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Tatortreiniger gesucht: Die schrägsten Berufe der Welt

Tatortreiniger gesucht: Die schrägsten Berufe der Welt

Titel: Tatortreiniger gesucht: Die schrägsten Berufe der Welt
Autoren: Nick L. Brille
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Arbeiten Sie noch oder spinnen Sie schon?
     
    S elbstverständlich haben auch Sie sich schon einmal über die Absurdität des Lebens Gedanken gemacht. Wir müssen arbeiten, um gut leben zu können, aber sehr häufig sorgt unsere Arbeit dafür, dass es mit dem guten Leben nicht allzu weit her ist. Genauer gesagt: Wir können nur selten so viel Spaß haben, dass er den Frust aufwiegt, den wir in der Arbeit erleben. Klingt hart, ist aber eben so.
    Stopp! Bevor Sie dieses epochale Werk seufzend beiseitelegen, weil Sie befürchten, vom Schutzumschlag getäuscht worden zu sein und einen philosophischen Grundsatzwälzer zum Thema »Lebensparadox« vor sich zu haben, lassen Sie sich versichern, dass dem Autorenteam nichts ferner liegt, als Sie mit wohlfeilen Plattheiten aus dem Reich des Pseudo-Tiefsinnigen zu langweilen. Nein, unsere Einstiegssätze dienten eher der rücksichtsvollen Hinleitung an das eigentliche Thema dieses Buches. Und sie sollten Sie daran erinnern, dass Sie eben (vermutlich, leider) nicht so einen rattenscharfen, megageilen oder total abgefahrenen Job haben wie einige von denen, die wir auf den folgenden Seiten beschreiben. Denn es gibt nun einmal Menschen, die ihren Traumberuf nicht nur erfunden haben, sondern ihn auch ausüben dürfen – von denen während der Arbeit erwartet wird, dass sie gefälligst, ohne zu jammern, exakt das tun, was ihnen am meisten Spaß macht. Yep. Wahnsinn, oder?
    Bevor Ihnen nun aber die Kauleiste zu einem nach unten gezogenen Strichmännchenmund verkommt und Ihr Gesicht grüne Neidpatina ansetzt, dürfen wir Ihnen anvertrauen, dass in den kommenden Beispielen auch das andere Extrem zur Sprache kommen wird: Berufe, die Sie nicht einmal Ihrem Schwager wünschen, Jobs, die sich offenkundig nur Beelzebub, Saddam Hussein (okay – der nicht mehr) oder der Ghostwriter von Thilo Sarrazin ausdenken konnten. Beschäftigungen, die so weit abseits jeder Schmerzgrenze liegen, dass wir jene Menschen, die sie ausüben müssen, beinahe ein bisschen bedauern.
    Unsere Sammlung enthält demzufolge seltene und seltsame, schöne und schreckliche, unsinnige und aberwitzige Berufe. Allen ist eines jedoch gemeinsam: Sie werden von Menschen ausgeübt, um damit Geld zu verdienen, was eindrucksvoll beweist, dass Geld allein nicht glücklich macht.
    So. Und damit wäre der Bogen virtuos geschlagen: von einem leidlich philosophischen Einstiegssatz zu einer tiefgründigen Basiswahrheit, die nur knapp an der vollständigen Belanglosigkeit vorbeischrammt. Was kann man von einer Einführung mehr erwarten?
    Bitte? Ein schnelles Ende? Okay.
Viel Spaß wünschen
Pat Lauer und Birgit Adam

Kapitel 1
     
    Die gefährlichsten Jobs
     
    Der Feierabend bietet diesen Menschen vor allem einen Grund zur Freude: Sie leben noch! In diese Gruppe gehören unter anderem Fensterputzer in Manhattan, Bombenentschärfer, Feuerspringer oder Virologen. Mit anderen Worten: Es handelt sich um Jobs für Menschen, die den kleinen Nervenkitzel lieben.

Fensterputzer in Manhattan
     
    K urz nach dem 11. September 2001 kursierte der folgende Witz: Wer ist der bärtige Mann, der da vom Dach des Empire State Buildings winkt? Die Antwort lautete: ein afghanischer Fluglotse.
    Sie mögen dies für politisch nicht ganz korrekt halten und haben damit selbstverständlich recht, aber unter der Bezeichnung »Arbeitsplatzbeschreibung« entbehrte diese Schilderung zumindest nicht einer gewissen pikanten Komik.
    Weit weniger spektakulär, aber bei uns mit ähnlichen Gefühlen – »abgrund«tiefer Angst und diffusen Schwindelgefühlen – behaftet, ist in amerikanischen Großstädten der Beruf des Fensterputzers. Haben Sie den architektonischen Größenwahn New Yorks vor Augen? Die in den Himmel ragenden Türme, die scheinbar endlosen Glasfronten, die spiegelnden Monumente babylonischer Herrlichkeit? Da schluchzt die Hausfrau, und die chemische Industrie reibt sich jubelnd die in blinder Gier verknöcherten Hände. Grob geschätzt könnten Sie allein in der Wall Street pro Woche zehn Tonnen Fensterputzmittel absetzen – wohl dem, der da die Konzession für porentiefe Reinheit und spiegelnden Glanz besitzt.
    Festhalten können wir immerhin, dass man als Fensterputzer in Manhattan einen vergleichsweise krisensicheren Job ausübt. Zugegeben – mit dem World Trade Center ist ein lukrativer Arbeitsplatz verlorengegangen, aber schließlich gibt es auf der Halbinsel, die die listigen Briten den seinerzeit weit weniger listigen Holländern für

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