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The Bards Tale 01 - Die Burg der Verräter

The Bards Tale 01 - Die Burg der Verräter

Titel: The Bards Tale 01 - Die Burg der Verräter
Autoren: Mercedes Lackey
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1. KAPITEL
    Zoing!
    Die Saite der Laute riß und peitschte Kevin über den Handrücken. Er schrie auf und konnte gerade noch verhindern, daß ihm das Instrument aus den Händen glitt. Behutsam legte er es auf sein Lager und drückte die schmerzende Hand gegen die Lippen. Verdammt noch mal, das tat weh! Aber es mußte ja so kommen! Schließlich hätte er wissen müssen, daß man eine Saite nicht zu stark spannen durfte. Immerhin war er ein Bardling, Lehrling bei einem Barden, und das schon fast die ganzen sechzehn Jahre seines Lebens lang; zumindest schien es ihm so.
    Endlich hörte seine Hand auf zu schmerzen. Mit einem ungeduldigen Seufzer sprang Kevin auf die Füße. Das Üben machte ihm nicht wirklich etwas aus; das mußte jeder Musiker tun, und zwar jeden Tag, sogar sein Meister. Es störte ihn auch nicht, in diesem vollgestopften, winzigen Zimmer eingesperrt zu sein. Allerdings wäre das Üben oder das Herumhocken in diesem blöden Raum in dieser langweiligen Herberge weniger mühsam gewesen, wenn er genau gewußt hätte, daß all das zu irgend etwas führte!
    Wenn nicht bald was passiert, etwas richtig Aufregendes … !
    Der Bardling tastete sich vorsichtig zwischen Kleiderhaufen und Notenrollen hindurch, die auf dem Boden verstreut herumlagen, und starrte aus dem Fenster hinab auf den gepflasterten Innenhof des Blue Swan. Ein Händler bestieg gerade seinen schönen Braunen, sein Reisemantel glänzte purpurn im Licht der Frühlingssonne. Er hatte Leibwächter dabei, zwei Männer und eine Frau in einfachen Lederpanzern. Sie saßen aufrecht im Sattel, wirkten wachsam wie Falken und hielten ihre Hände immer dicht an den Griffen der Schwerter, die an ihrer Seite herabhingen. Kevin seufzte neiderfüllt auf. Wahrscheinlich war nichts Heldenhaftes an einem einfachen Händler, und die Reise, die sie unternahmen, war vermutlich nicht aufregender als ein Ritt in die nächste Stadt, aber wenigstens gingen sie irgendwo hin, taten sie etwas! Während er …
    »Verflixt und zugenäht!« fluchte der Bardling leise.
    Er konnte es nicht ertragen, noch einen Moment länger hier eingesperrt zu sein. Polternd stürmte Kevin die Holztreppe der Herberge hinunter durch den Schankraum
    – der zu dieser frühen Stunde noch leer war – und hinaus auf den gepflasterten Hinterhof. Doch draußen blieb er unvermittelt stehen. Was hoffte er denn noch zu sehen?
    Der Händler und seine Leute waren schon längst außer Sicht, ritten die alte Nordstraße entlang, die direkt vor dem Zaun der Herberge entlangführte. Und vermutlich würden dort heute keine Reisenden mehr vorbeikommen.
    Entmutigt drehte der Bardling sich um und ging zurück durch die Herberge zum Hintereingang, der auf die Stadt hinausführte.
    Ha, tolle Stadt!
    Bracklin war kaum mehr als eine Anhäufung kleiner, strohgedeckter Hütten, die sich hinter der Herberge zusammendrängten. Ein gepflegter, hübscher, ruhiger Ort, einer, wo nie etwas Besonderes passiert war und auch nie etwas passieren würde.
    Und die Leute hier wollten es auch nicht anders!
    Kevin lehnte sich gegen die Fachwerkwand der Herberge. Der Stein fühlte sich kalt an seinem Rücken an, während die Sonne ihm warm ins Gesicht schien. Solange er zurückdenken konnte, hatte es keinen Tag gegeben, an dem er nicht davon geträumt hatte, Barde zu sein, wundervolle Lieder zu singen und an wundervolle Orte zu reisen, vielleicht sogar die seltene, mächtige Magie der Barden auszuüben, Menschen mit seiner Musik zu heilen oder sogar Dämonen damit zu bannen. Wie hatten sich diese Träume nur in etwas so unerträglich Langweiliges verwandeln können?
    »Morgen, Kevin«, begrüßte ihn die liebeswürdige Stimme einer Frau von der anderen Seite der ungepflasterten Straße.
    Der Bardling schrak zusammen. »Oh, guten Morgen, Ada.«
    »Typisch für euch Spielleute, immer seid ihr in eurer eigenen Welt versunken.«
    Ada war eine rundliche, pausbäckige, mittelalte Glucke von einer Frau. Sie hatte ihr Haar zu einem unordentlichen Knoten hochgesteckt, damit es ihr nicht ins Gesicht fiel, und die Ärmel ihrer einfachen weißen Bluse bis über die Ellbogen hochgeschoben, während sie einen Waschzuber mit Seifenwasser füllte. »Du kommst wegen Meister Aidans Kleidern, was? Sagte dir doch, daß sie nicht vor heute nachmittag fertig sein würden. Mußte gestern den ganzen Tag den Staub aus den Kleidern von Ihrer Pingeligkeit waschen.« Adas Kopf ruckte in die Richtung, in die der Händler und seine Leute abgereist waren. »Na, will

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