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Tatort Oktoberfest (German Edition)

Tatort Oktoberfest (German Edition)

Titel: Tatort Oktoberfest (German Edition)
Autoren: Barbara Ludwig
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findet er, summt einen Song von Bushido vor sich hin und rappt ein paar Schritte. Die Bewegungen verzerren sein Spiegelbild, ziehen es unnatürlich in die Breite oder in die Höhe. Er schüttet sich aus vor Lachen.
    „Aber Hallo, übst wohl für ‚Deutschland sucht den Superstar‘?“ stört ihn eine raue Männerstimme. Ludwig schreckt zusammen, als im Spiegel des Behälters hinter ihm plötzlich die Gestalt eines Arbeiters auftaucht. Ein langgezogener Geist mit dunklen Haaren, bräunlicher Haut, der in einer Latzhose und einem karierten Hemd steckt. Unwillkürlich duckt Ludwig sich, als würde er durch das Abtauchen und das Unterlaufen des Spiegels unsichtbar werden. Zwecklos. Er versucht, sich seitlich an dem Arbeiter vorbei durch die Tür zu drücken und abzuhauen. Aber der Mann steht grinsend im Türrahmen und versperrt den Ausgang. „Keine Panik“, beruhigt er ihn. „Interessiert dich, wie das Bier aus dem Behälter da nach draußen kommt?“ Seine Finger beschreiben einen Kreis von dem Edelstahlmonster hin zu den unsichtbaren Fässern draußen in der Schenke. „Ich bin nämlich der Meister, der dafür sorgt, dass das Bier letztlich aus dem Holzfass sprudelt.“
    Ludwig nickt besänftigt. Interessiert schaut er dem Techniker zu, als dieser seinen Werkzeugkasten auf den Boden stellt, einen Schraubenzieher sowie ein Messingverbindungsstück herausnimmt, um sich dann einen der fingerdicken, durchsichtigen Schläuche zu greifen, die an einem Schlauchhalter in der Wand aufgewickelt hängen. „Pass auf“, fordert der Handwerker, geht in den Schankraum und zeigt ihm, wie er mit Hilfe eines Mittelstücks die Schläuche in Taillenhöhe an der Wand befestigt. Anschließend verbindet er sie mit den aus dem Fass herauskommenden, bereits vorhandenen Schlauchenden. Ludwigs Finger weist auf die vielen noch übrigen Leitungen. „Und jetzt die?“
    Der Mann lacht. „Noch ein paar davon, andere sind für das Licht, die Spülmaschinen, die Pumpe. Ist noch ein Stück Arbeit für die Elektriker, die müssen sich sputen.“
    Ludwig betrachtet voller Skepsis die durchsichtigen Schläuche, die da von drinnen nach draußen führen. Jetzt versteht er. In den Holzfässern ist gar kein Bier. Kein Wunder, dass der Hahn vorhin nicht funktionierte. Seine Gedanken stehen ihm wohl auf der Stirn geschrieben. Der Mann beruhigt ihn. „Keine Angst, niemand merkt den kleinen Schwindel. Jeder denkt, das Bier befindet sich im Fass. Alles wird mit Dekoration aufgemöbelt, so dass die Illusion erhalten bleibt. Technik fasziniert dich, nicht wahr? Wie heißt du eigentlich?“
    Ludwig blickt verlegen zu Boden.
    „Ich bin übrigens der Luigi. Und du bist ein Junge ohne Namen, auch gut.“ Ohne weiter auf Ludwig zu achten, erklärt Luigi, wie die Zuleitungen funktionieren. Ab und an benutzt er Fachausdrücke, die Ludwig unbekannt sind, und die er eigentlich hinterfragen möchte, aber es sich nicht traut. Stattdessen verfolgt er mit Argusaugen jeden Handgriff des Mannes. „Nur im Augustiner-Zelt wird noch aus den Holzfässern direkt ausgeschenkt, alle anderen Bierzelte verwenden Edelstahlbehälter. Hast du die anderen Container auf dem Gelände schon gesehen? Weiß oder Blau, jede Brauerei hat ihre eigene Farbe, wir hier haben welche, in denen man sich spiegeln kann, nicht wahr?“ Bei seinen Worten streift er Ludwig mit einem raschen Seitenblick und lächelt.
    Ludwig entspannt sich. Dieser Luigi ist nett, findet er. Ob er Italiener ist? Wegen des Namens. Der Italiener, bei dem sie ab und zu Pizza essen gehen, ist ebenfalls nett, fällt ihm ein.
    „In der Wiesn-Zeit kommen nachts die Tankwagen mit Bier und füllen die Container auf. Etwa eineinviertel Stunden dauert es, bis die gesamten 12 ‍000 Liter mit einer Pumpe durch einen 65-Millimeter-Schlauch vom Brau-Laster in den Container umgefüllt sind. Die Auslieferungstemperatur beträgt etwa 0,8 Grad, damit das Bier auch am Abend noch kühl ist. Der Tankwagen muss zwei- bis dreimal zurück zur Brauerei, um Nachschub zu tanken. Harte Arbeit. Wie alt bist du eigentlich – siebzehn, achtzehn?“
    Am liebsten würde Ludwig nicht antworten. Er fürchtet, der Mann würde sonst bemerken, dass sein Mund seinen Gedanken nicht immer gehorcht und noch schlimmer, er würde wie die meisten das Interesse an ihm verlieren. Aber, wenn er schweigt? Wird Luigi sich dann nicht ebenfalls gleich abwenden? Also würgt er heraus: „Ludwig, neunzehn.“
    „Also Ludwig, dann sind wir ja Namensvettern –

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