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Suppenmord: Kommissar Hölderling kocht (German Edition)

Suppenmord: Kommissar Hölderling kocht (German Edition)

Titel: Suppenmord: Kommissar Hölderling kocht (German Edition)
Autoren: Edda Minck
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    Kapitel 1
    Wer an jenem kalten Freitagabend im Dezember durch die Kölner Altstadt ging und in Jobst Freitags Delikatessenladen einkehren wollte, fand sich vor verschlossenen Türen wieder. Ein Schild am Eingang erstickte auf der Stelle alle Gedanken an Heimeligkeit, Aromen, Leckereien und ein gutes Glas Wein oder ein frisch gezapftes Kölsch. Auf dem Schild stand: GESCHLOSSENE GESELLSCHAFT. In Großbuchstaben. Es brüllte einem den Sachverhalt regelrecht entgegen. Einige verwirrte Stammkunden, die trotzdem beherzt die Klinke ergriffen und der alten Holztür mit schmiedeeisernem Gitter vor den bunten Fenstern den nötigen Druck versetzten, scheiterten. Die Tür schwang nicht auf, und das Messingglöckchen schwieg.
    So erging es auch Dr. Brehm, dem Pressesprecher der örtlichen Polizeibehörde. Er prallte zurück und musste sich erst einmal sammeln, um es ein zweites Mal zu probieren. Die Klinke fest in der Hand, drehte und rüttelte er, bis endlich die Bedeutung dessen, was da auf dem Schild stand, auch in sein Bewusstsein sickerte. Geschlossene Gesellschaft!? Unmööchlich! Angefangen vom Klüngel bis zur Medienszene war eine Veranstaltung erst dann gelungen, wenn Brehm sie mit seinem Erscheinen geadelt hatte. So jedenfalls gebot es sein Selbstverständnis.
    Er trat einen Schritt zur Seite, guckte durch die große, von innen beschlagene Schaufensterscheibe – und stutzte. Denn er erwartete eine wild wogende Menge ausgelassener Leute, zu ebenjener GESCHLOSSENEN GESELLSCHAFT gehörend, die ihrer Feierlaune freien Lauf ließen. Er wischte mit der flachen Hand über die Scheibe und presste seine Nase ans kalte Glas. Könnte ja sein, dass es sich um gänzlich unwichtige Personen handelte, zu denen er sowieso nicht gehören wollte. Aber alles, was er in dem schummrigen Licht erkennen konnte, waren die Gestalten von Werner Zabel, leitender Polizeibeamter von Mord II, und ihm gegenüber am Tisch sein ranghöchster Mitarbeiter Hauptkommissar Gregor Hölderling, vor schlichtem, aber gediegenem Porzellan, auf dem sich, wie Brehm vermutete, das beste Filet vom Wagyu-Rind befand, das in Europa aufzutreiben war.
    In ihm stieß der wilde Stier kleine Wölkchen durch die Nüstern und scharrte mit den Hufen. Das da drinnen waren seine Kollegen! Und Jobst Freitag würde doch bitte die Freundlichkeit haben … Und was hieß hier geschlossene Gesellschaft? Nur zwei Männer – da war auf jeden Fall Platz für einen dritten, und für ihn, Brehm, schon lange. Er klopfte an die Scheibe. Die beiden Männer am Tisch reagierten nicht. Hölderling kaute in Ekstase, seinen Kopf etwas schief gelegt, den Blick zum Himmel gewandt, die Augen geschlossen; und Zabel saß mit seiner Nase tief über seinen Teller gebeugt da, eine weiße Leinenserviette über dem Kopf, als wolle er ein Kamillendampfbad nehmen.
    Brehms Faust auf dem Weg zur Glasscheibe stoppte mitten in der Bewegung, als er das seltsame Gebaren Zabels sah. Was für einen Quatsch führt der denn da auf?, dachte Brehm. Der tut ja so, als verkoste er einen Ortolan! – Immerhin war es ein verbotenes Vergnügen, kleine, unter Artenschutz stehende Singvögelchen zu grillen und unter großem Brimborium zu verspeisen. Eine französische Skurrilität. Aber die aßen ja auch geschmorte Frösche und waren noch zu ganz anderen Fisimatenten fähig … Brehm klopfte erneut, diesmal an die Tür, und nach wenigen Sekunden wurde aufgeschlossen. Jobst Freitag, wie immer in schwarzer Kellnerhose und tadellosem, weißem Hemd mit aufgekrempelten Ärmeln, öffnete die Tür ein paar Zentimeter, versperrte Brehm aber den Zutritt. Jobst wartete gar nicht ab, sondern sagte in breitestem Kölsch, das er nur hervorholte, um unmissverständliche Absagen zu erteilen: «Jeschlossene Jesellschaft, Herr Doktor. Tut mir escht leid. Die beiden Herren möchten ontre nus bleiben. Nix ze maache. Widdersehn.»
    «Aber ich habe Hunger! Und ich bin Stammkunde, und es ist nicht einzusehen, dass … Und überhaupt, das sind meine Kollegen, meine Freunde, sozusagen, die werden doch …»
    «Tut mer leid. Die kennen hück kinne Fründe.»
    Brehm atmete tief durch und versuchte es auf die Mitleidstour.
    «Der Laden ist leer, bis auf die beiden. Sind wir alleinstehenden Männer mittleren Alters nicht geradezu verpflichtet, im Hunger solidarisch zu sein?»
    Jobst fuhr sich mit beiden Händen durch die Haare. Der hatte ihm gerade noch gefehlt. Eine Diskussion mit Brehm war das Letzte, was er wollte, daher

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