gab keinerlei Anzeichen dafür, daß der Hai den sehr viel gefährlicheren Gegner bemerkte, der auf ihn zuhielt, und von dem die Delphine nur ablenken sollten. Don war das nur recht: die nächste Phase würde schwierig werden, wenn er nicht mindestens fünfzehn Sekunden einen geraden Kurs halten konnte. Notfalls konnte er noch die winzigen Torpedoraketen einsetzen, um das Biest zu töten. Wäre er allein gewesen und an ein ganzes Rudel Haie geraten, dann hätte er das sicher getan. So aber war das nicht nötig. Es gab eine bessere Methode, bei der die Delphine nicht gefährdet waren. Don zog als Waffe den Degen der brutalen Vernichtungskraft einer Handgranate allemal vor. Jetzt war er nur mehr rund siebzehn Meter entfernt und kam rasch näher. Eine bessere Gelegenheit würde es vielleicht nicht mehr geben. Er drückte auf den Auslöser.
    Von der Unterseite des Bootes schoß etwas vorwärts, das wie ein Stachelrochen aussah. Don hatte die Geschwindigkeit seines Boots vermindert; es war nicht nötig, noch näher heranzugehen. Das kleine, deltaförmige Geschoß mit der Nadelspitze konnte sich weit schneller fortbewegen, obwohl es kaum einen Meter breit war. Als es durchs Wasser schoß, lief hinter ihm der dünne Steuerdraht aus, wie bei einer Wasserspinne, die einen Faden spannt. Durch dieses Kabel lief die Energie, die den Stachel vorwärtstrieb und ins Ziel lenkte. Don kümmerte sich nicht mehr um sein Boot und konzentrierte sich allein darauf, das Unterwassergeschoß zu steuern. Es reagierte auf jedes Signal so rasch und präzis, daß es ihm vorkam, als lenke er ein sensibles Rassepferd.
    Der Hai entdeckte die Bedrohung weniger als eine Sekunde vor dem Einschlag. Die Ähnlichkeit des Stachels mit einem richtigen Rochen verwirrte ihn, was die Konstrukteure auch beabsichtigt hatten. Bevor sein winziges Gehirn begriff, daß sich kein Rochen so benahm, traf ihn das Geschoß. Die stählerne Hohlnadel wurde von einer Explosivkapsel durch die zähe Haut des Hais getrieben, und der große Fisch brach in panische Zuckungen aus. Don zog sich hastig zurück, da ein Schlag von diesem Schwanz ihn in seinem Boot wie

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