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Titan 17

Titan 17

Titel: Titan 17
Autoren: Ronald M. Hahn , Wolfgang Jeschke
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Nahrung, lebende Nahrung, die sich gegen ihn nicht wehren würde? Plötzlich stand er auf und ging an den kleinen Fluß hinunter. Gelbbäuchige Molche schwammen im Wasser. Die schwimmenden Larven tausender Insekten dümpelten auf den kleinen Wellen oder lagen auf seinem Grund.
    Aber tödliche Dinge gab es hier auch. Gewaltige Krebse packten mit ihren hornigen Greifern nach dem, der zu sorglos war. Manchmal jagten über dem Fluß Moskitos dahin, deren Schwingenbreite zehn Zentimeter betrug. Sie waren die letzten Überlebenden einer aussterbenden Art, weil die Pflanzensäfte, von denen sich die Männchen der Spezies ernährte, immer weniger wurden. Sie waren nicht ungefährlich. Burl hatte inzwischen gelernt, wie man sie mit Pilzbrocken erschlug.
    Vorsichtig kroch er durch den Giftpilzwald. Unter seinen Füßen wuchsen bräunliche Schwämme. An den Füßen der schwammigen Giftpilzgewächse gediehen seltsame orangefarbene, rote und purpurne Hefekulturen. Einmal hielt Burl an. Er schnitt mit seiner scharfen, spitzen Waffe durch einen fleischigen Stengel, um sich zu vergewissern, daß das, was er plante, auch durchführbar war. Ohne Schwierigkeiten bahnte er sich einen Weg durch den Wald aus mißgestalteten Gewächsen. Einmal hörte er ein leises Klicken und verharrte. Vier oder fünf Ameisen, von denen jede etwa zwanzig Zentimeter groß war, kehrten auf ihrem traditionellen Pfad zu ihrem Bau zurück. Sie bewegten sich schwerfällig, denn sie waren schwer beladen. Sie verfehlten den Weg nicht, weil ihre Kameraden ihn zuvor mit einer ätzenden Körpersäure markiert hatten. Burl wartete, bis sie verschwunden waren, dann ging er weiter.
    Er erreichte das Flußufer. Das Wasser wurde zu einem Großteil von grünem Schaum bedeckt, der seinen Ursprung in den Gasblasen hatte, die vom Grund des Flusses an die Oberfläche aufstiegen. In der Mitte des Stroms, wo die Strömung ein wenig stärker war, sah man das Wasser selbst.
    Über der glänzenden Strömung rasten Wasserspinnen dahin. Im Gegensatz zu ihren an Land lebenden Vettern und den Insekten waren sie klein geblieben. Da das Wasser sie nur aufgrund der feinen Konstruktion ihres Körperbaus tragen konnte, hätte eine Größen- und Gewichtszunahme ihnen die Fähigkeit, sich auf der Wasseroberfläche zu bewegen, unmöglich gemacht.
    An dem Fleck, wo Burl ins Wasser schaute, wucherte der hellgrüne Schaum mehrere Meter weit in den Fluß hinein. Er konnte nicht erkennen, was unter der übelriechenden Abdeckung herbeischwamm, sich wand oder krabbelte. Also hielt er in beiden Richtungen nach einem besseren Platz Ausschau.
    Etwa hundertfünfzig Meter flußabwärts gelangte die Strömung nahe ans Ufer. Dort ragte auch ein Felsvorsprung in das Wasser hinein, auf dem gelbe Schelfpilze wuchsen. Ihre Köpfe waren dunkelrot und orange, ihre Stengel hellgelb, und sie bildeten über dem gleichmäßig dahinströmenden Fluß eine Reihe kleiner Plattformen. Vorsichtig ging Burl darauf zu.
    Auf dem Weg dorthin stieß er auf einen jener eßbaren Pilze, aus denen seine Hauptnahrung bestand, und er machte eine kurze Pause, um soviel von dem weichen Fleisch abzubrechen, daß er sich die nächsten Tage keine Sorgen um seine Ernährung mehr zu machen brauchte. Unter Burl und seinen Zeitgenossen war es durchaus üblich, daß man, wenn man eine ausreichende Nahrungsquelle entdeckte, soviel Essen wie möglich in sein Versteck schleppte, die nächsten Tage mit ihrem Verzehr und Schlafen zubrachte und sich erst wieder aufmachte, wenn nichts mehr davon vorhanden war.
    So sehr Burl auch von dem Plan gefangen war, seine neue Waffe auszuprobieren, so entschlossen war er auch, mit irgendeiner Beute zurückzukehren. Er würde Saya etwas davon abgeben, und dann würden sie zusammen essen. Saya war das Mädchen, das in Burl die ungewöhnlichen Gefühle erzeugte. Er fühlte sich immer seltsam aufgedreht, wenn sie in der Nähe war und hatte das Verlangen, sie anzufassen und zu streicheln, obwohl er nicht wußte, warum.
    Nach einem kurzen Zögern ging er weiter. Wenn er Saya etwas zu Essen mitbrachte, würde sie sich freuen, aber wenn er ihr etwas mitbrachte, das im Fluß lebte, würde ihr das noch viel mehr gefallen. So heruntergekommen sein Stamm auch sein mochte, Burl war immer noch intelligenter als die anderen. Er war ein Atavismus, eine Rückentwicklung, die den Vorfahren glich, die die Erde kultiviert und die Tiere gezähmt hatten. Irgendwie fühlte er sich stolz, und wenn dieser Gedanke auch roh und

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