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Tages-Deal: Kudamm 216 - Erbsünde (German Edition)

Tages-Deal: Kudamm 216 - Erbsünde (German Edition)

Titel: Tages-Deal: Kudamm 216 - Erbsünde (German Edition)
Autoren: Nika Lubitsch
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Freundeskreis der Nationalgalerie“, sagte Oliwia.
    „Begnadeter Arzt für plastische Chirurgie“, sagte Elke.
    „Und tot“, sagte Maria und tunkte einen Krebs in die ‚leichte Vinaigrette'. „Wenn ich es richtig sehe, wird er morgen in Berlin beerdigt.“
    „Ja“, sagte Alice, „es hat Wochen gedauert, bis die New Yorker Polizei die Leiche freigegeben hat.“
    Judith staunte. Was die alles wussten. Sie kramte in ihrem Gedächtnis.
    „Ach so, war das nicht der Berliner Arzt, der in New York einem Raubmord zum Opfer gefallen ist?“, fragte sie, froh, auch etwas beigetragen zu haben.
    „Ja, das ist die offizielle Version. Er war an diesem Abend bei Bernie. Was würdet ihr denken, wenn ihr wüsstet, dass der gute Sigurd, dem ich meine wunderschöne kleine Nase verdanke, beabsichtigte, seinen gesamten Kunstbesitz ‚WorldKidAid' zu vermachen und dies am Tag nach seinem blutigen Ende in der Aufsichtsratssitzung zu verkünden?“
    „Ach du liebe Güte.“ Das war Elke.
    „Wow.“ Hüsy.
    Maria: „Erstklassiges Mordmotiv, allerdings nur, wenn er das noch nicht mit irgendeinem Notar testamentarisch festgelegt hat.“
    „Vielleicht wollte er eine Stiftung in New York einrichten“, sagte Oliwia.
    Für eine polnische Putze ist sie ganz schön clever, dachte Judith.
    „Genau das sollten wir rauskriegen. Oliwia, könnten Sie bitte die Finanzen der Sprenglers recherchieren?“
    Bin ich hier für die Recherche eingestellt oder die Putze?, fragte sich Judith. Oliwia jedenfalls nickte begeistert.
    „Hüsy, könnten Sie den Marktwert der Kunstsammlung von Sprengler ermitteln?“
    „Hat das nicht schon in den Zeitungen gestanden?“
    „Das sind Schätzungen von Laien, ich brauche exakte Daten, insbesondere von den Neuankäufen. Ich will wissen, ob es Verkaufsversuche gegeben hat. Außerdem den gesamten Klatsch und Tratsch der Szene.“
    „Okay, Boss.“
    „Maria, bitte fertigen Sie ein Gesprächsprotokoll von Bernies Besuch an, die Kassette liegt noch in meinem Diktiergerät.“
    „Und was soll ich machen?“, fragte Judith.
    „Für Sie habe ich eine ganz besondere Aufgabe. Zunächst einmal helfen Sie Elke beim Abräumen und dann sollten Sie Ihren Computer einrichten und alle verfügbaren Informationen über Professor Dr. Sigurd Sprengler im Internet recherchieren.“
    Judith biss die Zähne zusammen und nickte. Die Putze durfte Anspruchsvolles recherchieren und sie wurde in die Küche verbannt und zum Googeln abgestellt.
    „Gut, alle Infos laufen wie immer bei Maria zusammen. Maria, Sie machen daraus einen täglichen Bericht. Sie wissen doch, jede Familie hat ein Geheimnis. Wir werden hinter das der Familie Sprengler kommen.“
    Wie wahr, dachte Judith, sogar in meiner Familie gibt es ein Geheimnis.
    „Espresso?“, fragte Elke, die inzwischen aufgestanden war und an einem funkelnden Ungetüm herumwerkelte. Alle außer Alice und Maria hatten sich inzwischen Zigaretten angesteckt.
    „Man darf hier also rauchen?“, fragte Judith.
    „Von Nichtrauchern lässt sich hier keiner terrorisieren“, sagte die Kaldenberg. Judith schaute in drei grinsende Gesichter.
    Aber am Kudamm wurde nicht nur gequalmt, sondern auch kräftig gezockt, wie Judith dann erfuhr. Selbstverständlich hatten alle ihre Bewerbungsunterlagen gelesen. Und dann waren die Wetten gelaufen: Elke hatte mit ihrer Behauptung, dass Judith garantiert keinen Knoblauch mag, fünf Euro gewonnen. Oliwia hatte mit ihrer Vermutung, Judith würde garantiert das ‚von' ignorieren, gepunktet und Alice konnte von allen kassieren, weil sie gewusst hatte, dass Judith sich nicht über ihren zukünftigen Arbeitgeber informiert hatte. Aber auch Maria konnte einsacken – Oliwia nannte das eine echte Win-win-Situation – weil sie gewettet hatte, dass das Jobcenter garantiert ‚Herr Kaldenberg' als potentiellen Arbeitgeber angeben würde und Hüsy hatte seine Verluste dadurch ausgeglichen, dass er gewettet hatte, Judith würde versuchen, ungepflegt auszusehen. Judith staunte. Sie entsprach also voll und ganz ihren Erwartungen. Peinlich, wie leicht sie doch zu berechnen war. Daran musste sie arbeiten, entschied sie. Oliwia verteilte den Pot.
    Mit ihren Espressotassen in der Hand verschwand das Personal aus der Küche.
    Elke setzte sich zu ihr. „Trinken wir erst mal in Ruhe, Judith.“
    „Wie ist die Kaldenberg denn so als Chefin?“, fragte Judith.
    Elke lächelte. Erstaunlich, wie jung sie aussah, wenn sich dabei ihr gesamtes Gesicht nach oben

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