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Tages-Deal: Kudamm 216 - Erbsünde (German Edition)

Tages-Deal: Kudamm 216 - Erbsünde (German Edition)

Titel: Tages-Deal: Kudamm 216 - Erbsünde (German Edition)
Autoren: Nika Lubitsch
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Schreibtisch herum manövrierte.
    „ALICE!“
    „Psst, Bernie, schon gut.“
    Langsam kam Judith sich vor wie in einem schlechten Theaterstück. Auftritt Elke von Gang links, schien ein unsichtbarer Regisseur zu flüstern. Elke ging schnurstracks zu der Frau im Rollstuhl und schob ihn hinter Berniemaestroliebling zur Tür. Bussi-Bussi-Bussi.
    „Bis morgen“, sagte der Dirigent.
    „Ja, bis morgen“, sagte die Frau, die offensichtlich Alice hieß. In der Tür drehte der Maestro sich noch einmal um, und sagte:
    „Viel Glück mit Herrn Kaldenberg.“ Er schien Judith zu meinen. Wenigstens einer, der hier Mitgefühl hatte. Die beiden alten Weiber fingen an zu prusten wie vierzehnjährige Schulmädchen. Abgang Bernieliebling. Jetzt aber Auftritt Judith, sagte sie sich und stand auf.
    „Wir essen in einer halben Stunde“, sagte Elke und verschwand im Gang.
    Alice stand aus ihrem Rollstuhl auf wie der wundersam genesene Lazarus und sagte: „Geben Sie mir mal Ihren Arm, Schätzchen, ich bin Alice von Kaldenberg, wir haben einen Termin.“
    Judith guckte wie ein Frosch, der nach Luft schnappt.
    „Aber das Jobcenter, ich meine, Entschuldigung …“ Verdammt, war ihr das peinlich.
    „Und wer ist Herr von Kaldenberg?“
    „Den gibt es hier seit mehr als dreißig Jahren nicht mehr“, sagte die Alte. „Ex-Mann Nummer eins.“
    Judith reichte ihr ihren Arm und brachte sie zu ihrem Schreibtisch, hinter dem sie sich stöhnend niederließ. Sie zeigte auf den grünen Designerstuhl.
    „Nehmen sie Platz, äh …“, sie schaute auf einen Terminkalender, „Frau Schilling, äh, Judith, ich darf Sie doch Judith nennen?“
    Judith war immer noch so perplex, dass sie tatsächlich nickte. Die Kaldenberg musterte sie und Judith musterte zurück. Das Alter der Kaldenberg war schwer zu schätzen, irgendwas Ende fünfzig. Sie muss einmal eine Schönheit gewesen sein, dachte Judith, man ahnte hinter ihrem etwas aufgedunsenen Gesicht ihre hohen Wangenknochen, die halblangen braunen Haare waren dünn aber geschickt geschnitten. Und ihre Augen waren faszinierend, stahlgrau, mit einem Blick, der zu sezieren schien.
    „Sie wollen also für uns recherchieren“, stellte sie fest.
    Von wollen kann keine Rede sein, dachte Judith. Laut sagte sie: „Das Jobcenter hat …“
    Die Kaldenberg ließ Judith nicht ausreden. Judith konnte Leute nicht leiden, die sie nicht ausreden ließen.
    „Nun lassen wir mal das Jobcenter beiseite. Wenn Sie den Job wirklich wollten, dann wären Sie erstens pünktlich gewesen, hätten sich ordentlich angezogen und wüssten außerdem, mit wem Sie reden. Wenn Sie wirklich so gut wären, wie Ihre Bewerbungsunterlagen mich glauben machen sollen, dann hätten Sie vorher recherchiert.“
    Jetzt reichte es ihr aber. Judith merkte, wie die Wut in ihr hochstieg. Was bildete diese alte Vettel sich eigentlich ein?
    „Und wenn Sie wirklich so krank wären, dass Sie in einem Rollstuhl sitzen müssen, dann könnten Sie nicht wie ein Wiesel durch Ihre Halle jagen“, parierte sie.
    Okay, das warʼs dann. Judith erhob sich. Und Alice von Kaldenberg … lachte. Sie lachte tatsächlich.
    „Schätzchen“, sagte sie, „wenn Sie schon nicht gerade ein Recherchegenie sind, beobachten können Sie wenigstens. Und was schließen Sie jetzt aus dem, was Sie gesehen haben?“
    „Dass Sie simulieren“, antwortete Judith.
    „Naheliegend. Ich wünschte, es wäre so. Aber ich bin krank.“
    „Und darüber schreiben Sie Bücher?“, fragte Judith. Die Kaldenberg lachte wieder. Sie hatte ein tiefes, trockenes Lachen.
    „Wie langweilig, nein. Es reicht schon, selbst mit Rheuma geschlagen zu sein.“
    „Worüber schreiben Sie dann? Auf dem Arbeitsamt sagte man mir, ich solle über Gentechnik und so recherchieren.“
    „Ich schreibe über die Abgründe der menschlichen Seele.“
    „Soʼn Psychokram?“, entfuhr es Judith. Sie hasste Pseudopsychoratgeber. Das hatte ihr gerade noch gefehlt.
    „Psychothriller, Kriminalromane. Dafür muss man ziemlich viel recherchieren.“
    Judith hatte noch nie etwas von Alice von Kaldenberg gehört, obwohl sie ein Krimijunkie war. Sehr erfolgreich konnte die Kaldenberg also nicht sein.
    „Wie viele Bücher haben Sie denn schon geschrieben?“, fragte sie hinterhältig.
    „Kain und Abel, mein letztes Buch, ist mein vierzehntes Machwerk.“
    Ach du Scheiße. Bitte, Boden, tu’ dich auf!
    „Sie sind Alice Berger?“
    Alice lächelte wie die Mona Lisa im Louvre. „Mein Mädchenname. Wenn Sie den

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