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Tagebuch der Apokalypse 01

Tagebuch der Apokalypse 01

Titel: Tagebuch der Apokalypse 01
Autoren: J.L. Bourne
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Wie alles anfing...
    1. Januar
    3.58Uhr
    Ich wünsche mir ein Frohes Neues Jahr. Nach einer heiter durchsoffenen Nacht war ich wieder nüchtern und machte mich auf den Heimweg. Mittlerweile hängt mir der Heimaturlaub zum Hals raus. Ich bin zwar dankbar für die Ausbildungspause, aber Arkansas altert schnell. Meine Freunde trinken alle noch das gleiche Bier und treiben den gleichen Stuss. Ich kann es kaum erwarten, wieder daheim in San Antonio zu sein. Vorsatz fürs Neue Jahr: Tagebuch schreiben.
    2. Januar
    11.00Uhr
    Endlich keinen Kater mehr. Ist ein Fernseher in Reichweite, schaue ich gern Nachrichten, aber hier draußen, im Haus meiner Eltern, scheint man nur lokale Sender reinzukriegen. Interneteinwahl werde ich gar nicht erst versuchen, das würde mich eh nur an den Rand des Wahnsinns treiben. Es sollte reichen, zu Hause die E-Mails zu prüfen. Sieht aus, als wäre irgendwas in China los. Die Lokalnachrichten melden, dass da drüben irgendein Grippevirus rummacht. Wir hatten dieses Jahr eine üble Grippewelle. Ich habe mich auf dem Stützpunkt impfen lassen, weil ich nicht warten wollte, bis der Impfstoff knapp wird. Ich freue mich, dass ich morgen nach Hause fahre und wieder an mein Digitalkabel und meine Hochgeschwindigkeits- Internetverbindung angeschlossen sein werde.
    Nicht mal mein Scheißhandy funktioniert in dieser Einöde. Das Schlimmste hier ist das Wissen, mein altes Tempo nur durch eine Menge Flugrunden wieder erreichen zu können. Als ich zu den Marinefliegern ging, rechnete ich nicht damit, dass man ohne ununterbrochenes Arbeiten und Lernen nicht mal seine Mindestform halten kann.
    3. Januar
    6.09Uhr
    Heute Morgen rief meine Großmutter an, um Mama zu sagen, dass wir Krieg gegen China führen werden. Sie wollte mich zum Desertieren überreden. Ich soll nach Kanada abhauen. Ich glaube ernsthaft, dass Oma einen an der Waffel hat. Ich habe die Fernsehnachrichten eingeschaltet und mehr oder weniger erwartet, irgendeinen Scheißdreck über ein gegen China verhängtes Handelsembargo zu hören. In den Nachrichten hieß es, der Präsident hätte zugestimmt, militärisches Personal zu Beratungszwecken nach China zu schicken.
    Da fragt man sich schon, was wohl Amerika zu bieten hat, das ein großes böses Land wie China brauchen kann. Die haben doch alle Bodenschätze, die man sich wünschen kann. Seitdem frage ich mich ständig, ob ich in meinem Haus in San Antonio eine Lampe habe brennen lassen. Ich habe zwei Solarzellen auf dem Dach, bin aber auch ans Stromnetz angeschlossen. Die Zellen nutze ich, um dem Kraftwerk, wenn ich im Einsatz bin, Strom zu verkaufen. Die haben sich schon amortisiert.
    5. Januar
    20.04 Uhr
    Nach einer schönen 10- Stunden- Fahrt aus Nordwest-Arkansas bin ich gestern zu Hause angekommen. Zu Weihnachten habe ich ein Satellitenradio bekommen. Auf der Heimfahrt habe ich es eingeschaltet. Ich habe während der ganzen Fahrt BUZZ und FOX gehört, zwischendurch aber auch mal Musik aus dem MP3- Player. Bin leider nicht auf die Idee gekommen, das Radio im Haus meiner Eltern einzuschalten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es auch dort, mitten im Nirgendwo, funktioniert hätte.
    Die China-Sache scheint sich zuzuspitzen. Die Nachrichten melden, dass wir mehr als zehn Leute an diesen.
    China-Bazillus verloren haben. Die anderen »Militärberater«, die sich noch in China aufhalten, müssen in Quarantäne, bevor sie in die USA zurückdürfen. Na toll. Da geht man rüber, um denen zu helfen, und was kriegt man dafür? Knast!
    Der heutige Montag war nicht übel. Musste ein paar Übungseinsätze fliegen. Die EP-3 ist im Grunde eine C-130 mit einem Haufen Antennen. Man kann sie zwar kaum von Hand manövrieren, aber in 20 000 Fuß Höhe empfängt sie eine Menge wertvoller Daten.
    Heute hat mein Freund aus Groton, Connecticut, angerufen. Bryce ist U-Boot- Offizier. Als ich vor ein paar Jahren die Platten in meinem Haus installiert habe, hat er mir oft mit Teilen aus abgewrackten Dieselbooten ausgeholfen. Er sagt, dass er sich scheiden lassen will; seine Frau hat zugegeben, ihn betrogen zu haben. Ich hatte bei ihr schon immer ein komisches Gefühl, habe aber nie was gesagt. Hätte wohl auch keine Rolle gespielt, wenn ich’s getan hätte. Wir haben uns ziemlich lange über die Sache in China unterhalten. Er geht davon aus, dass es sich um einen bösen Grippeerreger handelt. So ähnlich sehe ich die Sache auch.
    9. Januar
    16.23 Uhr
    Endlich Freitag.Heute hat meine Mutter mich übers Handy angerufen

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