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The Lost Coast

The Lost Coast

Titel: The Lost Coast
Autoren: Barry Eisler
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The Lost Coast
eine Kurzgeschichte mit Larison
    Die Sonne ging hinter den Redwoods unter, und Larison fand, es sei Zeit, sich eine Pause zu gönnen. Er war zehn Tage lang von Los Angeles in Richtung Norden gefahren, manchmal unterwegs gewesen, solange es hell war, hatte an anderen Tagen dafür nur eine kurze Strecke geschafft und nie mehr als eine Nacht am selben Ort verbracht. Er wusste, dass ihn die Leute, die nach ihm suchten, niemals finden konnten, und selbst falls es ihnen gelingen sollte, musste es, nachdem sie ihn aufgespürt hatten, unausweichlich zu einer Verzögerung kommen, bis sie tatsächlich zur Tat schreiten konnten. Je länger er in Bewegung blieb, desto nutzloser wurden alle Informationen, die seine Verfolger erhielten.
    Er war den Küstenhighway entlang gefahren und hatte sich nördlich von Westport vom Meer verabschiedet, da das Gelände zu felsig wurde, als dass die Straße entlang des Pazifiks weiterführen konnte, woraufhin er sich auf der Route 101 wiederfand. Die Karte, die auf dem Beifahrersitz lag, hatte ihm verraten, dass die 101, die auch „Redwood Highway“ genannt wurde, in Richtung Nordwesten entlang der King Mountain Range verlief, bevor sie sich irgendwo nördlich von Ferndale erneut an den Pazifik anschmiegte. Das Gebiet dazwischen, das keinen Zugang zur Küste hatte, wurde im Allgemeinen Lost Coast genannt, und Larison hatte diesen Namen schon vor Jahren, als er ihn das erste Mal gehört hatte, als sehr verlockend empfunden. Er stellte sich Strände mit schwarzem Sand vor und Städte, die so abgelegen und seltsam waren wie die Kreaturen von den Galapagosinseln. Vielleicht würde er ja einige Tage in diesem Gebiet verbringen und durch verschlafene Kleinstädte wie Petrolia, Honeydew und Shelter Cove fahren, wie einige der Punkte auf der Karte neben ihm hießen. Der Gedanke, dass ein Mann wie er in einer Gegend, die dem Namen nach schon nicht gefunden werden konnte, untertauchte, gefiel ihm außerordentlich gut.
    Ein Straßenschild machte ihn darauf aufmerksam, dass er sich noch dreißig Meilen von Arcata entfernt befand. Er war noch nie zuvor dort gewesen, hatte aber schon von der Stadt gehört. Sie war früher für den Bergbau und danach für den Holzhandel bekannt gewesen, heute jedoch eher eine Collegestadt. Dort wollte er sich ein Hotel suchen, in dem er bar bezahlen konnte und keinen Ausweis vorlegen musste. Falls das nicht möglich war, würde er eben weiterfahren und es an einem anderen Ort versuchen. Es gab immer eine nächste Stadt.
    Es war schon fast dunkel, als er den Highway verließ, und der Halbmond stand tief am Himmel. Zwar hatte er weder Navigationsgerät noch Handy dabei, da diese geortet werden konnten, aber er brauchte diese Technologie auch gar nicht. Üblicherweise waren Kleinstädte nach einer gewissen Logik angelegt worden, wobei sich unabhängige Restaurants und Geschäfte im Zentrum befanden, während Tankstellen, Supermärkte und andere Ketten etwas außerhalb lagen und die kleinen Einfamilienhäuser den äußeren Rand bildeten. In manchen Städten fand man sich leichter zurecht als in anderen, aber das war für ihn nicht weiter wichtig, da er es selten eilig hatte.
    Er gelangte mithilfe der üblichen Straßenschilder ins Zentrum von Arcata, das gar nicht zu verfehlen war: Dabei handelte es sich um einen großen Platz umgeben von Bars, Restaurants und kleinen Geschäften. In einer Ecke stand ein dreistöckiges, seiner Meinung nach etwa einhundert Jahre altes Backsteingebäude. Ein ausgeblichenes Schild, das nur noch notdürftig daran befestigt war, wies es als
Hotel Arcata
aus.
    Zwar hätte er auch an den Stadtrand fahren und sich eine anonymere Hotelkette suchen können, doch dieses Hotel hatte irgendetwas an sich, das ihm gefiel, etwas, das auf ihn gleichermaßen robust wie heruntergekommen wirkte. Es sah definitiv nicht so aus, als ob man ihm dort viele Fragen stellen würde.
    Langsam fuhr er um den Platz herum und musterte seine Umgebung. Vier Bars neben dem Hotel, die Gebäude größtenteils drei- oder vierstöckig, die Schindelfassaden vor den Hügeln im Hintergrund sahen aus, als wären sie direkt dem Goldrausch entsprungen. Hier und da waren einige Penner zu sehen, die herumstanden oder sich auf Bänken fläzten und dort wohl auch nicht so schnell wieder weggehen würden. Collegestudenten, Larisons Vermutung nach von der Humboldt State University, die den Lebensstil der Penner nachahmten, auf ihren Skateboards oder Mountainbikes herumalberten und

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