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Tages-Deal: Kudamm 216 - Erbsünde (German Edition)

Tages-Deal: Kudamm 216 - Erbsünde (German Edition)

Titel: Tages-Deal: Kudamm 216 - Erbsünde (German Edition)
Autoren: Nika Lubitsch
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hinter Bernie die Tür. Bernhard Goldsmith, Judith fasste es nicht. Nicht, dass sie sich je für klassische Musik interessiert hätte, aber den Goldsmith erkannte sogar sie. Bernhard Goldsmith, der Maestro, der weltberühmte Dirigent. Die Graue verschwand wie der Blitz im Gang neben der Sitzgruppe. Judith versuchte natürlich etwas zu verstehen, was hinter den Kitschfenstern geredet wurde. Aber außer einem gedämpften Gemurmel hörte sie nichts.
    Wieder Schritte, hier ging es zu wie auf einem Verschiebebahnhof, die Frau mit dem grauen Bubikopf kam mit einem jungen Mann in das Etwas, von dem sie sich gerade entschieden hatte, es Eingangshalle zu nennen.
    Der junge Mann lächelte sie an und augenblicklich hätte Judith in der Erde versinken können. Warum hatte sie sich nicht sorgfältiger zurechtgemacht, fragte sie sich und strich eine ihrer fettigen Strähnen hinter das Ohr. Weil ihr keiner gesagt hatte, dass hier leibhaftige Götter rumliefen. Und damit meinte sie nicht Bernhard Goldsmith, sondern dieses Sonderexemplar von Mann, der zwar gerade wohl irgendein Zimmer renoviert hatte, weil er ein bisschen mit Farbe besprenkelt war, aber dabei so hinreißend aussah, dass sein Blick aus dunkelbraunen Samtaugen ohne Umweg unterhalb ihres Bauchnabels ankam.
    „Und vergiss die koscheren Gurken nicht“, mahnte die Graue. „Und beeil dich.“
    „Geht klar, Elke“, sagte der junge Gott, drehte sich noch einmal um und lächelte Judith an. Boden, tu dich auf und lass mich verschwinden, dachte sie. Minuten später kam Elke mit einem silbernen Tablett mit Tassen, die aussahen, als ob der Henkel abbricht, wenn man versucht daraus zu trinken, zurück und steuerte auf die Glastür zu.
    „Schätzchen“, sagte sie mit einem Blick auf Judith, „seien Sie so gut und öffnen Sie die Tür.“
    Judiths Neugierde siegte über ihren Stolz. Sie sprang auf und öffnete die Schiebetür. Die Frau in Flaschengrün, die vorhin mit ihrem Stock durch die Eingangshalle gespurtet war, saß hinter einem überdimensionalen Schreibtisch, davor auf einem grünen Designersessel Bernieliebling. Zwischen den riesigen Fenstern hinter dem Schreibtisch hing ein modernes Gemälde in sanften Blau- und Grüntönen. Na, wenigstens hat hier nicht alles Spinnweben, dachte Judith. Elke bedankte sich und Judith verzog sich wieder in ihren Nazisessel. Merkwürdige Familie. Und wo zum Teufel war dieser Kaldenberg?
    Aber der interessierte sie jetzt eigentlich gar nicht mehr, sie wollte auf jeden Fall warten, bis dieser junge Gott mit den koscheren Gurken zurückkam. Und dahinter kommen, in was für einem merkwürdigen Haus sie hier gelandet war. Sie versuchte also so zu tun, als ob sie weiter im Spiegel lesen würde.
    „Bernie, du bleibst doch zum Essen?“, fragte Elke.
    „Sorry, Elke, ich muss gleich wieder weg, auch wenn es bricht mein Herz“, hörte Judith aus dem grünen Designteil. Elke zog sich enttäuscht zurück, jetzt hatte sie den jungen Gott ganz umsonst koschere Gurken kaufen lassen, dachte Judith und verkniff sich ein Grinsen. Schade, die Tür war wieder geschlossen. Elke lächelte sie an.
    Das ‚Schätzchen' quittierte es mit einem eisigen Blick: „Tschuldigung, ich hatte bereits vor einer halben Stunde einen Termin mit Herrn Kaldenberg.“
    „Tja, da kann man nichts machen.“ Und damit verschwand Elke im Gang.
    Eine dreiviertel Reportage über den Irak später hörte Judith, wie die Haustür aufgeschlossen wurde. Das konnten eigentlich nur die koscheren Gurken sein, sie setzte sich jedenfalls in eine erotisch günstigere Position und ärgerte sich, dass ihr T-Shirt so ausgelabbert war. Der junge Gott schleppte sich, mit vier Tüten beladen, in Richtung Gang und warf ihr dabei einen amüsierten Blick zu, der ihr sofort eine leichte Röte auf die Wangen zauberte.
    „Auf wen warten Sie eigentlich?“, fragte er.
    „Auf Herrn Kaldenberg und das schon seit einer geschlagenen Stunde.“
    „Da können Sie auch lange warten“, sagte er und verschwand lächelnd im Gang.
    Irgendetwas stimmte hier nicht. Hinter den Glasscheiben tat sich was. Der Maestro schob sie auf. Sein Blick fiel auf Judith und er sagte: „Hoffentlich ich bin nicht schuld, dass Sie müssen warten.“
    „Oh nein!“, versicherte sie. „Ich warte auf Herrn Kaldenberg.“
    „Ach!“ Der Maestro drehte sich um, und jetzt sah Judith die Frau, die vorhin mit einem einzelnen Stock durch die Eingangshalle gedüst war. Sie saß in einem Rollstuhl, den sie gerade um ihren

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