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Tatort Oktoberfest (German Edition)

Tatort Oktoberfest (German Edition)

Titel: Tatort Oktoberfest (German Edition)
Autoren: Barbara Ludwig
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wundervoll einkaufen, und München hat so viel Ähnlichkeit mit meiner Heimatstadt Mailand. Außerdem ist das Oktoberfest ein Treffpunkt für alle wichtigen Leute aus ganz Europa, meint Señora Y.“
    Aus taktischen Gründen schwieg er. Auch in der Folgezeit rührte er wohlweislich nicht an dem Thema, hoffte sogar insgeheim, Erica würde über ihre anderen enorm wichtigen gesellschaftlichen Verpflichtungen wie sonst auch schnell alle Belange, die seinen Dienst betrafen, vergessen. Überaus blauäugig von ihm, wie sich bald herausstellte. München und das Oktoberfest hatten es ihr angetan. Es verging keine Stunde, in der sie ihn nicht daran erinnerte. Seinen launigen Hinweis, dass im Oktober eine Miniausgabe des Oktoberfestes in Peguera stattfindet, quittierte sie verschnupft.
    „Man hat mir die einschlägigen Adressen zugesteckt, und Albert, ich weiß nicht, ob ich euch schon einander vorgestellt habe, bietet uns einen Platz in seiner Box an. Du glaubst nicht, wie schwierig es ist, einen Platz in einem der Zelte zu bekommen. Er hat natürlich einen Tisch im Hippodrom reserviert – mit Prominentenstatus, versteht sich. Allerdings soll ich mir unbedingt ein Dirndl kaufen, weil man nur zünftig gekleidet Einlass erhält. Ach ja, er will dich unbedingt kennen lernen. Er ist der irrigen Meinung, es wäre interessant, einen echten Kriminalkommissar zu treffen. Ich habe ihn in dem Glauben gelassen.“
    Auch dieses Statement ertrug er stoisch und vermied jegliche Reaktion. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Bis zur letzten Sekunde des Abfluges fieberte er dem Anruf entgegen, der den Einsatz negieren würde. Er wünschte sehnlich, seinen Urlaub wie geplant antreten zu können. Aber nichts dergleichen geschah. So verabschiedete er sich von Erica etwas vage, mit dem für ihn großzügigen Angebot: „Das Oktoberfest beginnt am Ende der Woche. Flieg halt, wenn es unbedingt sein muss, mit deinen Bekannten einen oder zwei Tage nach München. Ich kann dir jedoch nicht versprechen, dass ich Zeit für dich habe.“
    „Vielleicht schließe ich mich Albert und seiner Frau an. Aber wenn wir im Zelt sind, musst du schon kurz vorbeischauen und denk dran, zieh dich angemessen an, dein Kollege wird dich sicher beraten können.“
    Er nickte gottergeben und wusste im gleichen Moment, dass er dieses Versprechen ganz sicher nicht einhalten würde. Es ist schon verrückt, dass Erica ihn in einen Partylöwen verwandeln wollte. Die Vorstellung belustigt ihn über alle Maßen.
    Während er kurze Zeit später auf seine Reisetasche wartet, konzentriert sich sein Gehör auf die deutsche Sprache und versucht, die umherflatternden Laute und den rauen Klang aufzufangen. Sein Gehirn bemüht sich krampfhaft, das babylonische Sprachgewirr aus italienischen, spanischen und deutschen Lauten irgendwie sinnvoll zu sortieren. Aus den Augenwinkeln sieht er den Münchner Hauptkommissar Hans Wimmer und an seiner Seite den jungen Kollegen Georg Heimstetten mit dem Beamten an der Absperrung verhandeln, bis sie mit einem breiten Grinsen im Gesicht auf ihn zueilen. „Grüß Gott, Tino. Guter Flug? Wir waren gerade in der Nähe und dachten, wir lesen dich auf“, begrüßt ihn Wimmer und versetzt ihm einen kumpelhaften Schlag auf die Schulter.
    „Guten Tag, Hans“, erwidert di Flavio. Der Commissario kennt den Münchner seit grauer Vorzeit, als sie beide noch jung waren und sich die ersten Sporen verdienten. Er in Mailand kurz nach der Ausbildung, und Wimmer als Austauschbeamter in der gleichen Questura. Der Münchner ist wie er selbst in den Fünfzigern. Sein ehemals ebenfalls dunkelblondes Haar schimmert heute bereits in einem silbrigen Grau. Wie di Flavio ist Hans Wimmer etwa einen Meter achtzig groß. Wäre der Münchner im Gegensatz zu ihm nicht schlank wie eine Pappel, würden sie trotz der unterschiedlichen Nationalitäten fast wie Brüder aussehen. Allerdings ohne Beachtung von Wimmers gebräuntem, von Wind und Wetter gegerbtem Gesicht, während di Flavios Haut noch relativ glatt und unbeschadet ist, was er sicher seiner besseren Polsterung zu verdanken hat.
    Zwei alte Kämpen sind sie, im Gegensatz zu Heimstetten, der letztes Jahr bei ihm im Unterricht saß. Ein Junge fast noch, dynamisch, immer mit einem Lachen im offenen, glatten Gesicht. Dazu lang und schlaksig, so dass die Stühle im Schulungsraum für ihn zu klein waren. Die braunen Haare nach der neuesten Mode kurz und in verschiedene Richtungen geschnitten und geföhnt. Als er sich jetzt di Flavios

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